Halberstadt l Die Enttäuschung, dass ihre Schule nun doch nicht saniert wird, steht ­Antje Lichtenberg ins Gesicht geschrieben. Die Chefin der Grund­schule „Freiherr Spiegel“ freute sich genauso wie ihre 17 Kollegen, 228 Schüler und deren Eltern auf das in Vorbereitung befindliche Bauprojekt.

„Wir sind traurig und unglücklich“, so die Pädagogin, die seit 2011 Leiterin der Schule ist. Seit zwei Jahren plant die Stadtverwaltung Halberstadt das Millionen-Vorhaben, um das in die Jahre gekommene Schulgebäude zukunftsfähig zu gestalten. Jetzt kam überraschend das Aus.

Zwei Jahre Arbeit für die Katz

296 000 Euro aus dem Haushalt Halberstadts wurden in den Sand gesetzt! Und das in Zeiten des ohnehin knappen Geldes und eines riesigen Schuldenbergs. Im Halberstädter Rathaus kann man das Aus für die Schulsanierung ebenfalls noch gar nicht richtig fassen. Zwei Jahre intensive Vorbereitungs- und Planungszeit sind plötzlich für die Katz.

Abgeordnete diskutierten in Ausschüssen und im Stadtrat heiß über die Schulsanierung, investierten Zeit, um alles für den geplanten Baustart 2019/2020 in trockenen ­Tüchern zu haben. Ingenieure und Architekten erarbeiteten ein Konzept für eine moderne und klimafreundliche Schule. Im Mittelpunkt stand in Zeiten des Klimawandels die energetische Sanierung. An der Fassade des DDR-Baus zerbröselt nicht nur der Putz, das Haus ist ein Dinosaurier was den Energieverbrauch anbelangt. Ziel war eine Verringerung der CO2-Emis­sion, Einsparung von Energie, Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Hauses und natürlich die Beseitigung des Sanierungsbedarfs am 48 Jahre alten Plattenbau aus den 1970er Jahren.

Antrag auf Fördermittel

„Die Stadt Halberstadt ist nach wie vor der Meinung, dass dringender Sanierungsbedarf an der Grundschule ‚Freiherr Spiegel‘ besteht und setzt sich seit zwei Jahren dafür ein, Fördermittel zu erhalten“, informiert Rathaussprecherin Ute Huch. Am 24. April 2018 habe die Kommune den Antrag auf Gewährung von ­Zuwendungen aus dem Förderprogramm Stark III für das Vorhaben „Energetische Sanierung“ gestellt.

„Nach Prüfung des Antrages und der nachgereichten Unterlagen durch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt lehnte diese den Antrag mit Datum vom 17. Mai 2019 mit der Begründung ab, dass die Fördervoraussetzungen (Gesamtfinanzierung des Vorhabens) nicht erfüllt sind“, so Ute Huch. Im Vorfeld dessen habe der Landkreis Harz mit Blick auf den nicht ausgeglichenen Haushalt der Stadt keine positive kommunalaufsichtliche Stellungnahme zur Sanierung der Schule erteilt. Die Kreisstadt sitzt derzeit auf einem Defizit in Höhe von 3,529 Millionen Euro. „Damit sind die Sanierungspläne hinfällig.“ Die Planungen könnten jedoch jederzeit wieder verwendet werden und seien daher nicht für den Papierkorb.

Antje Lichtenberg weiß um die Problem-Zonen ihrer Schule. „Das Gebäude sieht mit dem grauen und bröckelnden Putz nicht sehr einladend aus. Seit dem das Orkantief ‚Friederike‘ im Januar 2018 das Dach der ­Schule heruntergerissen hat und ein Notdach auf das Haus kam, ist die Dämmung noch schlechter als vorher. Im Sommer wird es schnell unerträglich heiß im Gebäude. In einigen Räumen findet sich noch Tapete, die aus DDR-Zeiten stammt“, so Antje Lichtenberg. Es wurde bereits aber auch viel getan, um das Gebäude von innen herauszuputzen. Die Flure sind hell und freundlich gestaltet, was auch für viele der Klassen­zimmer zutreffe. „Nicht zu vergessen der Spielplatz, der teilweise saniert und mit neuen Spielgeräten bestückt wurde“, so Antje Lichtenberg.

Kosten 4,6 Millionen Euro

Die geplanten Gesamtausgaben zur energetischen Sanierung der Grundschule betrugen etwa 4,6 Millionen Euro. Die beantragten Fördermittel lagen bei etwa 2,2 Millionen Euro. Außerdem war die Sanierung der Sporthalle mit 245 000 Euro (beantragte ­Fördermittel 181 000 Euro) geplant.

Zu den Kernpunkten der vorgesehenen Sanierung gehörte, dass die vorhandene Gasheizung durch den Anschluss an das Fernwärmenetz der Halberstadtwerke ersetzt wird. Außerdem sollten die neuen wärmeschutzverglasten Fenster Luftflügel erhalten, die im Sommer nachts ohne eine aufwendige Klimaanlage das Gebäude belüften und sich automatisch bei Sturm schließen. Die Stahl- und Betonhülle des Baukörpers verhindert tagsüber ein schnelles Aufwärmen, die Innentemperatur bleibt angenehm, heißt es im Konzept. Insgesamt sollte durch die energetische Sanierung der CO 2-Ausstoß zum Betrieb des Schulgebäudes etwa um die Hälfte reduziert werden, so das beauftragte Ingenieurbüro.