Rübeland l Anne Ipsen ist immer noch sichtlich überrascht. Vor einigen Tagen hatte sie gemeinsam mit Höhlenführerin Ute Fricke den Olmensee routinemäßig untersucht. Die promovierte Biologin: „Im hintersten, dunkelsten Winkel, unter den Steinen, wo sich die Olme gern verstecken, haben wir zehn Eier entdeckt.“ Und: „Sie sehen prima aus und es ist wahrscheinlich, dass sie befruchtet sind.“

Anne Ipsen und Ute Fricke separierten ihren Zufallsfund sofort. Samt Felsbrocken, an dem er angeheftet war, in ein Zuchtbecken. Das wurde mit Wasser aus dem Olmensee gefüllt.

Die Projektleiterin: „Es besteht die Hoffnung, dass in den nächsten Wochen weitere Eier gelegt werden.“ Zwei der vier Weibchen schauen sehr dick aus. Sie scheinen tragend zu sein. Alle sieben Tiere im See verhalten sich territorial. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie sexuell aktiv sind.

Bilder

Besonderer Schutz notwendig

Noch am Tag der Entdeckung wurde der gesamte Bereich für die Aufzucht mit lichtdichter Folie in Richtung Führungsweg abgeschirmt. Damit sollen Störungen für die Entwicklung der Nachzucht in der nächsten Zeit so gering wie möglich gehalten werden.

Jetzt ist vor allem Geduld gefragt, da der Reifeprozess bis zu 150 Tage dauern kann. Die Expertin: „Es ist nicht klar, wie alt die jetzt gefundenen Eier sind.“ Demzufolge kann der Zeitpunkt des möglichen Schlupfes von Jungolmen nur sehr ungenau vorausgesagt werden. Sicher ist lediglich, das es im Winter so weit sein wird.

Um die sehr empfindlich auf äußere Einflüsse reagierenden Eier nicht zu stören, werden sie komplett abgeschirmt. Es wird deshalb in den nächsten Monaten weder für Privatpersonen, noch für die Presse möglich sein, die Olmeneier zu fotografieren oder zu filmen.

Anne Ipsen: „Grottenolme sind Tiere, die ihr Leben in absoluter Dunkelheit in Höhlen verbringen.“ Sie haben daher nicht die kleinste Chance, sich gegen die schädigende Wirkung von Licht zu schützen. Bereits bei geringer Intensität der Beleuchtung erleiden sie einen „Sonnenbrand“.

Da die Eier eine noch weniger ausgeprägte Schutzhülle besitzen, wird die Dokumentation ihrer Entwicklung auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Harz soll die Öffentlichkeit regelmäßig mit Bildern darüber informiert werden, wie und ob das Gedeihen der kleinen Lurche voranschreitet.

Erste Hoffnung nicht erfüllt

Die erste Chance auf neues Leben im Olmenreich hatte bekanntlich im Februar 2016 bestanden. Seinerzeit waren fünf Eier gefunden worden. In den folgenden Monaten konnten sich diese aber leider nicht entwickeln. Ende Oktober starb das letzte Ei ab. Die Projektleiterin: „Unsere Enttäuschung war riesengroß.“

Daraufhin warben die Höhlenforscher in Kooperation mit den Rübeländer Tropfsteinhöhlen finanzielle Unterstützung durch die Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt ein, um einen weiteren Anlauf zu wagen.

Anne Ipsen: „Jetzt heißt es Daumen drücken für das einzige Olmenvorkommen in Deutschland und seine Nachzucht.“ Sollte diese gelingen, wäre sie nach mehr als 85 Jahren eine Besonderheit.