Osterwieck/Lusaka l Seit März 2019 lebt Sebastian Dudda zusammen mit seiner Frau Yen im afrikanischen Land Sambia, in der Hauptstadt Lusaka. Hier ist er als Entwicklungsberater für die Sparkassenstiftung tätig. Sambia hat 17 Millionen Einwohner und liegt im Süden von Afrika.

„Um Entwicklungszusammenarbeit leisten zu können, braucht die Sparkassenstiftung einen Partner in dem betroffenen Land“, erklärt Sebastian Dudda. Ihre Bündnisorganisation in Sambia ist die dortige Zentralbank. Gemeinsam versuchen die beiden Institutionen finanzielles Grundwissen der afrikanischen Bevölkerung zu vermitteln, erklärt der 38-Jährige.

Menschen trauen sich nicht in Bank

Was hat er als Berater in Sambia für eine Aufgabe? „Viele Menschen hier leben in Armut“, berichtet er. Sie haben noch nie etwas mit einer Bank zu tun gehabt und wissen nicht, welche Möglichkeiten es gibt, das wenige Geld, was sie haben, zu sparen. Werden Kredite benötigt, sind meistens private Geldverleiher der letzte Ausweg. Diese arbeiten oft mit mafiösen Strukturen zusammen und bieten ihre Leistungen zu Wucherkonditionen an, sagt Dudda.

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Um dies zu verhindern und damit sich die Menschen trauen, in eine Bank zu gehen, werden einheimische Trainer von Sparkassenmitarbeitern oder externen Beratern aus Deutschland vor Ort geschult. Es wird ihnen erklärt, was Spareinlagen, Kredite, Haushaltspläne oder Versicherungen sind. Außerdem wird vermittelt, wie wichtig es ist, vorausschauend zu planen und regelmäßig Geld zur Seite zu legen. Diese Kenntnisse seien wichtig, um sich aus der Armut befreien zu können.

Auszeit in Australien

„Mit diesem Wissen gehen die lokalen Trainer hinaus in die Dörfer von Sambia und bieten den Menschen dort Schulungen an“, erklärt Dudda. Diese Lehrgänge dauern drei Tage und seien an Bauern, Marktfrauen, Klein- und Kleinstunternehmer sowie Jugendliche gerichtet. Insgesamt seien bereits 160 lokale Trainer ausgebildet, 700 Schulungen realisiert und über 16.000 Sambier seit 2014 geschult worden, sagt Dudda. Zusammen mit einem Kollegen aus Deutschland organisiere er die Ausbildung der Trainer und die Lehrgänge.

Doch wie kam er dazu, als Berater in einem Entwicklungsland tätig zu werden? Aufgewachsen ist er in Osterwieck. Nach seinem Zivildienst im Harzklinikum Wernigerode, absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Harzsparkasse. Anschließend studierte er Wirtschaftswissenschaften in Göttingen. „Bevor ich anfing, die Diplomarbeit zu schreiben, nahm ich mir eine Auszeit“, sagt Dudda. Für sechs Monate ging er nach Australien. Nach dem Abschluss seines Studiums, fing er bei den Stadtwerken in Halberstadt an, zu arbeiten.

In Vietnam lernte er Yen kennen

Doch nach drei Jahren kündigte er. „Ich wollte wieder etwas Neues sehen und lernen“, sagt Sebastian Dudda. Australien habe ihm damals gut gefallen. Im März 2013 packte er seine Koffer. Er sei jedoch nicht auf direktem Weg in das Land der Kängurus gereist, sondern habe einen Zwischenstopp in Bangkok (Thailand) eingelegt. Von dort habe er die Länder Kambodscha, Vietnam und Laos bereist. Bei der Besichtigung des berühmten Tunnelsystems (Cu Chi) in Vietnam, habe er seine spätere Frau Yen kennengelernt. Sie stammt aus Saigon, der größten Stadt Vietnams, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt. Wie geplant, sei er, nach seiner Rundreise durch Asien, weiter nach Australien gereist.

