Überbrückungsjahr

Ein Jahr zwischen Kohl und Salat: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in der Gartenmanufaktur Veltheim

Sich beruflich finden und für den Erhalt der Natur einsetzen: Majdon Löhr hat viel erreicht in ihrem FÖJ in der Gartenmanufaktur Veltheim.

Von Vera Heinrich
Ulrike Niggemeyer (links) und Majdon Löhr freuen sich darüber, dass in den selbstgebauten Hochbeeten der FÖJlerin inzwischen Gemüse und Salat wachsen und gedeihen.
Ulrike Niggemeyer (links) und Majdon Löhr freuen sich darüber, dass in den selbstgebauten Hochbeeten der FÖJlerin inzwischen Gemüse und Salat wachsen und gedeihen. Vera Heinrich

Veltheim - Grün ist ihr Arbeitsplatz: Thymian, Lavendel und Ringelblumen im Kräuterbeet. Tomaten, Weintrauben und Erdbeeren im Gewächshaus. Kohlrabi, Salate und Weißkohl in Hochbeeten. Majdon Löhr ist ganz in ihrem Element.

Schon von Kindesbeinen an liebt sie die Natur und hat Spaß am Gärtnern, sagt sie. Früh hat sich der Berufswunsch der Gärtnerin ergeben. „Und hat sich im Laufe meines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) verfestigt“, hat die 19-Jährige festgestellt. Nach dem erweiterten Realschulabschluss im vergangenen Sommer hat sie ihr FÖJ in der Gartenmanufaktur Veltheim begonnen und steht kurz vor dem Abschluss.

„Ich habe mich in den letzten zwölf Monaten hier weiterentwickeln können“, findet sie. Nach dem Schulabschluss wollte sie gern ausprobieren, wie es sich anfühlt, ein Jahr lang draußen zu arbeiten. „Ein Bürojob ist nichts für mich“, hat sie für sich entschieden. In Ulrike Niggemeyers Gartenmanufaktur konnte sie nun „das Reinkommen ins richtige Berufsleben üben“, so die junge Frau.

Eine gute Übung fürs spätere Berufsleben

Je nach Saison standen für die Osteröderin unterschiedliche Aufgaben an auf den rund 3500 Quadratmetern Gartenland. Anfang des Jahres sei sie viel mit dem Zurückschneiden von Sträuchern und Büschen beschäftigt gewesen. Im Frühjahr habe sie in den Gewächshäusern Gemüse ausgesät, pikiert und ausgepflanzt. Aktuell schneide sie Pflanzen frei und mähe viel Rasen. Mit der Sense per Hand, versteht sich von selbst in der ökologisch geführten Gartenmanufaktur. Majdon Löhr gesteht: „Erst konnte ich das Sensen überhaupt nicht leiden. Inzwischen habe ich die Technik raus, sodass es mir richtig Spaß macht.“

Gerade in den frühen Morgenstunden habe die Arbeit fast meditativen Charakter, schildert sie. „Eine meiner liebsten Ecken ist die Streuobstwiese. Wenn morgens noch alles ganz still ist und ich zwischen den Apfelbäumen das Gras sense, genieße ich diese Ruhe und die Magie des Augenblicks in der Natur“, schwärmt Majdon Löhr. Gerade zu dieser frühen Tageszeit sei dort viel zu entdecken, beschreibt sie: „Da sehe ich schon mal eine Eidechse oder Vögel, die sich sonst nicht zeigen.“

Ulrike Niggemeyer findet über die zweite FÖJlerin in ihrem Gartenbetrieb treffende Worte: „Ziel erreicht. Ich wollte das Verständnis für Natur und die Zusammenhänge weitergeben und zeigen, wie wichtig Vielfalt in einem gesunden Garten ist.“

Vielseitige Aufgaben je nach Jahreszeit

Vielfalt gibt es nicht nur in der Anlage zu entdecken. Vielfältig ist auch das FÖJ in der Veltheimer Gartenmanufaktur. „Ich versuche, auf die jeweiligen Interessen bestmöglich einzugehen“, sagt die gelernte Gartenbautechnikerin. So haben sie Exkursionen in den Wald oder ins nahe gelegene Renaturierungsgebiet unternommen. Auch gemeinsam gebacken haben die Frauen. Ulrike Niggemeyer betreibt im Dorf das Café „Brennnessel“. Da werden die frisch geernteten Früchte aus eigenem Anbau in Gebäck oder Fruchtaufstrichen verarbeitet.

Majdon Löhr hat Kuchen ohne tierische Produkte gebacken. Die Osteröderin ist seit zwei Jahren Veganerin. „Ernährung ist auch ein Thema, das mich sehr interessiert“, erzählt sie. Daher startet sie nach ihrem FÖJ eine fünfmonatige Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin. „Zum einen zur Überbrückung bis ich eine Stelle für meine Gärtnerausbildung gefunden habe. Zum anderen, weil die pflanzenbasierte Ernährung sehr gut zu dem passt, was ich hier gelernt habe“, erläutert sie.

Mut zum eigenständigen Ausprobieren

Zusätzlich zu den praktischen Erfahrungen hat sie sich auch in fünf Wochenseminaren weitergebildet. Diese bietet die Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz Sachsen-Anhalt an, die einer der Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres im Land ist. Die praxisorientierten Seminare haben Majdon Löhr besonders gut gefallen. „Ich habe da tolle Leute kennengelernt, die sich auch für Ökologie interessieren“, erzählt sie und bedauert: „Leider konnten wir nur die erste Veranstaltung in Präsenz erleben. Pandemiebedingt fanden die Folgenden online statt.“ Dabei gehe viel verloren, weil der direkte Austausch untereinander fehle.

Zum Abschluss ihres FÖJ hat sie noch eine Projektarbeit anzufertigen. Praktisches habe sie bereits geleistet, weiß ihre Chefin Ulrike Niggemeyer zu schätzen. So hat die Osteröderin Hochbeete aus Holz angefertigt. Darin wachsen nun Kräuter, Salate und Kohl.

Majdon Löhr hat sich zudem in einer theoretischen Arbeit damit beschäftigt, wie jeder die Artenvielfalt fördern und die Natur unterstützen kann. Ein Thema, das ihr am Herzen liegt und in dem sie viel Praxis sammeln konnte.„In der Schule habe ich bereits ein Praktikum auf einem kleinen Demeter-Hof bei Stendal gemacht, auf dem Gemüse angebaut wird“, sagt sie.

Der Natur ihren Lauf lassen

Inzwischen hat sie angefangen, das Gelernte auch im heimischen Garten in die Tat umzusetzen. „Ich habe Zwiebeln und Karotten gepflanzt“, erzählt sie. „Zunächst war ich immer unsicher und habe befürchtet, dass es nichts wird. Seit Beginn meines FÖJs habe ich festgestellt, dass man einfach den Mut haben muss, etwas auszuprobieren.“ Eine Erfahrung, die sie nach eigener Einschätzung selbstbewusster und selbstständiger gemacht hat. „Wenn es mal nicht klappt, versuche ich es eben nochmal. Außerdem muss man Geduld haben.“

Ulrike Niggemeyer stimmt ihr zu: „Man muss die Natur einfach machen lassen.“ Für Majdon Löhrs letzte Wochen in der Gartenmanufaktur steht nun eine Aufgabe an, auf die viele Gärtner das ganze Jahr hinarbeiten, so kündigt sie an: „Als Nächstes werden wir uns um die Ernte kümmern.“ Darauf freuen sie sich schon.