Halberstadt l Sie hatten keinen leichten Job, die Mitarbeiter des Planungsbüros Cima. Rund 80 Halberstädter waren der Einladung von Stadtverwaltung und Planern zum jüngsten Bürgerspaziergang gefolgt und diskutierten mit, was werden soll aus dem Breiten Weg. Während Martin Hellriegel und Mark Hädicke vom Büro Cima die Diskussion interessiert verfolgten, mussten ihre Kollegen Aileen Haack und Max Burger aus den intensiven Gesprächen herausfiltern, was einfließen soll in die Gestaltungsvarianten.

In zwei Gruppen marschierten die Einwohner fast zwei Stunden lang mit den Planern und Vertretern von Stadtrat und Stadtverwaltung über ihren Breiten Weg, kritisierten das marode Pflaster zwischen Fischmarkt und Weingarten, das ungepflegte Erscheinungsbild vieler Bäume und Pflanzenbeete, bemängelten fehlende Angebote für Kinder und Familien sowie fehlende Wasserspiele oder Brunnen. Hier stimmten viele der geäußerten Meinungen überein, ebenso wie bei der Frage, ob der Breite Weg für den Autoverkehr geöffnet werden sollte oder nicht: Es war ein ziemlich einhelliges Nein, das an diesem Tag erklang.

Am Radfahren scheiden sich die Geister

Wesentlich umstrittener war da die Frage, ob Radfahrer auf dem Weg entlang radeln dürfen oder nicht. Während einige das rundweg ablehnten, sahen andere genug Platz, um einen Radstreifen auszuweisen.

Bilder

Ebenso vielstimmig war die Meinung zu dem Kräuterbeet. Während einige der Akteure das als unordentlich aussehend ablehnten, fanden andere genau dieses Angebot, den Städtern und ihren Kindern Wissen über Kräuter und Heilpflanzen näherzubringen, sehr gut. Hier setzten einige der Hinweise an, die die Bürgern den Planern unterbreiteten. Unter dem Schlagwort „urban gardening“, also Stadtgärtnern, gab es unter anderem Vorschläge, vielleicht im Schützenpark einen Teil ökologisch zu bewirtschaften, den dort von Bienen erzeugten Honig in einem kleinen Laden oder Pavillon auf dem Breiten Weg zu verkaufen.

Doch auch ein Volleyballfeld oder eine Bühne konnten sich einige der Anwesenden am Eingang zum Grüngürtel der Stadt vorstellen. Mit Programm für unterschiedliche Altersgruppen an verschiedenen Tagen. Vermisst wurde zudem ein einladender Zugang zum Breiten Weg gerade am Breiten Tor. Hier wurde die Idee geäußert, wieder eine echte Tor-Situation zu schaffen, vielleicht durch ein angedeutetes Tor oder ein Kunstwerk, das diese Anmutung schaffe.

Mehr echte Hingucker schaffen

Mehr Kleinteiligkeit war ein Thema, das viele der Spaziergänger beschäftigte. So könnte durch neue Aufteilung der vorhandenen Gewerbeflächen und Förderung vielleicht ein Anreiz geschaffen werden, dass junge Familien sich am Breiten Weg niederlassen, die produzieren oder gestalten, was sie dann am Breiten Weg verkaufen. In eine ähnliche Richtung zielte ein anderer Vorschlag. Man könnte die Obergeschosse der zwischen den Wohnblöcken stehenden ehemaligen Ladengebäude als Atelierwohnungen an junge Künstler vermieten, die dann mit Ausstellungen oder Aktionen Gäste auf den Breiten Weg locken.

Hingucker zu schaffen, farblich und durch die Gestaltung des öffentliches Raumes zum Beispiel mit Spiel-Elementen für alle Altersgruppen, war allen Spaziergängern ein wichtiges Anliegen. Ebenso wie mehr Aufenthaltsqualität durch grüne Oasen und ein einladenderes Umfeld. Wie es nicht sein sollte, zeigten die Sitzbänke auf dem Weg in Richtung Breites Tor.

Generell positiv bewertet wurde das Wohnen am Breiten Weg, auch wenn es an der Fassadengestaltung Kritik gab. Ohnhin sahen viele der Spaziergänge den Breiten Weg eher als Wohn- und Ruhezone, weniger als quirliges Geschäftszentrum. Das habe man an Holz- und Fischmarkt, der Breite Weg sollte mit Kulturcafés, leicht zugänglichen Veranstaltungsflächen, besonderen Angeboten punkten, hieß es.

Ankunftsort für Touristen

Wozu für einige der Diskussionsteilnehmern auch eine bessere Hinleitung von Besuchern zum Breiten Weg gehörte. Eine Idee war, den Busparkplatz vom Martiniplan an die Schützenstraße zu legen, sodass die Besucher der Stadt über den Breiten Weg in Richtung Stadtzentrum, Dom und Altstadt geführt werden.

Die Zugangswege seien zudem wenig attraktiv, oft fehle es an ausreichender Beleuchtung sowie an Hinweisen, was alles zu entdecken ist in Halberstadt.

Aus den Ideen, die notiert viele Stapel ergaben, werden die Cima-Mitarbeiter verschiedene Szenarien entwickeln, über die nach den Sommerferien diskutiert werden soll.