Halberstadt l Am 17. Jahrestag der Namensgebung für ihre Schule gingen die Schüler der Miriam-Lundner-Grundschule auf Entdeckungstour.

Die dritten Klassen besuchten dazu die Moses-Mendelssohn-Akademie und das Jüdische Museum. Dort bildeten sie zunächst vier Gruppen, wählten jeweils einen Chef und zogen per Los das Entdeckerthema.

Die Kinder der Gruppe „Jüdische Feste“ entdeckten die alte Laubhütte im Haus der Moses Mendelssohn Akademie, fanden Bilder, auf denen in Halberstadt in bunten Kostümen Purim gefeiert wurde und staunten nicht schlecht, dass der Ruhetag in der jüdischen Religion von Freitagabend bis Samstagabend andauert und Schabbat genannt wird. Schabbatzöpfe aus Hefeteig hatten alle bereits geknetet und geflochten.

Die Gruppe „Judith Biran“ machte sich auf den Weg ins Jüdische Museum.

Die Schüler kennen alle zwar Judith Biran von ihren Besuchen, doch hier lernten sie deren Familie kennen, die auf der großen Fotowand zu sehen ist. Sie lasen Briefe von Judith, die mit ihren Eltern Saul und Frieda Winter und fünf Geschwistern von 1922 bis 1935 im Düsterngraben 26 wohnte.

Tafel erinnert an Haus der Familie Biran

Das Haus, welches auf einem alten Foto zu sehen war, machte sie neugierig. Leider steht das Gebäude nicht mehr. An die Familie erinnert seit 2013 eine Tafel an der Dombergmauer.

In einem Karton im Museum entdeckten die Kinder der Gruppe „Miriam Lundner“ Briefe der Schwester ihrer Namensgeberin, die als einzige der Familie den Holocaust überlebte. Von Beate fanden sie auf der Fotowand ein Hochzeitsbild und Fotos ihrer Nachfahren. Auf einem Zeitstrahl machten die Schüler aus, dass die 1942 an ihrem vierten Geburtstag mit ihren Eltern und Geschwistern deportierte Miriam heute 76 Jahre alt wäre.

Sichtlich bewegt von ihren Entdeckungen machte die Gruppe auf dem Rückweg noch Halt an der ehemaligen jüdischen Schule, an der Miriams Vater Lehrer und später Direktor war.

Die Fotos der prachtvollen Halberstädter Synagoge, die in einer Ausstellung in der Klaussynagoge präsentiert werden, versetzten die Kinder der Gruppe „Synagoge“ ins Staunen. Kronleuchter, festliche silberne Leuchter, riesige Fenster mit Samtvorhängen und ein kostbarer Thoraschrein – alles verschwand, nachdem die Synagoge im November 1939 geplündert und bald darauf abgerissen wurde. Das Synagogengelände zwischen der Baken- und der Judenstraße mit nur einer erhaltenen Mauer ist zur Gedenkstätte umgestaltet worden.

Geduldig alle Fragen der Kinder beantwortet

Nach der Abschlussrunde und dem Vortrag über die den Entdeckungen der Gruppe „Synagoge“, sahen sich alle die Fotos der Synagoge an. Geduldig beantwortete Jutta Dick, die Direktorin der Moses-Mendelssohn-Akademie, alle Fragen der Kinder.

Mit einem gebackenen Schabbatzopf in der Hand und dem Wunsch wiederzukommen, begaben sich alle auf den Weg zurück zur Schule.

Gestaltet wurde der Entdeckertag in Kooperation mit dem Förderverein der Schule, der Gedenkstätte Langenstein- Zwieberge und der Moses-Mendelssohn-Akademie.

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