Halberstadt l Der Domschatz Halberstadt ist für seine Kostbarkeiten bekannt. Jährlich zieht er etwa 25.000 Besucher aus Deutschland und der Welt in seinen Bann. Seltene Funde aus längst vergangenen Zeiten präsentiert der Domschatz und gibt einen Einblick in mittelalterliche Kunst und Glauben im heutigen Sachsen-Anhalt.

Gezeigt werden derzeit nicht nur die eigenen Schätze. Bis zum 1. Juni gastieren in den Ausstellungsräumen ein romanisches Amulett und die sogenannte „Hallesche Laurentiustafel“ in der Schatzkammer, informierte Dr. Uta-Christiane Bergemann von der Domschatzverwaltung. Diese beiden herausragenden archäologischen Funde seien vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zur Verfügung gestellt worden.

Austausch

Das romanische Amulett aus Bernstein in Form eines vereinfachten Jerusalemkreuzes entdeckten Archäologen während einer Ausgrabung im Vorraum des Heiligen Grabes in der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode. Es lag im Halsbereich einer dort aufgefundenen mittelalterlichen Bestattung. Das kleine Kreuz aus dem 12. Jahrhundert beeindruckt durch die Schlichtheit seiner Form, so Uta-Christiane Bergemann. Die sogenannte „Hallesche Laurentiustafel“ aus der Zeit um 1180 wurde bei Bauarbeiten auf dem Gelände des sogenannten „Kühlen Brunnens“, einem Bürgerpalast aus der Renaissance, in Halle entdeckt. „Die emaillierte und zum Teil feuervergoldete Grubenschmelzplatte aus Kupfer zeigt Szenen des Heiligen Laurentius, auf denen er die Armen und Kranken als ewigen Schatz der Kirche präsentiert“, so Uta-Chris­tiane Bergemann. Vermutlich sei die Tafel ehemals Teil eines Reliquiars oder Tragaltars gewesen und passt damit hervorragend in die Ausstellung der Schatzkammer.

Im Austausch für das romanische Amulett und die Laurentiustafel erhielt das Landesmuseum Halle zwei wertvolle Leihgaben der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt aus dem Halberstädter Domschatz, die in der großen Sonderausstellung „Ringe der Macht“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) ebenfalls bis zum 1. Juni zu bewundern sind – zwei kostbare Armreliquiare des Domschatzes. In deren Zentrum steht der magische „Inschriftenring von Paußnitz“ aus dem frühen 13. Jahrhundert. Innerhalb des mittelalterlichen Europas stellt der zwölfseitige Silberring mit einer kodierten Inschrift eine Seltenheit mit nur wenigen Vergleichsstücken dar.