Halberstadt l Hier bedient die Chefin noch selbst. Nicole Tondera, Geschäftsführerin der Harzer Likör Manufaktur, führt die Tradition des Rosenschlösschens fort und bietet hochwertige Spirituosen, Weine und einiges mehr an. Natürlich aus der hauseigenen Produktion der Manufaktur, aber nicht nur. Vom Tresen wird sich Nicole Tondera allerdings bald wieder verabschieden. „Spätestens, wenn ich meine Mitarbeiterin eingearbeitet habe.“

„Ich war selbst Kundin im Rosenschlösschen und kannte die Betreiber. Dann las ich das Schild, dass der Laden schließt. Kurz dachte ich daran, ihn zu übernehmen, verlor jedoch den Gedanken wieder aus dem Gedächtnis“, berichtet Nicole Tondera. Die ungünstige Lage ihrer Manufaktur in Gernrode brachte das Thema schnell wieder auf die Tagesordnung. „Wir befinden uns dort in der zweiten Reihe. Für Laufkundschaft ist das sehr ungünstig“, so die Geschäftsführerin. Eigentlich wollte sie einen Laden in Wernigerode eröffnen. An der Umsetzung dieses Planes arbeitet die Geschäftsfrau zwar immer noch. Aber Halberstadt und das leerstehende Rosenschlösschen bekamen erst einmal den Vorzug.

Schließung bedauert

„Das Haus ist wunderschön, die Lage toll. Und was sich in den ersten Tagen nach der Eröffnung bereits herauskristallisierte, viele Stammkunden des alten Ladens kaufen jetzt bei mir ein. Das ist super für einen Neustart“, ist die Unternehmerin begeistert. Die Stammkunden hatten die Schließung des Rosen­schlösschens Ende 2017 bedauert. Nicht nur wegen der freundlichen Bedienung. Das Angebot war etwas Besonderes, was nicht an jeder Ecke in der Stadt zu finden ist. Nicole Tondera knüpft nahtlos an diese Geschäftsphilosophie an.

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Aus eigener Produktion präsentiert sie 20 Kräuter- und Fruchtliköre in der Auslage, darunter zwei hochprozentige Destillatliköre. Selbst gebrannt wird in der kleinen Manufaktur Gernrode allerdings nicht. Dafür versteht man sich dort auf das Mixen von ganz besonderen, ­selbst kreierten, Rezepturen. Grundstoff ist hochprozentiger Alkohol (96,4 Prozent), den die Manufaktur bezieht. Hinzu kommen Essenzen, Fruchtsäfte und einiges mehr. Die Chefin selbst ist ständig auf der Suche nach neuen Kreationen. Wenn die dann auch noch so gut sind, dass sie prämiert werden, ist sie besonders stolz. Der Rhabarber-Likör hat in der Kategorie „Liköre“ des Wettbewerbs Kulinarisches Sachsen-Anhalt 2018 einen Kulinarischen Stern als bester Likör im Land bekommen.

In der Bewertung heißt es: „Ein Hauch Vanille verleiht dem Rhabarber-Likör aus dem Harz das gewisse Etwas. ­Rhabarber-Nektar aus Sachsen-Anhalt liefert die Basis für diese Spezialität, die Originalrezeptur ist ein streng gehütetes Geheimnis. Seiner Tradition und der Region fühlt sich das Unternehmen verpflichtet.“

Gegenseitige Unterstützung

„Auf Regionalität lege ich großen Wert. Darum vermarkte ich im Geschäft nicht nur eigene Produkte, sondern auch von anderen Betrieben aus der Region. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen“, betont die Dardesheimerin. Dazu gehören Senf aus der Manufaktur ­Quedlinburg, Schokolade aus Lauterberg und demnächst auch Wurst vom Harzer Höhenvieh.

Nicole Tondera hätte es sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können, einmal Chefin einer Likör ­Manufaktur zu werden. Die gelernte ­Steuerfachangestellte betreute über mehrere Jahre die Lohnabrechnungen des kleinen Unternehmens aus Gernrode. Dann stand der Betrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1953 zurück reichen, zum Verkauf. Vor zwei Jahren übernahm sie ihn. Von den sechs Mitarbeitern sind drei in der Produktion und die anderen im Verkauf tätig.