Doch er habe bald gemerkt, dass er Sehnsucht nach Vietnam hatte. „Nach zwei Monaten bin ich zurück nach Saigon geflogen“, sagt Sebastian Dudda. Um sich etwas Geld zu verdienen, habe er dort vietnamesischen Studenten, die ein Auslandssemester in Deutschland verbringen wollten, Deutschunterricht gegeben. Außerdem habe er sich oft mit Yen getroffen. Ein halbes Jahr sei er in Vietnam geblieben. „Durch diesen Aufenthalt habe ich die Kultur tiefer kennengerlernt“, sagt er. Die Vietnamesen seien ein sehr fleißiges Volk. Sie schlafen wenig und arbeiten oft 14 Stunden am Tag, um ihre Familien zu versorgen. Die Kinder würden schon zeitig im Haushalt mithelfen und bei der Erziehung der jüngeren Geschwister unterstützen.

Familie hat anderen Stellenwert

„Massenproduktionen und große Firmen gibt es dort, verglichen mit unserer heimischen Wirtschaft, nur sehr wenige“, sagt Sebastian Dudda. Viele Menschen würden zu Hause arbeiten, etwas herstellen und es dort verkaufen. Die Vietnamesen hätten kein mit Deutschland vergleichbares Sozialsystem, keine Kranken- und Rentenversicherung. Die Familie habe dort einen ganz anderen Stellenwert. „Ich fand es toll, diese Kultur erleben zu können“, sagt Dudda.

Anfang 2014 ist er wieder nach Deutschland zurückgekehrt. „Ich hatte mir ein bestimmtes Budget gesetzt. Dieses war aufgebraucht“, berichtet er.

Als Entwicklungshelfer in Laos

Nach seiner Rückkehr fing er an, bei der Landesenergieagentur in Magdeburg zu arbeiten. Yen und er waren in Vietnam ein Paar geworden. „Sie ist Ende 2014 nach Deutschland gekommen“, sagt Sebastian Dudda. Zunächst habe sie als Au Pair gearbeitet, dann sei sie zu ihm nach Magdeburg gezogen. An an einer Sprachschule habe sie ihre Deutschkenntnisse erweitert. „In Saigon hat sie erfolgreich Jura bis zum Bachelor studiert“, berichtet er.

Nach einiger Zeit in Deutschland, wuchs bei ihm wieder der Wunsch, die Welt zu bereisen und zu entdecken. Im Jahr 2016 habe er sich dann bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, der GIZ, als Entwicklungshelfer beworben.

Hochzeit in Saigon

In dem asiatischen Land Laos war eine Stelle als Berater für eine Finanzinstitution ausgeschrieben. „Die kommunistische Volksrepublik Laos hat ungefähr sieben Millionen Einwohner und liegt zwischen Vietnam und Thailand“, erklärt Dudda. Fast drei Monate wurde er von der GIZ in der Nähe von Bonn auf sein Leben und Arbeiten in Asien vorbereitet. Er bekam unter anderem Schulungen für seinen neuen Job und Sprachunterricht in Laotisch. „Auch Yen war bei vielen Kursen mit dabei“, berichtet er.

Bevor das Paar jedoch im Juni 2016 nach Asien zog, heiratete es in Dänemark. „Im Dezember 2017 wurde die Hochzeitsfeier in Saigon zusammen mit den Familien und Freunden aus beiden Ländern nachgeholt“, so Dudda.

Dorfbanken aufbauen

Was war seine Aufgabe in Laos? „Hier habe ich die einheimischen Mitarbeiter der Mikrofinanzinstitution beraten und geschult“, erklärt er. Gesprochen habe er mit den Einheimischen auf Laotisch. Manchmal habe er auch einen Dolmetscher gehabt. „Englisch konnte in den Dörfern kaum jemand sprechen“, berichtet er.

Auch hier haben die Menschen, wie in Sambia, kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten. Die GIZ unterstützt in Laos seit vielen Jahren den Aufbau von Dorfbanken und den übergeordneten Mikrofinanzinstitutionen, sagt Dudda. Auch hier sollen die Menschen in ländlichen Regionen einen Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten und zum Sparen motiviert werden.

