Langenstein l Jeden Tag im Freibad. Von morgens bis abends. Klingt nach der perfekten Ferienbeschäftigung, bei der man einfach mal die Seele baumeln lassen kann. Doch für Lena Jendrischok bedeutet der tägliche Gang ins Freibad vor allem eins: jede Menge Verantwortung. Sie ist in Langenstein als Rettungsschwimmerin im Einsatz. Nur dank ihres freiwilligen Engagements konnte die Anlage in dieser Saison überhaupt öffnen.

Denn kurz vor dem Saisonstart wurde die Hiobsbotschaft bekannt: Der langjährige Rettungsschwimmer, der sonst für Sicherheit in der beliebten Anlage sorgt, fällt in dieser Saison krankheitsbedingt aus. So ad hoc konnten die Betreiber, ein Förderverein, dies nicht kompensieren.

Auch die Stadtverwaltung Halberstadt und das Freizeit- und Sportzentrum (FSZ), die den Förderverein in ihrer Arbeit unterstützen, hatten keine schnelle Lösung parat. Auf eine kurzfristig erstellte Ausschreibung seitens der Stadt gab es nur eine Reaktion, berichtet Rathaussprecherin Ute Huch. Doch der Bewerber konnte die Stelle nicht sofort antreten. Dem Bad drohte die Schließung für die Saison.

Dank Lehrerin zum Freibad-Job

"Mir hat eine Lehrerin von der Situation berichtet und gefragt, ob ich nicht einspringen könnte", berichtet Lena Jendrischock. "Sie wusste, dass ich einen Rettungsschwimmer-Schein habe." Anfangs hat die 18-Jährige jedoch trotz Qualifikation gezögert. "Wegen der Verantwortung", wie sie verrät.

Doch sie sei froh, ihre Ängstlichkeit überwunden zu haben. "Alle haben sich so gefreut, dass ich herkam. Der Verein unterstützt mich und an meine Aufgaben habe ich mich schnell gewöhnt."

Sie sorgt dafür, dass keine Blätter oder Verunreinigungen im Becken sind, dass das Fußbecken mit frischen Wasser gefüllt ist, bevor die ersten Badegäste kommen und schaut, ob etwas auf der Anlage nicht in Ordnung ist. Ihre Hauptaufgabe ist es jedoch, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen. "Hier wird nicht gerannt. Nein, Springen ist erst wieder möglich, wenn weniger Leute im Becken sind." Ihre Ansagen sind trotz ihres jungen Alters resolut. "Die Leute hören eigentlich immer auf mich. Sie haben Respekt", sagt Lena Jendrischok.

Stört es sie, die Aufsicht zu haben, während andere nach Herzenlust schwimmen können? "Das hab ich mir schlimmer vorgestellt", gesteht sie. "Aber es ist schon okay." Es überwiege die Freude darüber, wie stolz ihre Familie auf sie ist. Und nach Feierabend, wenn alle Schwimmer schon nach Hause gegangen sind, springt sie selbst ins Becken.

Seit der Kindheit begeistert sich Lena Jendrischok fürs Schwimmen, ist wie ihre beiden Schwestern Mitglied der Deutschen Lebenrettungsgesellschaft (DLRG) geworden. "Zwischendurch musste ich leider aufhören." Ihre Ohren machten ihr im Chlorwasser Probleme.

Doch vor zwei, drei Jahren kehrte sie zurück zum Verein. "Es macht einfach Spaß", sagt die 18-Jährige. "Man kann dank der DLRG viel lernen, zum Beispiel Erste Hilfe, oder den Bootsführerschein absolvieren." Die Arbeit im Verein sei ein guter Ausgleich, um nach der Schule abschalten zu können.

Student unterschreibt Zwei-Monats-Vertrag

Gerade hat sie die zweijährige Ausbildung in Böhnshausen zur Kinderpflegerin absolviert, als Vorbereitung für die Erzieher-Ausbildung. "Im August fange ich an", berichtet sie fröhlich. Es sei ihr absoluter Traumberuf.

Doch die Sache hat auch einen kleinen Haken - ab dem 1. August kann sie deshalb nicht mehr die Aufsicht im Langensteiner Sommerbad übernehmen. "Das ist schon schade. Aber nach der Schule werde ich zum Helfen herkommen", verspricht sie.

Für die Badegäste wird es ein fliegender Wechsel sein: Der Student Robin Großhennig übernimmt den Posten von Lena Jendrischok zum 1. August. Er wurde von der Stadt Halberstadt als Rettungsschwimmer befristet für zwei Monate eingestellt, informiert Rathaussprecherin Huch. Nun hoffen alle, so Ute Huch, dass der bisherige, langjährige Rettungsschwimmer bald gesund und für die Badesaison 2019 wieder zur Verfügung stehen wird.