Blankenburg/Halberstadt l Nach dem mutmaßlichen Übergriff auf eine Frau in Blankenburg ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft mit Hochdruck und versuchen, die genauen Zusammenhänge und Abläufe zu klären. „Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Opfer, das sich bislang trotz einer öffentlichen Suche noch nicht gemeldet hat“, sagte Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck. Der Leiter der Staatsanwaltschaft in Halberstadt unterstrich vor diesem Hintergrund noch einmal die dringende Bitte, dass sich die Frau umgehend bei der Polizei melden möge, um zur Aufklärung des Vorfalls am Sonnabend beizutragen.

Polizei beruft sich auf Zeugen

Nach Polizeiangaben hatte an diesem Tag gegen 14.10 Uhr ein 28 Jahre alter Mann aus Afghanistan im Bereich des Schnappelbergs in Blankenburg eine bislang unbekannte Frau berührt und mit den Worten „I kill you“ (Ich töte dich) bedroht. Laut Polizei, die sich auf Zeugen beruft, soll die Frau in den Aldi-Markt geflüchtet sein. Der alkoholisierte Tatverdächtige – ein Asylsuchender – soll auf dem Parkplatz gestürzt sein und sich verletzt haben. Nachdem Zeugen Polizei und Rettungsdienst gerufen hatten, soll der 28-Jährige den Notarzt attackiert haben.

„Wir prüfen gegenwärtig mithilfe von Zeugenbefragungen, ob sich der gesamte Sachverhalt tatsächlich so abgespielt hat“, so Oberstaatsanwalt Roggenbuck. Abgesehen vom Grundproblem, dass sich das mutmaßliche Opfer bislang noch nicht gemeldet hat, gebe es bislang auch keine Zeugen, die die Frau in den Discountmarkt flüchten sahen. Zudem sei es merkwürdig, dass die Frau nicht bis zum Eintreffen der Polizei wartete.

Gezielter Schlag oder unkoordinierte Bewegung

Auch der spätere Ablauf rund um die medizinische Hilfe für den verletzten Afghanen sei bislang noch nicht abschließend geklärt, betonte Roggenbuck. Der Mann hatte sich beim Sturz verletzt und anschließend auf eine Bank gelegt. Bei der ärztlichen Versorgung soll er laut Polizei dem Notarzt zweimal ins Gesicht geschlagen haben. „War es wirklich ein gezielter Angriff oder eher unkontrollierte Bewegungen“, formulierte Roggenbuck die für die Ermittler nun entscheidende Fragestellung.

Keine Anzeige vom Notarzt

Eine Frage, deren Bedeutung mit Blick auf die Alkoholisierung des Mannes klar wird. „Der 28-Jährige hatte 2,90 Promille intus“, so der Harzer Polizeisprecher Uwe Becker. Deshalb stellen sich die Ermittler auch die Frage, ob der Mann überhaupt noch koordiniert handeln konnte. Roggenbuck: „Wir werden den Notarzt in den nächsten Tagen befragen – danach dürfte klar sein, ob wirklich von gezielten Schlägen die Rede sein kann“, so der Oberstaatsanwalt. „Bislang hat er keinen Strafantrag gestellt.“

Ohne Opfer keine weiteren Ermittlungen

Die Polizei hat bislang von Amts wegen Strafverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Übergriffs sowie Bedrohung und Körperverletzung gegen den 28-Jährigen eingeleitet. Ob die Verfahren weiter verfolgt oder womöglich schon in Kürze eingestellt werden, hängt nach Roggenbucks Worten ganz entscheidend von der Existenz eines Opfers ab.

Das mutmaßliche Opfer und weitere Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon (0 39 41) 67 41 93 zu melden.