Die Laoten sind gelassen

Was hat seine Frau in Laos gemacht? „Für Yen war es dort schwieriger“, erzählt er. Sie war über die GIZ mitversichert, habe aber kein eigenes Arbeitsvisum bekommen können. Das heißt, sie war viel allein zu Hause, denn er sei bis zu zwölf Stunden am Tag arbeiten gewesen. Sie habe sich dann ehrenamtlich engagiert. Für eine australische Organisation habe sie zum Beispiel behinderten Menschen im alltäglichen Leben geholfen. Außerdem habe sie den Nachbarskindern Englischunterricht gegeben.

Die Mentalität der Laoten kennenzulernen, sei sehr interessant gewesen, sagt Sebastian Dudda. Die Menschen seien ganz anders als die Vietnamesen. Sie würden gerne feiern und seien unglaublich gelassen. „Zum Beispiel kamen die Einheimischen, die bei der Finanzinstitution angestellt waren, nicht immer regelmäßig zur Arbeit“, erzählt er. Einmal sei eine Mitarbeiterin der Bank nicht erschienen, mit der Begründung, es habe geregnet. Zwei Tage später kam sie nicht, da die Sonne zu stark schien.

Erfahrungen haben ihn geerdet

Aber, sagt Sebastian Dudda, was er von dieser Kultur mitnehmen könne, sei, dass die Laoten mit dem wenigen, was sie haben, zufrieden sind. In Laos herrsche eine weit verbreitete Armut. Die Menschen müssten oft viele Kilometer zum Fluss laufen, um Wasser zu holen oder sich zu waschen.

Diese Erfahrungen hätten ihn sehr geerdet und ihm deutlich vor Augen geführt, wie gut es den Menschen in Deutschland gehe. „Niemand muss hier hungern oder frieren“, sagt er. Er wünsche sich manchmal, dass Menschen der westlichen Bevölkerung offener dafür wären, einmal Entwicklungsländer zu besuchen und in deren Kultur eintauchen. „Vielleicht könnten so unnötige Ängste Ausländern gegenüber abgebaut werden“, erzählt er. Und eventuell würden die Menschen mehr zu schätzen wissen, was sie an ihrem Heimatland haben.

Neugierig auf Afrika

Nach drei Jahren in Laos, meldete sich die Sparkassenstiftung bei ihm und bot ihm die Beratungsposition bei der Zentralbank im afrikanischen Sambia an. „Yen und ich waren neugierig auf Afrika“, sagt Sebastian Dudda. Seitdem steht er bei der Stiftung als Angestellter in Lohn und Brot. Ähnlich wie bei der GIZ, wurden beide von der Finanzgruppe in Deutschland für einige Wochen auf das Land und die Arbeit vorbereitet.

„Yen und ich sind glücklich hier“, sagt Sebastian Dudda. Die Arbeit mache ihm Spaß. Die Menschen seien sehr nett. Er könne sich hier frei und sicher bewegen. Mit Kollegen der Zentralbank spiele er regelmäßig Fußball. Im September sind er und seine Frau Eltern eines Jungen geworden. Er könne sich vorstellen, noch zwei Jahre in Afrika zu leben. Gerne würde er anschließend mit seiner Familie Australien für einen längeren Zeitraum bereisen.

Vermisst eine gute Currywurst

Was treibt ihn an, alle paar Jahre in ein fremdes Land zu ziehen? "Zum einen möchte ich die Welt mit ihren unterschiedlichen Menschen und Kulturen kennenlernen", sagt er. Zum anderen wolle er dazu beitragen, in Entwicklungsländern Strukturen aufzubauen und Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Er sei flexibel und liebe es, immer wieder Neues kennenzulernen. Wenn ihr Sohn in die Schule komme, wollen sie vielleicht wieder in seine Heimat ziehen. Außerdem wolle Yen noch einmal in Deutschland studieren oder eine Ausbildung machen. Er sei froh, dass seine Frau es ebenfalls liebe, andere Länder kennenzulernen.

Vermisst er etwas aus Deutschland, wenn er in der Fremde ist? „Ja, eine gute Currywurst“, gesteht Sebastian Dudda und lacht.