Halberstadt l Kaum ein Tag, an dem die Polizei in ihrer täglichen Pressemitteilung nicht über geglückte oder vereitelte Einbrüche informieren muss. Erst am gestrigen Mittwoch berichtete Reviersprecherin Bettina Moosbauer über drei Fälle, die tags zuvor am helllichten Tag und in der Nacht in der Kreisstadt registriert wurden.

Zwischen 6.45 und 16.15 Uhr drangen Unbekannte in eine Wohnung in der Maybachstraße ein und entwendeten neben 600 Euro Bargeld auch Zulassungspapiere fürs Auto. Zwischen 15.30 und 16.30 Uhr schlugen Täter in der Beckerstraße zu. Sie stiegen über das gekippte Fenster an der Gebäuderückseite ein und stahlen 40 Euro aus der Küche, während sich der Bewohner in einem anderen Zimmer aufhielt. In der Nacht zum Mittwoch kletterten Einbrecher im Sargstedter Weg durch ein Toilettenfenster in eine Werkstatt und stahlen Bargeld, Akkuschrauber und Laptop. Und damit nicht genug: Ganz früh am Morgen war es in der Oehlerstraße noch dreister zur Sache gegangen. Als eine 45-Jährige aus ihrem Flur merkwürdige Geräusche vernahm, stand sie bei der Kontrolle plötzlich vor dem Einbrecher, den sie mit energischem Auftreten über den Balkon in die Flucht schlug.

Täter immer dreister

Letzterer sei ein Extremfall, wie Polizeikommissarin Moosbauer bestätigt. Er zeige aber, dass die Täter bei ihren Raubzügen immer dreister würden. Die betroffene Frau habe sich unter den gegebenen Umständen aber optimal verhalten. „Man sollte – wenn man dazu in der Lage ist – laut und entschieden auftreten und den Täter zum Verlassen der Wohnung auffordern. Keinesfalls sollte man aber versuchen, den Täter festzuhalten oder irgendwie in die Enge zu treiben. Man weiß ja nie, ob und welche Waffen er bei sich führt und wozu er bereit ist, um flüchten zu können“, erinnert die 43-Jährige. Schon Einbruchswerkzeuge wie Brechstangen könnten in einer solchen Situation zu gefährlichen Waffen werden.

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Stattdessen sollten Opfer die Täter ziehen lassen, sofort die Polizei informieren und zumindest versuchen, die Art der Flucht – zu Fuß, mit Auto (Typ und Kennzeichen) oder Rad – und die Richtung durchzugeben, damit die Beamten sofort Ansatzpunkte haben. „Keineswegs sollte man versuchen, den Helden zu spielen.“

Auch rät die Beamtin dringend davon ab, etwa im Haushalt legal vorhandene Waffen einzusetzen. Das könne die Situation gefährlich zuspitzen und obendrein zum Bumerang werden. „Wenn der Täter flüchtet und dabei angeschossen wird, dürfte das aus juristischer Sicht kaum noch angemessen sein.“ Auch der Einsatz von Tieren – beispielsweise Hunden – könne schnell als nicht verhältnismäßige Körperverletzung gewertet werden.

Hausbesuche von Polizei

Letztlich habe die Verhinderung von Einbrüchen absolute Priorität. Die Polizei bietet nach Angaben von Bettina Moosbauer kostenlose Hausbesuche an, um etwaige Schwachpunkte zu analysieren.

Erster und immer wieder registrierter Knackpunkt seien dabei Wohnungstüren, die einfach nur ins Schloss gezogen würden. „Profis haben hier ein leichtes Spiel. Daher selbst bei kurzer Abwesenheit stets abschließen“, so der Rat der Expertin.

Zudem seien solide Türen mit Mehrfachverriegelung, ordentliche Beschläge ohne frei zugängliche Schrauben und Schließzylinder, die nicht gezogen werden können, die Basis für Einbruchsschutz. Bewährt hätten sich auch sogenannte Wendeschlüssel. Diese sind mit unterschiedlich tiefen Bohrvertiefungen codiert und die Zylinder daher kaum zu knacken.

Drahtschlingen-Trick

Schwachpunkt Nummer zwei sind nach polizeilichen Erfahrungen die Fenster und Balkontüren, über die Täter gerade im Erdgeschoss gern einsteigen. „Abgesehen von schlechten Verriegelungen, die massiver Gewalt nicht lange standhalten, sind gekippte Fenster geradezu eine Einladung für den Drahtschlingen-Trick“, berichtet die Kommissarin. Dabei werde von außen ein dünnes Seil um den Fenstergriff gelegt, das Fenster heran und das Seil nach unten gezogen – und schon ist das Fenster offen.

„Das Problem bei unverschlossenen Türen oder gekippten Fenstern ist nicht nur die mangelnde Barriere gegenüber Einbrechern“, warnt Moosbauer. „Profis sind schnell, hinterlassen kaum Spuren und tragen Handschuhe – im schlimmsten Fall wird es schwierig, den Einbruch überhaupt nachzuweisen.“ Außerdem könnten dann Versicherungen wegen grober Fahrlässigkeit Probleme bei der Regulierung der Schäden machen.

Polizistin gibt Tipps

Was rät die Expertin noch? Abschließbare Fenstergriffe seien eine weitere Hürde, die Einbrechern Zeit kosteten – im Schnitt brechen Täter bei Misserfolg nach drei Minuten ihren Versuch ab. Helligkeit und Sichtbarkeit seien wichtig – zugewachsene Ecken hinterm Haus eher hinderlich, wenn es um Aufmerksamkeit unter Nachbarn geht. „Abends sind Bewegungsmelder eine gute Sache.“ Die Krönung seien Videoüberwachung oder Kameras, mit denen man via App ins eigene Heim schauen könne.

„Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit und der Vorweihnachtszeit schlagen Einbrecher erfahrungsgemäß verstärkt zu: Weil oft Geld zu Hause liegt, das verschenkt werden soll, oder weil jungfräuliche Elektronikgeräte vorhanden sind, die verschenkt werden sollen und deren Gerätenummern nicht registriert sind.“

Sich bestmöglich zu schützen, ist letztlich mit Blick auf die Einbruchszahlen das Gebot der Stunde. Zwar gingen die registrierten Fälle im Harz zwischen 2015 und 2016 von 225 auf 162 Einbrüche zurück. In diesem Jahr wurden laut Bettina Moosbauer aber bis Ende August schon 151 Einbrüche registriert.