Halberstadt l Gerüchte über die Schließung des Rewe-Marktes An der Rabahne 16 in Halberstadt kursieren seit Kurzem in der Kreisstadt. Vor allem Anwohner aus dem näheren Umfeld des Supermarktes befürchten nach einer Schließung Einschnitte und vor allem längere Wege für den Einkauf.

Harald Mingerzahn wandte sich an die Volksstimme mit der Bitte, zu recherchieren, ob an dem Gerücht etwas dran ist. „Falls das so vorgesehen ist, wäre das ein gravierender Einschnitt in die Lebensqualität besonders älterer Bürger, die ihr täglich Brot von dort beziehen“, befürchtet der Halberstädter.

Verkaufsfläche zu klein

Das Gerücht entspricht der Wahrheit. Der Rewe-Markt An der Rabahne schließt Anfang des kommenden Jahres seine Türen, bestätigt Nadja Keller, Sprecherin der Rewe Group Unternehmenskommunika­tion Region Ost. „Leider mussten wir feststellen, dass auf der bestehenden Fläche eine positive wirtschaftliche Betreibung des Marktes nicht mehr möglich ist. Mit weniger als 800 Quadratmetern ist die Verkaufs­fläche nur halb so groß wie die eines modernen Standardbaus“, informiert Nadja Keller.

Das Unternehmen sei in dem Objekt An der Rabahne 16 als Mieter ansässig. Um den zeitgemäßen Kunden- und Einkaufsbedürfnissen sowie den modernen und nachhaltigen Anforderungen an eine Handelsimmobilie gerecht zu werden, müsste der bestehende Markt modernisiert und die Verkaufsfläche erweitert werden. „Dies ist in dem Objekt aus Genehmigungsgründen leider nicht umsetzbar“, rechtfertig das Handelsunternehmen die Schließung. Zu weiteren Details könne Rewe zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben. Unklar ist deshalb das Schicksal der Beschäftigten. Erhalten sie Angebote, an anderen Standorten zu arbeiten oder werden sie entlassen?

Einzelhandelkonzept der Stadt

Es stimmt, Märkte können in der Kreisstadt ihre Verkaufsfläche nicht einfach über 800 Quadratmeter erweitern. Das Einzelhandelskonzept, das großflächigen Einzelhandel von über 800 Quadratmetern außerhalb der festgelegten zentralen Versorgungsgebiete wie dem Stadtzentrum untersagt, steht dem entgegen. Obwohl sich ein anderes in Halberstadt ansässiges Handelsunternehmen davon nicht abschrecken ließ und einen Markt in den bestehenden Grenzen modernisierte und nicht schloss.

Der Stadtverwaltung Halberstadt sind allerdings keine Pläne bekannt, dass Rewe den Markt An der Rabahne 16 ausbauen oder erweitern wollte. „Wir kennen nur das Gerücht, dass der Markt schließen soll. Das Unternehmen selbst hat uns über diesen Schritt bislang nicht unterrichtet“, berichtet Sigrun Ruprecht von der Stadtplanung der Stadtverwaltung Halberstadt. Das sei meist so. Für eine geplante Ansiedlung wüssten die Unternehmen, wo die Stadtverwaltung sitzt, wird ein Markt geschlossen, gebe es im Vorfeld noch nicht einmal eine kurze Information über diese unternehmerische Entscheidung, so die Stadtplanerin.

Keine Unterversorgung befürchtet

Derzeit gibt es in Halberstadt zehn Lebensmittel-Discounter und sechs Supermärkte, so ­Sigrun Ruprecht. Städtebaulich betrachtet sei die Schließung angesichts der Außenlage des Marktes nicht so schlimm. Von einer Unterversorgung könne in der Stadt auch nicht die Rede sein. Wobei betroffene Kunden natürlich eine andere, individuelle Sichtsweise hätten, weil sich damit Einkaufswege verlängern.