Straßenarbeiter bringen historische Wasserquelle in Schlanstedt zu Tage

Ein Stück Geschichte wieder entdeckt

Von Sandra Reulecke

Schlanstedt l Bei Schachtarbeiten für Abwasserleitungen entdeckten Arbeiter kürzlich einen fast vergessenen Brunnen. Dieser diente einst der Wasserversorgung der Vorburg und des Schäferhofs in Schlanstedt. Der Fund ist nicht überraschend: Immer wieder stoßen aufmerksame Betrachter auf Reste des ehemaligen Burggeländes. "Einige Häuser sind auf den Mauern der Vorburg gebaut wurden", berichtete der Schlanstedter Heimatkundler Harry Hildebrandt.

So auch das Wohnhaus von Klaus-Peter Bräunig, das eines der ältesten im Ort ist. "In unsrem Keller sieht man noch die großen, alten Sandsteine", sagte Bräunig. An der Außenwand seines Hauses wurde der Brunnen unter einer dicken Schicht Beton entdeckt. "Wir hatten schon länger vermutet, dass an dieser Stelle ein alter Schacht sein muss, denn auch im Winter war ein Rondell auf der Betonplatte immer eisfrei", berichtet der Schlanstedter, der seit 45 Jahren in dem Gebäude wohnt.

"Der Brunnen diente wohl schon den Grafen von Regenstein zur Wasserversorgung."

Harry Hildebrandt, Heimatkundler

Von dem Fund informierte er den Heimatforscher Harry Hildebrandt, der sofort mit der Recherche begann. "Ältere Bewohner können sich noch an den Brunnen erinnern", so Hildebrandt, "doch im Zuge der Verlegung von zentralen Wasserleitungen verlor er wie viele Brunnen seine Bedeutung und wurde versiegelt." Im heutigen Wohnaus der Familie Bräunig war bis etwa 1920 das Wirtshaus "Zum Schäferhof" mit einem angeschlossenen Tanzsaal untergebracht. Noch in dieser Zeit, bis um 1960, diente der Brunnen als eine öffentliche Wasserentnahmestelle. Diese wurde erst mit einer Holzwinde, "Winneborm" genannt, betrieben, später durch ein Schwengelpumpe.

"Der Brunnen gehörte in den Ringmauerabschnitt der sogenannten Vorburg und diente wohl schon den Grafen von Regenstein, in deren Besitz die Burg Schlanstedt bis 1344 war, bei Belagerungen zur Wasserversorgung von Mensch und Vieh", berichtete Harry Hildebrandt.

"Ich würde mich freuen, wenn der Brunnen wieder aufgebaut werden würde."

Hans-Peter Bräuning aus Schlanstedt

Der Schlanstedter teilte mit, dass bereits in den 1990-er Jahren eine historische Wasserstelle auf der Hauptburg gefunden wurde. Die Quelle wurde freigelegt und die Mauern rekonstruiert. Hildebrandt: "Erst durch ein altes Foto wurde uns bekannt, dass dort mal ein Brunnen gestanden haben muss."

Ähnliches würde sich Hans-Peter Bräuning auch für die Wasserstelle vor seinem Haus im Schäferhof wünschen. "Ich würde mich freuen, wenn er wieder aufgebaut werden würde, damit dieses Stück Geschichte nicht wieder verloren geht", sagte der 71-Jährige.