Deersheim l 4407 Euro betrug das Minus im Jahr 2017, berichtete Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Englert auf der Mitgliederversammlung der Genossenschaft. Das Defizit des Jahres 2016 ist damit halbiert worden. 2017 war aber auch erst das erste Jahr, in dem der Dorfladen über zwölf Monate geöffnet hatte.

"Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns." Englert führt den Verlust auch auf die bisherige Unerfahrenheit der Akteure zurück. Man habe reagiert und Aufgaben nun auf mehr Schultern verteilt. "Ein Problem ist, wir haben immer noch nicht das berühmte Deersheimer Sortiment gefunden. Wir müssen von euch wissen, was wollt ihr kaufen und was sollen wir verkaufen." Mit dem bestehenden Kassensystem, ging Englert ins Detail, lasse sich bisher nicht im Detail nachvollziehen, welche Artikel laufen und welche nicht. Man bemühe sich aber jetzt um eine Artikelverwaltung.

Die Genossenschafter sind dabei, weitere Ideen zusammenzutragen, die den Ladenbetrieb wirtschaftlich gestalten. Dazu könnten für die Zukunft Mietregale gehören, über die regionale Anbieter ihre Produkte verkaufen, mit Provision für das Geschäft. Damit wären die Deersheimer die ersten in Sachsen-Anhalt mit solchem Angebot.

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Ideen für Montag gesucht

Ideen werden auch für das Warenangebot an Montagen gesucht. "Montag ist ein ganz tödlicher Tag", sagte Englert. Da backe der Bäcker nicht, es gebe nur Brötchen, könne aber kein Brot und kein Kuchen angeboten werden. Es gebe also weniger Umsatz als sonst.

Wieder aufgenommen werden sollen die monatlichen Veranstaltungen. "Das ist durch das Ortsjubiläum ins Hintertreffen geraten", blickte Wolfgang Englert zurück. So gibt es am heutigen Mittwoch ab 19 Uhr einen gemütlichen Abend mit Gedichten, Geschichten und Musik.

Auf der Versammlung wurde Klartext geredet, aber keineswegs Trübsal geblasen. Dass der Dorfladen seine Zeit braucht, um zu laufen, haben alle vorher gewusst. Auch dass es ein schwieriger Weg ist. "Wir haben im Durchschnitt etwa 100 Kunden und 700 bis 800 Euro Umsatz am Tag", berichtete Aufsichtsratsmitglied Hans-Jürgen Müller. "Das ist schon eine ganz Menge." Aber: "Die Betriebskosten erdrücken uns." Nachzahlungen und Energiekosten, die höher als erwartet waren, belasteten das Ergebnis. So fehlt dem Dorfladen eine gedämmte Raumdecke. "Die 8500 Euro dafür haben wir nicht", sagte Müller.

Lob für Engagement

Nach einer schwierigen Phase, betonte er, "haben wir alles wieder in den Griff bekommen".

"Wir sind angewiesen auf Ideen, um mehr Umsatz zu machen." Müller lobte das Engagement der Deersheimer. Fast 40 der 138 Mitglieder würden regelmäßig ehrenamtlich im Laden helfen. Beim Einräumen der Regale etwa oder bei der Reinigung. Er hob Gertraud Wolff hervor, "die ja hier fast schon wohnt". Hauptamtlich arbeitet der Dorfladen mit vier Teilzeitkräften.

Sehr erfolgreich seien die Märkte nebenan in der Markthalle gelaufen. "Die Einnahmen fließen in den Dorfladen."

Dorfladen nutzen

Müller und Englert appellierten, den Dorfladen für die Einkäufe zu nutzen. "Es ist unser Laden", betonte der Aufsichtsratschef. Benötigt würden weiterhin Hinweise zum Sortiment. "Sagt Bescheid", bat Müller, "wenn ihr etwas braucht, bekommt ihr es auch zusammengestellt." Sein Appell zum Abschluss: "Wir müssen es dieses Jahr schaffen, das Geschäft zu stabilisieren. Wir müssen uns weiterentwickeln als Genossenschaft und brauchen dafür auch die Anregungen aller Bewohner dieses Ortes."

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Genossenschaft wurden für das Geschäftsjahr 2017 entlastet. Beschlossen wurde, alles dafür zu tun, um 2018 in die schwarzen Zahlen zu kommen. Englert: "Ich denke, dass wir das schaffen."