Fachtagung zum Thema Demenz - Heute Info Tag für Angehörige und ehrenamtliche Betreuer

Experten ringen für "Recht auf Verwirrtheit"

Von André Ziegenmeyer

Eine Fachtagung zum Thema Demenz findet derzeit in der Kulturfabrik statt. 100 Teilnehmer aus ganz Sachsen-Anhalt sind mit dabei. Heute gibt es einen Info-Tag für Betroffene, Angehörige und ehrenamtliche Betreuer.

Haldensleben l "Je älter man wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Heute trifft es wahrscheinlich jeden Zweiten. Wenn wir erst 120 Jahre alt werden, ist jeder betroffen", mahnt Stephan Sigusch, Geschäftsführer vom Betreuungsverein Oschersleben. Gerade durch den demographischen Wandel sei die Bedeutung des Themas nicht zu unterschätzen.

Aus diesem Grund hat gestern in Haldensleben der Betreuungsgerichtstag Sachsen-Anhalt begonnen. Mit dabei sind 100 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesland - darunter Ärzte, Mitarbeiter von Betreuungsbehörden, Kliniken oder Amtsgerichten sowie Berufsbetreuer. Jede dieser Gruppen habe im Alltag mit den anderen zu tun. Doch teilweise sprächen sie "eine ganz andere Sprache". Ziel des Betreuungsgerichtstages sei es deshalb, den Erfahrungsaustausch zu fördern, um so "für die Betroffenen das Beste herauszuholen", so Stephan Sigusch.

Schirmherrin der Veranstaltung ist Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD). "Demenz ist eines der schwierigsten Themen im Pflegebereich. Und es mit zahl- reichen Ängsten besetzt", erklärte diese in ihrer Begrüßung. "Demenz ist ein geheimes Leiden, das in unserer Gesellschaft zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Wir brauchen Aufklärung und kein Schweigen", betonte der Landtagsabgeordnete Ralf Geisthardt (CDU). Die Aufgabe der Betreuer sei nicht leicht: "Es braucht viel Sensibilität, um herauszufinden, was die Betroffenen berührt und beruhigt und was ihnen das Leben in ihrer aktuellen Krankheitsphase erleichtert", betonte Geisthardt. Laut Angela Kolb sei der Betreuungsgerichtstag "eine wichtige Institution in Sachsen-Anhalt geworden. Er baut ein Netzwerk auf, in dem unterschiedliche Berufs- gruppen zusammenarbeiten", so die Ministerin. Zum Programm gehörten zunächst verschiedene Vorträge - unter anderem mit den Titeln "Demenz - Recht auf Verwirrtheit" und "Angehörigenbegleitung - Was geht und was dürfen sich Angehörige erhoffen?". Am Nachmittag wurden die jeweiligen Themen in Workshops vertieft.

Der Betreuungsgerichtstag findet seit 2009 alle zwei Jahre in der Kulturfabrik statt. Organisiert wird er vom Betreuungsverein Oschersleben. "Haldensleben ist von überall in Sachsen-Anhalt aus gut erreichbar. Die Nähe des Bahnhofs zum Veranstaltungsort ist ein weiterer Pluspunkt", erklärt Stephan Sigusch. Jeder Betreuungsgerichtstag hat ein anderes Thema. 2009 ging es um "Alt gewordene Menschen mit geistiger Behinderung", 2011 um die "Rechte als selbst bestimmter Patient".

Der gestrige Tag richtete sich vor allem an Fachkräfte. Heute jedoch sind die Veranstaltungen auf ehrenamtliche Betreuer, Bevollmächtigte, Angehörige und Interessierte zugeschnitten. Für sie ist die Teilnahme kostenlos. Gleichzeitig bieten die Mitarbeiter des Caritas Pflegeheims "St. Josefinum" in der Kulturfabrik eine Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen an.