Halberstadt/Aspenstedt l Eine Provinzposse konnte in Aspenstedt in letzter Minute verhindert werden. Die örtliche freiwillige Feuerwehr sollte ein nagelneues Einsatzfahrzeug erhalten, weil das vorhandene dem Rentenalter sehr nahe ist. Eine Investition, die eigentlich auf Beifall stoßen sollte. Nicht in Aspenstedt. Der Grund ist nachvollziehbar: Die Wehr besitzt keine Fahrzeughalle, in die das neue Fahrzeug passen würde.

Die teure Neuanschaffung müsste also Tag und Nacht bei Wind und Wetter draußen stehen. „Ich machte der Stadtverwaltung in Halberstadt Druck. Dann gab es überraschenderweise eine Lösung“, freut sich Ortsbürgermeister Rüdiger Müller (CDU). Der Stadtrat Halberstadt beschloss in der vergangenen Woche einstimmig, den ersten vor dem zweiten Schritt zu gehen: Vor dem Fahrzeugkauf bekommt die freiwillige Feuerwehr des Ortsteils neben dem Gerätehaus erst einmal eine neue Halle.

Stadtverwaltung schwenkte um

„Bis zur Einsicht dauerte es allerdings“, macht Rüdiger Müller aufmerksam. Er habe dem Oberbürgermeister in einer Dienstberatung Mitte Februar deutlich gemacht, dass er gegen den Kauf des Fahrzeugs vorgehen werde, wenn nicht vorher die offene Frage der ­sicheren Unterstellung geklärt ist. „Plötzlich gab zu meiner Verwunderung der OB nach und schwenkte um“, so der Ortsbürgermeister. Die Einsicht siegte, dass unter den jetzigen Bedingungen das Gerätehaus mit einem Fahrzeug neuer Bauart, wegen der zu geringen Durchfahrtshöhe und den nicht vorhandenen Bewegungsflächen, so nicht weiter betrieben werden kann. Bauliche Änderungen am jetzigen Gerätehaus zur Erreichung des Normzustandes sei nicht ­möglich, so die Stadtverwaltung.

„Als Alternative sind ein Gerätehausneubau oder ein Anbau möglich“, heißt es in der Begründung des Ratsbeschlusses. Die Lösung des Problems: Aspenstedt bekommt am Gerätehaus für das künftige Fahrzeug erst einmal einen Anbau, in dem genug Platz ist. Für die große Lösung fehlt das Geld in der Stadtkasse.

„Ein Gerätehaus-Neubau würde nach heutigem Stand finanzielle Aufwendungen in Höhe von etwa 620.000 Euro erfordern“, informiert die Stadtverwaltung. Dafür würden zwar theoretisch Fördergeld in Höhe von 265.000 Euro zur Verfügung stehen. Ob die in dieser Höhe dann auch tatsächlich kämen, sei allerdings fraglich.

Unbürokratische Lösung gefunden

Aus diesem Grund einigte man sich mit den Aspen­stedtern schließlich auf eine unbürokratische Lösung des Platzproblems. Die Feuerwehr verzichtet vorerst auf den Fahrzeugneukauf. Die dafür erforderlichen etwa 160.000 Euro fließen stattdessen in die ­Finanzierung des Hallenanbaus.

Dafür wird das vorhandene Nebengebäude abgerissen. An dessen Stelle wird der Neubau zur Unterbringung des neuen Einsatzfahrzeugs errichtet. Der Stellplatz für das Mannschaftstransportfahrzeug im Gerätehaus ist ausreichend und bleibt somit erhalten. Alt- und Neubau werden mit einem Durchgang verbunden. Allerdings muss die benachbarte Kindertagesstätte Federn lassen. Ein Gerätehaus zur Unterbringung von Spielsachen muss weichen. Der notwendige Unterstellraum wird dann künftig in den Neubau mit integriert.

Ein Konzept für den vorerst verschobenen Neukauf des Feuerwehrfahrzeugs für die Aspenstedter Wehr ist in der Stadtverwaltung ebenfalls erarbeitet worden. „Die Ersatzbeschaffung könnte dann mit einer Verpflichtungsermächtigung auf die Jahre 2022/2023 verschoben werden. Im Gegenzug erfolgt die Verschiebung der Ersatzbeschaffung eines Löschfahrzeugs für die Ortsfeuerwehr Ströbeck auf die Jahre 2023/2024“, heißt es dazu im Stadtratsbeschluss.

Rüdiger Müller freut sich für die Mitglieder der örtlichen freiwilligen Feuerwehr, dass eine Lösung gefunden wurde. „Das ist ein Zeichen dafür, dass es mit der Wehr nach vorne geht.“