Wegeleben l Die Szenen bei den Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Vorharz ähneln sich. In ihren Jahresberichten sprechen die Wehrleiter von „absurden Lieferzeiten“ und „zu geringem Schutzniveau von neu beschaffter Bekleidung“.

„Die Verbandsgemeinde kocht bei der Beschaffung ihr eigenes Süppchen, anstatt auf das Fachwissen, die Erfahrung und das Knowhow der Feuerwehrverbände zurückzugreifen“, kritisiert der stellvertretende Wehrleiter der Verbandsgemeinde Vorharz, Jens Kappe.

Bestellungen ab 2017 zentral

Bis Ende 2016 lief die Beschaffung einen eingespielten Weg: Der Haushalt sah einen bestimmte Summe für die einzelnen Feuerwehren vor, diese konnten sie für die Beschaffung nutzen. „Das Geld wurde uns zugeteilt, wir haben Angebote eingeholt, verglichen, der Verwaltung einen Vorschlag gemacht, und der wurde auch immer so durchgewunken“, erklärt Kappe. Dieses Verfahren wurde dann ab 2017 durch ein zentralisiertes ersetzt. Fortan liefen alle Bestellungen bei der Verbandsgemeinde zusammen, dort wurde gerechnet und kalkuliert, Angebote eingeholt, verglichen und bestellt. So weit, so gut.

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So sah der Plan aus, die Realität verlief jedoch anders. Im Gespräch mit der Volksstimme erläutert die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Vorharz, Ute Pesselt (parteilos), dass seit Mai 2017 der genehmigte Haushalt vorlag. „Dort waren die konkreten Mittel für die Beschaffung der Ausrüstung der Feuerwehren eingestellt worden“, sagt sie. Jeder Leiter in der Verwaltung habe dann, im Rahmen seiner Zuständigkeit, loslegen können. Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass der für die Feuerwehr zuständige Sachgebietsleiter schon im Mai mit den Kameraden hätte darüber sprechen können, was gebraucht wird. Genau dies aber geschah nicht, so Pesselt.

Bessere Preise erhofft

„Wir wussten, wie viel Geld wir im Budget hatten, haben Angebote eingeholt und weitergegeben, aber bei der Beschaffung an sich waren wir dann nicht mehr involviert“, beschreibt auch Kappe den Ablauf. Pesselt zufolge habe der Sachgebietsleiter ihr „in einem Gespräch mitgeteilt, dass er dachte, eine große Ausschreibung könne bessere Preise erbringen. Auch das ist im Grunde richtig gedacht, aber auch da muss man sich auf jeden Fall mit jemandem mit Sachverstand zusammensetzen“, betont Pesselt.

Nach solchen Gesprächen könne dann ein Leistungsverzeichnis entstehen, das mit den Angeboten am Markt verglichen werden muss. Schon im Mai hätte das passieren müssen – das sei der Kardinalfehler. Hier seien Fehler passiert, dazu stehe sie, und die müssten nun abgestellt werden, sagt Pesselt.

Budget im Blick

„Aber wir mussten die Art der Beschaffung gerade rücken. Es kann nicht sein, dass jemand mit unserer Geldbörse einkaufen geht“, sagt Pesselt.

In diesem Zusammenhang betont Pesselt, dass „es eine Aufgabe der Verbandsgemeinde ist, das Geld das ganze Jahr über im Blick zu haben. Das eben können die Feuerwehren nicht leisten.“ Hier erinnert sie an die unvorhergesehenen Ausgaben im Rahmen der Hochwasserbekämpfung im vergangenen Jahr.