Halberstadt l Am ersten Januar­wochenende wurde die Bundespolizei von einem Triebfahrzeugführer über Personen im beziehungsweise am Gleisbett auf der Bahnstrecke zwischen Halberstadt und Groß Quenstedt informiert. „Wir haben uns sofort auf den Weg gemacht und vor Ort zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren angetroffen“, berichtet Hauptmeister Ingo Kühl.

Der Präventionsbeauftragte der Magdeburger Bundespolizei-Inspektion suchte dieser Tage gemeinsam mit Obermeister Peter Hartling, Regionalbereichsbeamter der Stadt Oschersleben noch einmal den Übergang Rote Föhr unweit des Halberstädter Sees auf, jenen Ort, den die Jugendlichen für ihr gefährliches Fotoshooting ausgewählt hatten. „An dem späten Nachmittag hatten die beiden die Bahnschranken festgehalten und damit Störungsmeldungen bei der Deutschen Bahn ausgelöst“, sagt Ingo Kühl. Daraufhin fuhren die Züge in diesem Bereich mit stark eingeschränkter Geschwindigkeit.

Eindringliche Belehrung

Als die herbeigerufenen Beamten eintrafen, stützten sich die Mädchen auf die Schranke. Sie wurden sofort aus dem Gefahrenbereich genommen. „Beide gaben an, dass sie an den Gleisen und an der Bahnschranke Selfies machen wollten“, sagt Peter Hartling, „und waren sich keiner Schuld bewusst.“ Nachdem sie eindringlich über die Gefahr ihrer Aktion belehrt worden waren, wurden sie an ihre Erziehungsberechtigten übergeben.

„Situationen, wo Personen am oder sogar im Gleisbett entdeckt werden, sind für jeden Zugführer ein Alptraum“, so der Oscherslebener Regionalbereichsbeamte, der oft auf gemeinsamer Streife mit Kollegen von der Bundespolizei ist. „Es vergeht kein Monat, wo uns nicht mindestens eine illegale Überquerung oder ein Aufenthalt auf Gleisen gemeldet wird.“ Nachdem zeitnah mit den Teenagern und deren Eltern über das gefährliche Handeln gesprochen wurde, soll nun noch eine Informationsveranstaltung in der Schule der Jugendlichen folgen. „Da die sogenannten Schienen-Selfies sich in sozialen Netzwerken zu einem lebensgefährlichen Trend entwickelt haben, ist es zwingend notwendig, das Thema öffentlichkeitswirksam zu behandeln“, unterstreicht Ingo Kühl, „zumal es bereits einige Todesopfer zu beklagen gibt“.

Mut und Fernweh

Die Fotos mit Bahnschienen im Hintergrund sollen laut Polizei wohl Mut, Fernweh, den Lebensweg oder die Unzertrennlichkeit zwischen zwei Freundinnen symbolisieren. Was jedoch bei den jungen Leuten als Freundschaftsbekundung verstanden wird und vor allem bei Mädchen mit romantischen Sprüchen und coolen und spektakulären Fotos von „allerbesten Freundinnen“ unterstrichen werden soll, ist vielmehr ein gefährlicher Trend, mit dem sich die jungen Leute sogar in Todesgefahr bringen.

In jedem Fall werde die Gefahr, die sich wegen eines solchen Handelns ergibt, fast immer unterschätzt, so die Polizeibeamten. Zumal die Aufmerksamkeit dem Fotografieren gewidmet wird und die Umgebung schnell aus dem Blick gerät. „Durchfahrende Züge haben oft eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern in der Stunde.“ Sie legen dabei einen Weg von ungefähr 100 Metern in 2,5 Sekunden zurück“, heißt es von der Bundespolizei, „so schnell zu reagieren und aus den Gleisen zu springen, ist fast unmöglich und kann damit tödlich enden. Auch die Sogwirkung wird unterschätzt. Und auf das Gehör sollte man sich nicht verlassen, denn bei Windstille kommt das Zuggeräusch erst spät an.“

Die Bundespolizei bietet Informationsveranstaltungen in Schulen und Informationsmaterial zu dieser Thematik an. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass der Aufenthalt an Bahnanlagen mit einem erheblichen Bußgeld geahndet werden kann.