Kreistag weist Vorschlag der Verwaltung zur Ablehnung des Antrages mit knapper Mehrheit zurück

Fahrt frei für Derenburgs Schüler nach Blankenburg

Von Ingmar Mehlhose

Der Kreistag hat am Mittwoch die Fortschreibung der Planung zur Schulentwicklung beschlossen. Die Überraschung dabei: Derenburger Sekundarschüler sollen nun doch per Bus nach Blankenburg fahren dürfen.

Halberstadt l Mit dem Votum war vorab nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Bereits am 14. September 2010 hatte Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) einen Antrag auf Änderung des Einzugsbereiches für Sekundarschüler des Ortsteils Derenburg gestellt. Allerdings erfolglos. Auch der zweite Anlauf schien nach der mehrheitlichen Ablehnung des Kreisausschusses vor Wochenfrist (wir berichteten) zum Scheitern verurteilt zu sein.

Am Mittwochabend im Saal des Bildungs- und Gesundheitszentrums Halberstadt kam allerdings alles ganz anders. Mit 28 zu 20 Stimmen wurde der Vorschlag der Kreisverwaltung abgelehnt, den Blankenburgern ihr Begehren zu versagen. Dem Votum war eine zum Teil emotional geprägte Debatte vorausgegangen.

"Wir brauchen eine nachvollziehbare klare Linie."

Karl-Josef Hahner, CDU

Wenn er sich den Fahrplan der Linie 253 anschaue, so erklärte zum Beispiel der Blankenburger Klaus Dumeier (CDU), könne er sich durchaus vorstellen, dass jeder zweite stündlich verkehrende Bus statt über Benzingerode und Heimburg auch über Derenburg gelenkt werden könnte. Zumal es zusätzlich noch die ebenfalls im 60 Minutentakt bediente Linie 21 Wernigerode-Blankenburg-Quedlinburg gebe. Im Übrigen habe das Land speziell für solche Fälle auch das Gesetz zum Öffentlichen Personennahverkehr verändert und den Landkreisen für drei Jahre eine höhere Finanzausstattung gewährt.

Karl-Josef Hahner (CDU) aus Elbingerode verwies unter anderem darauf, dass die durch die Gebietsreform neu entstandenen Strukturen zukunftsfähig entwickelt werden müssten. Hahner: "Die Grundlage für das Zusammenwachsen wird in der Schule gelegt." Und: "Wenn wir hierfür nicht die Voraussetzungen schaffen, wie und wo soll denn das sonst geschehen?" Die damalige Entscheidung des Kreistages, die Hasselfelder Kinder nach Elbingerode zu schicken, sei richtig gewesen. Der Christdemokrat: "Wir brauchen hier eine nachvollziehbare klare Linie. Alles andere wären Kunstgriffe, die auf Dauer weitere Unruhe schaffen."

"Blankenburg muss als Standort gestärkt werden."

Karl-Friedrich Kaufmann, FDP

Für Christine Oppermann-Zapf (Bündnis 90/Die Grünen) darf ein Busfahrplan nicht das entscheidende Kriterium für eine Entscheidung sein. Die Wernige-röderin befürchtete, es könne ein "neuer Flickenteppich" entstehen.

Der Ballenstedter Karl-Friedrich Kaufmann (FDP) sprach von einem legitimen Recht, innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft in die Schule gehen zu dürfen. Seine Fraktion sei der Ansicht, so deren Vorsitzender, "Blankenburg muss als Standort gestärkt werden".

"Als Finanzer tut es mir außerordentlich weh", erklärte Henning Rühe als Chef der Bürgerfraktion, mit Blick auf den Antrag aus der Blütenstadt. Allerdings gehe es um das Prinzip der Gleichbehandlung, betonte der Halberstädter. Schließlich müsse der Kreistag bei der Fortschreibung der Planung zur Schulentwicklung für 2012/2013 auch über einen Wunsch der Thalenser befinden. Danach sollen die Kinder aus den Ortsteilen Allrode und Friedrichsbrunn nicht mehr die Gernröder Sekundarschule besuchen, sondern jene in Thale-Nord.

"Ich stehe ausdrücklich hinter der Vorlage meiner Verwaltung."

Michael Ermrich, Landrat

"Ich stehe ausdrücklich hinter der Vorlage meiner Verwaltung", reagierte Michael Ermrich (CDU) sichtlich ungehalten auf die Debatte. Wenn Derenburger tatsächlich die Blankenburger Sekundarschule besuchen möchten, so ließe sich das über Rufbusse regeln, so wie anderswo schon längst üblich. Der Landrat: "Es geht gar nicht um Schüler, sondern um Luft, die gefüllt werden muss." Im Konsolidierungskonzept zum Haushalt "wird mutig reingeschrieben, jährlich hunderttausende Euro einsparen zu wollen". Hier werde aber das Gegenteil praktiziert. Und: "Eine bessere Verbindung zwischen Derenburg und Wernigerode beziehungsweise Halberstadt kann es nicht geben."

Ulrich Förster (SPD) pflichtete bei. Er könne die regionale Bindung ja verstehen, sagte der Ilsenburger. Andererseits sei aber die Situation der Harzer Verkehrsbetriebe zu beachten.

Aufmerksamer Zuhörer im Saal war Blankenburgs Bürgermeister. Hanns-Michael Noll (CDU) zeigte sich nach der Sitzung zufrieden mit dem Votum. Selbiges sei zwar knapp ausgefallen, befand der Rathauschef: "Trotzdem war das eine Grundsatzentscheidung."