Osterwieck l Das nagelneue Quad hat Blaulicht, Martinshorn, Funkgerät, Sani-Koffer und sogar einen Defibrillator an Bord. Die Osterwiecker Sanitäter haben es nicht geschenkt oder gestellt bekommen, sondern selbst erwirtschaftet.

„Wir hatten uns eine Art Wunschliste zusammengestellt, was wir noch für unsere Arbeit benötigen“, berichtete der örtliche Bereitschaftsleiter Jan Heinicke. Vier Jahre sparten die Mitglieder jeden Euro, den sie bei Veranstaltungen für ihre Absicherungsdienste erhielten, für das Quad an. „80 Prozent kommen von den Mitgliedern“, betonte Kreisbereitschaftsleiter Frank Hachmann.

Dienst als Melderfahrzeug

Der Restbetrag wurde vom DRK-Kreisverband Quedlinburg-Halberstadt übernommen. Dessen Geschäftsführer Michael Funke weiß, welche Dienste das Quad als Melderfahrzeug leisten kann. Er sieht aber auch die Attraktivität, die solch ein geländegängiges, vierrädriges Motorrad auf junge Leute ausübt. Stichwort Nachwuchsgewinnung. „Wir wollen junge Leute ansprechen. Nur mit einer Sani-Tasche geht das nicht mehr.“

Dem stimmt auch DRK-Kreisverbandsvorsitzender Henning Rühe zu. Er attestiert den Osterwieckern vorbildliche Arbeit.

Nachwuchs aus den Schulen

Dafür steht der personelle Aufschwung der jüngsten Vergangenheit – nach Jahren des Personalrückgangs. Nachwuchs rekrutiert der Sanitätszug vor allem aus den Schulen. Im zweiten Jahr betreuen die Osterwiecker Ehrenamtlichen die Sanitäter-Arbeitsgemeinschaft an der Dardesheimer Sekundarschule. Nach Einschätzung von Michael Funke müsste es viel mehr dieser Schulsanitätsdienste geben. „Die bringen ja auch für die Schule einen Mehrwert. Sie kann dadurch eigene Veranstaltungen selbst absichern.“

Frank Hachmann sieht noch einen weiteren Aspekt, der über die Erste Hilfe hinausgeht. Die Mitarbeit im Sanitätsdienst stärke die Sozialkompetenz der Schüler, sie würden ganz einfach vernünftiger miteinander umgehen.

Oft sind Mitglieder des jetzt 20-köpfigen Osterwiecker Sanitätszuges in ihrer Freizeit zu Einsätzen in der Umgebung unterwegs. Bei den Heimspielen der Halberstädter Regionallfußballer stehen sie immer mit an der Seitenlinie, ungezählte Feste und Sportveranstaltungen sichern sie ab, leisten Erste Hilfe bei Verletzungen oder Unfällen. „Viele Leute denken ja, wir gehören zum DRK-Rettungsdienst“, stellt Frank Hachmann in Gesprächen immer wieder fest. „Aber wir machen das ehrenamtlich.“

Drei Fahrzeuge

Über drei Fahrzeuge, für Laien äußerlich von den Rettungsdienstwagen kaum zu unterscheiden, verfügt der Osterwiecker Sanitätszug, der auch in den Katastrophenschutz des Landkreises eingebunden ist. Bei Hochwassereinsätzen waren die Mitglieder dabei. Hachmann erinnert sich, welch gute Dienste ein Quad damals bei Aken hätte leisten können. Allein schon um als wendiges, geländegängiges Fahrzeug das Gelände und freie Routen zu erkunden. Oder als durch einem Orkan die Kommunikation zusammengebrochen war. Dann hätte solch ein Quad als Melderfahrzeug Informationen übermitteln helfen können.

Katastrophenschutzfälle kann man zeitlich nicht vorausplanen, aber die Einsätze der Absicherungen. Beim Sachsen-Anhalt-Tag in Quedlinburg, bei zwei Großveranstaltungen in Ferropolis, beim Triathlon in Quedlinburg und beim Extrem-Hindernislauf in Schauen wird das Quad dieses Jahr wichtige Dienste leisten, sind Hachmann und Heinicke überzeugt. Um sich mit wenig Platzbedarf den Weg durch Menschenmassen sowie ins Gelände bahnen zu können. Derzeit machen sich die Mitglieder noch mit dem Fahrzeug vertraut, damit jeder, der einen Pkw-Führerschein besitzt, sicher fahren kann. 61 PS leistet das Quad der Marke CFMoto, auf dem zwei Personen Platz finden.

Wunsch erfüllt

Den größten Wunsch haben sich die Osterwiecker Sanitäter nun erfüllt. Für die Abarbeitung der weiteren Liste werden sie erneut sparen. Für kommendes Jahr planen sie den Kauf eines Anhängers, auf dem das Quad zu entfernten Einsatzorten transportiert werden kann, der aber bei Bedarf auch hinter das Quad gespannt werden kann.

Den DRK-Sanitätszug gibt es in Osterwieck übrigens seit 1991, heute ist aber eine ganz neue Generation aktiv. Die Anfänge einer freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes in der Stadt liegen bereits im Jahr 1906.