Zilly l Die Ortsfeuerwehr in Zilly habe den größten Ausrückebereich im Osterwiecker Stadtgebiet, betonte Vizeortswehrleiter Stefan Ueberschär. 18 Mal rückten die Kameraden voriges Jahr aus, nur die Osterwiecker Ortswehr war noch öfter gefordert.

LO aus DDR-Zeiten

Auf die Technik und das zuverlässige Zusammenspiel der Aktiven im Ernstfall müsse sich jeder verlassen können, betonte Ueberschär. Doch die Fahrzeugtechnik ist in Zilly zu einem Problem geworden. Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (parteilos/Buko) untersagte im Juli vergangenen Jahres den Personentransport auf der Ladefläche des Löschgruppenfahrzeugs, einem LO aus DDR-Zeiten. In „Erfüllung ihrer Fürsorgepflicht“, hieß es damals im Schreiben. Also aus Sicherheitsgründen. Nur noch drei Kameraden dürfen hier mitfahren. Mit dem Löschfahrzeug zusammen macht das neun Plätze. Die tatsächliche Einsatzstärke liege nach Angaben von Ortswehrleiter Danny Wöhler aber bei elf bis 15 Mann. So bleibe den Kameraden der Feuerwehr Zilly derzeit nichts weiter übrig, als zu den Einsätzen mit ihren Privat-Pkw zu fahren.

Kein Ersatzwagen

Eigentlich sollte im Dezember ein gebrauchtes Fahrzeug aus dem Oberharz im Stützpunkt Zilly stehen, berichtete Stadtwehrleiter Frank Kenzig. Aber es kam anders. Der Mannschaftswagen habe keine geeignete Zugvorrichtung für den vorhandenen Schlauchwagen besessen. Der Schlauchwagen hätte mit einem neuen Untergestell umgerüstet werden müssen. Dieser Anhänger ist für die Wehr unabdingbar, denn darin befinden sich 700 Meter Schlauch und diverses Material für die Einsätze.

„Wir haben die Manpower und können sie nicht einsetzen“, brachte Stefan Ueberschär den Ärger auf den Punkt.

Aber es geht auch um Schutzkleidung, die beim Hochwassereinsatz im Juli kaputt gegangen ist und erst zum Jahresende getauscht worden sei, um die neuen Helme, bei denen die Sicht noch schlechter sei, als vorher mit den alten.

Bürgermeisterin fehlt

Viele Fragen und Probleme, die die Feuerwehrleute auf ihrer Versammlung auch gern mit Bürgermeisterin Wagenführ besprochen hätten, die zur Enttäuschung der Zillyer aber fehlte. Sie sei per Mail eingeladen worden, berichtete Danny Wöhler.

Ortsbürgermeisterin Sandra König (Bürgerinitiative Zilly) zeigte sich jedenfalls stolz auf ihre freiwillige Feuerwehr und steht hinter ihr. „Ich bin froh, dass es die Feuerwehr im Ort gibt, die auch tagsüber eine durchschnittliche Einsatzstärke von elf Kameraden gewährleisten kann“, betonte sie.

Ortsjubiläum im Blick

Im kommenden Jahr feiert Zilly sein 1075-jähriges Bestehen. Zu bestimmten Aktionen werde sie die Feuerwehr mit einbeziehen. Weiterhin appellierte König an die Feuerwehrfrauen und -männer, sich am Erstellen der Festschrift mit kleinen Anekdoten rund um die Geschichte der Feuerwehr zu beteiligen.

Pump-Probleme in Sonnenburg

Die Ortschefin dankte den Kameraden für ihr Engagement und wünschte, dass sie heil und gesund von ihren Einsätzen heimkehren. Dafür brauche aber eben jede der 18 Feuerwehren im Stadtgebiet Osterwieck funktionierende Technik und Material, auf das sich die Feuerwehrleute verlassen können, nahm Danny Wöhler den Faden auf. Die Unterstützung der Stadt sei hierzu gefragt. „Sie sollte in Sachen investieren, die man braucht“, gab er zu bedenken.

Bedenklich sei für Wöhler nach wie vor auch die neue Zisterne auf der Sonnenburg. Hier müssten die Wehren aus Zilly beziehungsweise Dardesheim erst etwa drei Minuten ansaugen, bevor das erste Wasser durch die Schläuche läuft. „Nicht auszudenken, was in der Zwischenzeit bei einem Brand passieren kann“, sagte der Ortswehrleiter.

28 Aktive

Die 28 aktiven Kameraden versuchen jedenfalls bei ihren Einsätzen das Beste, betonte er. Nachwuchs gibt es bei der Jugendfeuerwehr mit vier Mitgliedern und bei der Kinderfeuerwehr mit einem Mitglied. In der Alters- und Ehrenabteilung sind es zurzeit noch zwei Leute.

Die Aktiven können für 2017 auf eine Einsatzstärke von durchschnittlich 14 Kameraden zurückblicken. An Lehrgängen und Weiterbildungen nahmen 13 Personen teil. Im Dorf unterstützen die Feuerwehrleute viele Veranstaltungen mit der Absicherung sowie im Freibad mit der Reinigung des großen Beckens.

Im Jahr 2017 wurden über 4000 Euro Sponsorengelder gesammelt. Davon wurden unter anderem ein Stromerzeuger, ein Lichtmast, ein LED-Flutlichtstrahler, zehn Verkehrsleitkegel und ein Rettungsrucksack gekauft. Der Inhalt dieses Rucksackes wurde von der ortsansässigen Apotheke gesponsert.