Hoppenstedt l Es gab nur eine Handvoll Eingeweihte, die im Vorfeld von der Übung wussten. Martin Struwe gehörte dazu. Er ist kein Feuerwehrmann, aber er stellte sein Grundstück mitten in Hoppenstedt für die Übung zur Verfügung. „Das war kein Ding. Es ist ja wichtig, dass die Leute üben können“, sagte er.

Thomas Duwensee erfuhr am Vormittag von der Übung, als er von seinem Ortswehrleiter Michael Lehmann gebeten wurde, einen Verletzen zu mimen. Was er dann auch sehr authentisch tat.

Überraschender Einsatz

Um 18.18 Uhr schrillte die Sirene in Hoppenstedt. Ein Test ergab, es war vorher wirklich keiner am Gerätehaus und wartete dort etwa auf den Einsatz. Nach 4:40 Minuten schoss das Löschfahrzeug um die Ecke zur Scheune. Trotz der kurzen Wege im 171-Seelen-Dorf ein achtbares Ergebnis. Zumal zwölf Frauen und Männer in den Einsatz gingen. Ortswehrleiter Lehmann zeigte sich zufrieden.

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Für Einsatzleiter Andy Schoppe galt es nun, kühlen Kopf zu bewahren. Denn die Feuerwehrleute mussten an mehreren „Fronten“ kämpfen. Allen voran die Menschenrettung, außerdem die Löscharbeiten. Nach weiteren fünf Minuten war klar, dass es die Hoppenstedter allein nicht schaffen, also wurden die Kameraden aus Osterode und Rhoden alarmiert.

Statist Thomas Duwensee lag derweil als Verletzter vor der Scheune und wurde von den Feuerwehrleuten geborgen. Nun trafen auch vier Sanitäter vom DRK-Katastrophenschutzzug aus Osterwieck ein, die den Verletzten weiter behandelten.

Verletzter in der Scheune

Drinnen in der dicht vernebelten Scheune lag derweil noch ein weiterer Verletzter, wenn auch nur ein Dummy. Doch dessen Rettung war erst einmal nicht möglich. „Wir haben in Hoppenstedt nur zwei Atemschutzausrüstungen“, klagte Ortswehrleiter Lehmann. „Ich habe schon oft darauf hingewiesen.“ Damit könnten zwar zwei Einsatzkräfte in das verrauchte Gebäude gehen, aber die Vorschriften verlangen mindestens zwei weitere Leute mit Atemschutzgeräten als Reserve. Also heißt es warten, bis die Rhodener und Osteröder da sind. Sie kamen angesichts der Entfernungen und ihrer betagten Fahrzeuge ebenfalls in Top-Zeiten an. Aber zwölf Minuten sind in solchen Fällen eine gefühlte Ewigkeit. Was Einsatzleiter Schoppe bestätigte: „Ich dachte, das sind Stunden, bis jemand kommt.“

Wie nötig indes so ein Reservetrupp ist, machte die Übung deutlich. Ein Kamerad brach im Gebäude zusammen und musste selbst geborgen werden. Michael Lehmann hatte bewusst einige „Schikanen“ in die Übung eingebaut.

Etwas nachdenklich machte am Ende doch die Zeit. 42 Minuten dauerte es, bis der Dummy aus der Scheune geborgen war. Muss man sich Sorgen machen? Aus Sicht von Osterwiecks Vize-Stadtwehrleiter André Schünemann, der als Beobachter vor Ort war, nicht.

Bei einem tatsächlichen Brand dieser Größe würden weit mehr Feuerwehren alarmiert, sodass auch kurzfristig Reservetrupps vor Ort wären, erläuterte er. Derzeit werde an der Bildung von vier Zügen innerhalb der Stadtfeuerwehr gearbeitet, die bei Einsätzen kollektiv alarmiert werden sollen.

Atemschutztechnik fehlt

Zur fehlenden Atemschutztechnik sagte er, dass das nur wenige Feuerwehren betreffe. Begründet aus der Vergangenheit, als es dort auch nur wenige Einsatzkräfte gab, die unter Atemschutz agieren durften. In Hoppenstedt sind es momentan vier, aber die Feuerwehr hat zuletzt einen enormen personellen Aufschwung genommen.

Sollte demnächst wie angekündigt das Löschfahrzeug aus Suderode nach Hoppenstedt umgesetzt werden, wäre auch die nötige Technik vor Ort.

Auswertung im Gerätehaus

Die Stadtfeuerwehr hat nur etwa 100 Atemschutzgeräteträger in ihren Reihen, also ein Viertel der Einsatzkräfte. „Optimal wären drei Viertel“, sagte Schünemann, „denn es kann auch nicht jeder gesundheitlich.“

Nach 45 Minuten war die Übung vorbei. Die Schläuche zum Hydranten und zur Ilse wurden wieder eingerollt. Die rund 35 Teilnehmer fuhren ins Hoppenstedter Gerätehaus zur Auswertung. Michael Lehmann zeigte sich wie auch seine Ortswehrleiter-Kollegen zufrieden mit dem Übungsablauf, hatte sich aber einige Notizen gemacht. „Aus kleinen Fehlern kann man lernen.“