Schulbus oder Linienbus: Die Unterschiede im öffentlichen Nahverkehr

Im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden laut Personenbeförderungsgesetz (PBG) drei verschiedene Formen des Busverkehrs unterschieden:

1. Klassischer Linienverkehr nach Fahrplan, den jedermann mit entsprechenden Fahrscheinen nutzen kann, nach Paragraph 42 PBG.

2. Linienverkehr, der unter Ausschluss anderer Fahrgäste der regelmäßigen Beförderung von Berufstätigen (Berufsverkehr), Schülern (Schülerfahrten), zum Besuch von Märkten (Marktfahrten) oder Theaterbesuchen dient und dessen Regeln in Paragraph 43 des PBG festgeschrieben sind. 3. Freigestellte Schulbusse, die zweckgebunden bestellt werden. Beispiele sind Busse, die Schüler zum Schwimmunterricht bringen oder aktuell der Verkehr zwischen der sanierungsbedingt geschlossenen Grundschule in Wegeleben und der Ausweichschule in Harsleben.

Das Land zahlt feste Pauschalen für die beförderten Schüler. Daneben erhält der Kreis für Linienverkehr nach § 42 PBG Zuschüsse, deren Höhe von mehreren Faktoren abhängig ist. Auch deshalb hat der klassische Linienverkehr Priorität. (dl)

Halberstadt l Ein Knackpunkt in der seit Wochen geführten Debatte um den Linienverkehr sind insbesondere die sogenannten Schulbusse. Sie sollen wegfallen. Eine Zielstellung, die in den vergangenen Wochen als Gerücht die Runde gemacht hat und die Gerald Hahne von den Harzer Verkehrsbetrieben (HVB) grundsätzlich bestätigt. „Es ist das erklärte Ziel, dass der sogenannte Schülerverkehr möglichst komplett in dem für alle Nutzer zugänglichen klassischen Linienverkehr aufgeht“, erklärt der zuständige HVB-Abteilungsleiter.

Qualitätsverlust im Schülerverkehr

Ein Fakt, der an der Basis – an vielen Schulen sowie bei den Nutzern und deren Eltern – für Kritik sorgt. Werde der Busverkehr grundsätzlich öffentlich und obendrein vertaktet, könnten die Fahrzeiten nicht mehr so direkt auf die Unterrichtszeiten abgestimmt werden. Letztlich habe das Integrieren des Schülerverkehrs in den öffentlichen Verkehr längere Fahrzeiten, mehr Stopps unterwegs und mehr Umsteigebedarf zur Folge. Kurzum: Die Qualität der Schülerbeförderung leide – vor allem für die jüngsten Nutzer.

Kreisverwaltung hofft auf mehr Landesmittel

Dennoch hält die Kreisverwaltung an dieser grundsätzlichen Zielstellung fest. Schließlich gehe sie mit der Landesvorgabe, möglichst viel Schülerverkehr in den öffentlichen Linienverkehr zu integrieren, konform, ergänzt Dirk Michelmann. „Damit soll der Linienverkehr gestärkt werden“, so der Behördenmitarbeiter. Und dieser Schritt habe für den Harzkreis letztlich auch finanzielle Gründe. Neben festen Zuschüssen für Schüler gebe es für Linienbusse, die jedermann zugänglich seien, weitere Mittel vom Land.

Kompliziertes Verteilsystem

Wie hoch diese ausfielen, sei in Cent und Euro schwer zu sagen. Ins Verteilprozedere auf Landesebene flössen im Vergleich der Kreise mehrere Aspekte ein – angefangen bei Fahrkilometern (Angebotsfaktor), über die Zahl der beförderten Personen im Jedermannverkehr (Erfolgsfaktor) bis hin zur Fläche (Strukturfaktor).

„Letztlich geht es darum, von der Torte, die das Land serviert, als Kreis ein möglichst großes Stück abzubekommen“, bringt es Michelmann auf den Punkt. Die Größe jenes Tortenstücks werde von der beförderten Personenzahl im Jedermann-Verkehr maßgeblich mit bestimmt. Bislang liegt nach Michelmanns Worten die HVB-Beförderungsquote bei 60 Prozent (Jedermannverkehr) und 40 Prozent (Schülerverkehr).

Linienverkehr soll attraktiver werden

Das Ansinnen: Entfallen die Barrieren zum bisherigen reinen Schülerverkehr, werde der öffentliche Linienverkehr attraktiver. Und das dürfte sich in höheren Beförderungszahlen – und damit höheren Zuschüssen vom Land – widerspiegeln, so die Hoffnung im Landrats-amt. „Damit steigt die Chance, dass unser Tortenstück größer wird“, so Michelmann.

Ob diese Strategie in den betroffenen Schulen freilich auf Zustimmung und Akzeptanz stößt, bleibt abzuwarten. Ein Beispiel ist das Fallstein-Gymnasium in Osterwieck. Hier lernen auch Schüler aus dem Bereich Ilsenburg/Stapelburg/Darlingerode. Im Rahmen der Fahrplannovelle sollen zum 15. April nicht nur ihre bisherigen Schüler-Busse zu öffentlichen Bussen werden, sondern sich obendrein die Streckenführungen ändern, kündigt HVB-Abteilungsleiter Hahne an.

Fahrzeiten verlängern sich

Konkret: Morgens würden die Busse von Darlingerode über Vienenburg nach Osterwieck rollen. Dabei verlängere sich die Fahrzeit von 30 auf 49 Minuten. Die Perspektive nach der Schule: Eine Fahrzeitverlängerung von bislang 48 auf 67 Minuten, einschließlich einmal Umsteigen in Abbenrode. Die neue Linienführung sei auch nötig, um alle Schüler zu transportieren, so Hahne.

Wie die Betroffenen und die Verantwortlichen im Fallstein-Gymnasium diese Entwicklung sehen, ist unklar. Schulleiterin Sylvia Gemeiner ließ ausrichten, dass sie die Thematik zunächst mit den Verantwortlichen von HVB und Kreisverwaltung intern klären wolle.

Aktuell laufen letzte Detailabstimmungen

Diese offenbar letzten Abstimmungsgespräche sollen in dieser Woche erfolgen, danach sollen die Schulen den korrigierten Fahrplanentwurf erhalten. Korrekturbedarf hat nach Informationen der Volksstimme auch die Grundschule Badersleben angemeldet. Dabei geht es dem Vernehmen nach vorrangig um Korrekturen bei der Abstimmung zwischen Unterrichts- und Busfahrzeiten. Und Kritik melden weiterhin auch Eltern aus dem Bereich Hüttenrode/Blankenburg an.