Der Borkenkäfer

Borkenkäfer gehören zu den Rüsselkäfern. Es gibt viele Arten von Borkenkäfern.

Die braunen oder schwarzen Käfer richten zum Teil großen forstwirtschaftlichen Schaden an, weil sie sich oft unter der Baumrinde (Borke) oder im Holz von Bäumen in selbstgebohrten Gängen fortpflanzen.

Die bekanntesten Borkenkäferarten, weil sie vor allem die in fast allen Forsten als Nutzholz angepflanzten Fichten befallen, sind der Kupferstecher und der Buchdrucker.

Normalerweise finden die Käfer nur in kränkelnden und absterbenden Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen. Durch Wind- und Schneebruch oder Immissionen geschwächte Nadelbäume können als Brutstätte dienen, von denen bei günstigen Witterungsverhältnissen und ausreichend Brutmaterial wie zum Beispiel nach Orkanen, kann eine Massenvermehrung erfolgen. Was dann dazu führt, dass auch gesunde und vitale Bäume massenhaft befallen und dadurch absterben können.

Besonders betroffen sind gerade die Fichtenbestände im Harz rund um den Brocken.

Quellen: www.wald.de; www.spektrum.de

Halberstadt l Große Bäume gehören zum Bild des städtischen Friedhofs. Der Parkcharakter macht das rund 16 Hektar umfassende Areal im Norden der Stadt, seit dem 19. Jahrhundert zentraler Begräbnisort, zu einem der schönsten Friedhofsanlagen im Land. Doch der Baumbestand ist in Gefahr, wie von Hannelore Lorenz, Leiterin der Friedhofsverwaltung, zu erfahren ist. Nicht nur, dass bei Orkan „Friederike“ im Jahr 2018 ingesamt fast 50 Bäume umstürzten oder so schwer geschädigt worden waren, dass sie entfernt werden mussten. Jetzt müssen 28 Fichten gefällt werden – sie sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.

Situation wie im Harz

„Es ist bei uns nicht anders als rund um den Brocken“, sagt Hannelore Lorenz. Dort helfen derzeit sogar Soldaten dabei, den Borkenkäferbefall einzudämmen. „Auch bei uns haben die zwei Dürresommer und die Windschäden den Baumbestand geschwächt.“ Und geschwächte Bäume können den hungrigen Käfern nichts mehr entgegensetzen.

Dass vor allem die Fichten betroffen sind, fällt jedem Friedhofsbesucher rasch ins Auge. Die braun verfärbten, weitgehend schon kahlen riesigen Bäume sind nicht zu übersehen. Lorenz, die 2008 zusätzlich noch eine Ausbildung zur Baumkontrolleurin absolviert hatte, hat aber nicht nur die Fichten im Blick. „Aber hier müssen wir dringend handeln, damit wir unseren Baumbestand schützen“, so die Friedhofschefin.

Kosten steigen

Die Anträge auf Fällung der 28 Fichten hatte sie über die zuständige Fachabteilung der Stadtverwaltung gestellt, der Stadtentwicklungsausschuss stimmte den Anträgen zu. „Wenn wir die schriftliche Genehmigung haben, werden wir so schnell wie möglich gemeinsam mit den anderen Kollegen der Stala loslegen“, sagt Hannelore Lorenz. Ihr Team kann diese Arbeit nicht allein stemmen. Zumal nicht einfach gefällt werden kann. Viele der abgestorbenen Nadelgehölze stehen dicht an Gräbern. Um die nach Möglichkeit nicht zu beschädigen, müssen die Bäume von oben Stück für Stück abgetragen werden. Es wird ein Hubsteiger zum Einsatz kommen, was die Kosten für die Fällarbeiten erhöht, „Aber anders lässt sich das hier nicht machen“, sagt Lorenz. Finanzieren muss sie die Fällung der käfergeschädigten Bäume ohnehin aus ihrem eigenen Budget. Denn anders als bei der Beseitigung der Sturmschäden nach „Friederike“ gibt es für Borkenkäferschäden in der Stadt kein Geld vom Land.

Wann genau die Kettensägen im Dauereinsatz sein werden, kann Lorenz noch nicht genau sagen, sie hofft, so schnell wie möglich. Denn auch die Friedhofsbesucher sprächen sie immer wieder auf den Zustand der Bäume und die Unmengen an abgestorbenen Nadeln auf den Gräbern an. Allerdings sind die Fichten nicht die einzigen Bäume, die stark geschädigt sind. Es gibt andere Problemfälle, die einen akuten Pilzbefall aufweisen, der die Standsicherheit gefährdet. Aber das sind deutlich weniger als die Fichten, in denen der Borkenkäfer wütet.

Park wird lichter

Sind Bäume zu fällen, werden nicht jedes Mal neue große Bäume gesetzt. Schon seit einiger Zeit sei man dabei, den Baumbestand auszudünnen. Oft zugunsten der Grabanlagen, die durch massives Wurzelwerk beschädigt werden. Umgekehrt lasse man bestimmte Bereiche unter großen Bäumen frei von Grabanlagen, um die Sauerstoffspender zu schonen. Denn der Parkcharakter soll unbedingt erhalten werden. „Auch wenn nicht immer Bäume nachgepflanzt werden, es gibt Ersatz für jeden Baum, den wir wegnehmen“, sagt Lorenz. Oft sind es Gehölzarten, die nicht ganz so groß werden. Die lassen sich gut pflegen, der Friedhof wird lichter.

Dank einer studentischen Arbeit verfüge der Friedhof jetzt über ein Baumkataster, nur die Durchnummerierung fehle noch. Rund 650 Großbäume, schätzt Lorenz, gehören zum Bestand. Gut ein Drittel davon sind Fichten. Noch. Sie werden mehr und mehr durch Baumarten ersetzt werden müssen, die mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkommen und so kein Lieblingsfutter mehr für Borkenkäfer sind.