Tierpark

Friseurtermin für Alpakas und Schafe im Halberstädter Tiergarten

Bei ihr müssen alle ordentlich Haare lassen: Stefanie Kauschus schert hauptberuflich Schafe und Alpakas. Zuletzt im Tiergarten Halberstadt.

Von Vera Heinrich
Endlich geschafft!  Alpaka-Weibchen Leila freut sich sowohl über die wiedergewonnene Freiheit als auch über die neue Sommerfrisur. Derweil sammeln die Halberstädter Tierpfleger die angefallene Wolle zusammen.
Endlich geschafft! Alpaka-Weibchen Leila freut sich sowohl über die wiedergewonnene Freiheit als auch über die neue Sommerfrisur. Derweil sammeln die Halberstädter Tierpfleger die angefallene Wolle zusammen. Foto: Vera Heinrich

Halberstadt - Dieser Termin war für alle Beteiligten aufregend. Bei sieben Alpakas und einem Merino-Schaf im Tiergarten Halberstadt wurde es Zeit für einen Friseurbesuch. Die Wolltiere können sich nach einem aufregenden Vormittag jetzt über eine sommerfrische Frisur freuen. Zu verdanken haben sie das Stefanie Kauschus. Sie ist hauptberufliche Schafschererin.

Die Harsleberin hat am Mittwoch dem Tiergarten Halberstadt einen Besuch abgestattet. Im Gepäck hatte sie dabei ihre Schermaschine. „Die Maschine hat ein ordentliches Gewicht“, verrät sie. „Da kann die Arbeit schon mal in die Arme gehen.“

Alpakaschur erfordert Teamarbeit

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung. Zur Kundschaft der Schererin gehören überwiegend Schafe. „Die kann ich allein frisieren. Bei den Alpakas brauche ich aber zusätzlich noch jemanden zum Festhalten“, sagt Stefanie Kauschus.

David Neubert, Fachbereichsleiter des Tiergartens Halberstadt, ergänzt: „Da muss man schon aufpassen, nicht getreten zu werden.“ Besonders das Frisieren am Kopf der Tiere sei am schwierigsten.

Daher ist er sehr froh über die externe Unterstützung. Spätestens alle zwei Jahre müssen die Alpakas geschoren werden. „Künftig wollen wir es jährlich machen“, so David Neubert. Im Gegensatz zum Menschen hat der neue Haarschnitt bei den Tieren weniger ästhetische Gründe, sondern vorwiegend gesundheitliche Notwendigkeit.

Fünf Säcke voll Wolle

Tierpfleger René Lindemann erklärt: „Gerade in der Sommerhitze kann es den Tieren schnell zu warm werden.“ Daher werde das Fell geschoren, um der Gefahr eines Hitzschlages vorzubeugen. Außerdem gewährleiste das kurze Fell einen besseren Schutz vor Parasiten. „Alpakas kullern sich gern im Sand herum. Wenn die Wolle zu lang ist, können sich dort Parasiten einnisten“, erläutert René Lindemann.

Beim Halberstädter Schaufrisieren ist einiges zusammengekommen: Insgesamt fünf Säcke sind voller Wolle. „Pro Tier fallen etwa drei Kilogramm an“, schätzt Neubert. Diese nimmt Stefanie Kauschus gleich mit. „Das würde mir das Herz bluten, wenn wir sie in den Müll schmeißen müssten“, sagt Stefanie Kauschus. Zum Glück gebe es dafür regelmäßige Abnehmer.

Spinninteressierte Damen als Abnehmerinnen

„Ich gebe die Wolle an spinninteressierte Damen weiter.“ Diese fertigen daraus Garn an. „Wenn ich Glück habe, bekomme ich sogar eine Rolle ab“, erzählt sie. „Ich kann zwar stricken, aber nicht spinnen.“ Dass sich dafür Abnehmer finden, sei keine Selbstverständlichkeit, betont sie und erklärt: „Alpakawolle zu spinnen ist nicht einfach. Das macht nicht jeder.“

Das Wetter hat beim Schaufrisieren übrigens auch mitgespielt. „Gott sei Dank hat es nicht geregnet“, sagt die Harsleberin. „Sonst hätten wir die geschorene Wolle vor dem Verpacken erst mühsam ausbreiten und trocknen lassen müssen, bevor wir sie in die Säcke füllen können.“

Buchveröffentlichung über Schurtechniken

Außerdem sei das Frisieren für die Tiere so wesentlich angenehmer gewesen, als wenn ihr Fell nass gewesen wäre. Das sagt eine, die sich in ihrem Metier wahrlich auskennt. Die studierte Agrarwissenschaftlerin hat bereits 2014 ein Buch veröffentlicht über Schurtechniken bei Schafen. Erfahrungen konnte sie inzwischen reichlich sammeln. So hat sie auch in Australien und Neuseeland gearbeitet.

In den vergangenen zwei Jahren hat die Schafschererin beobachtet: „Der Trend geht zum Alpaka. Zu den Schafen kommen mehr und mehr Anfragen für Alpakas hinzu.“ Diese stammen vor allem von Privatleuten aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen bis ins östliche Westfalen. Stefanie Kauschus habe Gefallen gefunden an den südamerikanischen Tieren und ihrer Wolle, sagt sie und findet: „Das ist eine schöne Abwechselung.“

Die professionelle Schererin Stefanie Kauschus verpasst Alpakadame Leila im Halberstädter Tiergarten  einen neuen Haarschnnitt.
Die professionelle Schererin Stefanie Kauschus verpasst Alpakadame Leila im Halberstädter Tiergarten einen neuen Haarschnnitt.
Foto: Vera Heinrich
Da staunen selbst die Alpakas, wie viele Säcke voller geschorener Wolle zusammengekommen sind bei der Scheraktion im Tiergarten Halberstadt.
Da staunen selbst die Alpakas, wie viele Säcke voller geschorener Wolle zusammengekommen sind bei der Scheraktion im Tiergarten Halberstadt.
Foto: Vera Heinrich