Halberstadt l Mitten in der Nacht, um 1.38 Uhr, erfolgt der Alarm: Einsatz in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt. Die Kameraden der Feuerwehr eilen in die Friedrich-List-Straße – völlig unnötig. Es liegt kein Notfall vor. „Die Brandmeldeanlage wurde erneut böswillig aufgrund eines Handdruckknopfmelders ausgelöst“, berichtet Wehrsprecher Chris Buchold von einem Einsatz am zurückliegenden Wochenende.

Eine solche Situation ist alles andere als eine Ausnahme. Allein in der ersten Hälfte des Jahres registrierten die Halberstädter Kameraden mehr als 30 solcher unnötigen Einsätze: Vorrangig nachts wurde in der Zast der Notruf betätigt, obwohl es augenscheinlich keinen Grund dafür gab.

Variante umgesetzt

Ab sofort soll damit Schluss sein. Das Innen- und das Finanzministerium haben nun eine Variante umgesetzt – vorgeschlagen von Feuerwehr und Kreisverwaltung – mit der verhindert werden soll, dass die Kameraden in solchen Fällen ausrücken.

So wurden die Handdruckknopf-Melder in der Zast mit einer alarmgesicherten Schutzkappe versehen, berichtet Chris Buchold. „Mit Auslösung der Brandmeldeanlage erfolgt ein Internalarm als lauter Alarm im jeweiligen Gebäude zur Aufforderung an die Bewohner der Unterkünfte, das Gebäude zu verlassen“, erläutert Andy Hein, Sprecher des Finanzministeriums, welches für den Brandschutz in der Zast zuständig ist.

Sicherheitsdienst kann Alarm stoppen

Parallel dazu „läuft der Alarm beim Sicherheitsdienst auf, welcher von einem Mitarbeiter innerhalb von 30 Sekunden quittiert werden muss“, informiert Chris Buchold. Der Sicherheitsdienst habe dann drei Minuten lang Zeit, den Bereich, in dem der Knopf gedrückt wurde, zu erkunden. Liege kein Notruf vor, könne er den Alarm stoppen. „Sollte die Zeit überschritten werden, läuft der Alarm direkt zur Leitstelle Harz weiter, welche die Feuerwehr alarmiert.“

Die Änderung betreffe nur die Notruf-Handknöpfe, nicht aber Rauchmelder, die zum Beispiel an der Decke angebracht sind. „Bei der Auslösung der Brandmeldeanlage durch einen automatischen Melder gelten keine Verzögerungszeiten. Der Alarm läuft direkt zur Leitstelle Harz durch.“

An Fehlalarm gewöhnt

Die Einigung auf dieses Prozedere geschah in letzter Minute: Im Juni hatten die Halberstädter Feuerwehrleute eine Demonstration angekündigt, um eine Lösung für die häufigen, unnötigen Einsätze in der Zast zu fordern. Nicht nur, weil diese eine hohe Belastung für die Kameraden seien. Sie kritisierten zudem, dass der Alarm auch bei den Zast-Bewohnern keine Wirkung mehr zeigte: Sie blieben in den Häusern, weil sie von vornherein von einem Fehlalarm ausgingen. Zudem: „Wenn es in der Zeit, in der wir beim Fehlalarm draußen sind, tatsächlich brennt, wird das zum Problem“, gab Jörg Kelle, Abteilungsleiter Feuerwehr der Stadtverwaltung, zu bedenken.

Keine 24 Stunden, bevor die Kameraden eine Hauptverkehrsader in Halberstadt blockieren wollten, haben sich Innenminister Holger Stahlknecht und der damalige Finanzminister André Schröder (beide CDU) auf die Verfahrensweise geeinigt, die nun zum Tragen kommt. Nach diesem Gipfeltreffen, das mehr als einen Monat zurückliegt, wurden die technischen und personellen Voraussetzungen für die neue Ausrückeordnung geschaffen. So ist es laut Ministeriumssprecher Andy Hein notwendig, die Brandmeldeanlage um Anzeigeeinrichtungen in den Unterkünften und in der Wache zu ergänzen, „um den jeweils bedienten Druckknopfmelder sofort identifizieren zu können“.

Zudem seien in der Zast bereits mehr Wachdienstpersonal eingesetzt und die Mitarbeiter vom Brandschutzbeauftragten unterwiesen worden, so Stefan Brodtrück, Sprecher des Innenministeriums. Weitere Schulungen und zusätzliches Personal seien vorgesehen.