Halberstadt l Eine Katze lugt hinter dem Schrank in der Teamküche hervor. Eine andere hat sich neben dicken Aktenordnern in ihrem Katzenhäuschen im Mitarbeiterbüro zusammengerollt. Waltraud Hammer und ihre Kollegen in der Fundtierunterkunft wussten einfach nicht mehr wohin mit ihnen.

Mitleid mit den Tieren

40 Katzen leben zurzeit im Katzenhaus in den Spiegelsbergen. Platz hätten eigentlich nur 35. „Wir sind voll belegt“, sagt Waltraud Hammer. Sie ist die Vorsitzende des Halberstädter Tierschutzvereins und kümmert sich um die Fundtierunterkunft. Dass das Katzenheim im Moment keine Tiere mehr aufnehmen kann, kommt ihr schwer über die Lippen. Zu viel Mitleid hat sie mit den Katzen, die kein oder kein gutes Zuhause haben. Sie verweist aber auf die Feuerwehr, die nach wie vor verletzte oder kranke Tiere zu ihnen bringt.

Die meisten Tiere in der Unterkunft sind Fundkatzen. Bewohner haben auf ihrem Grundstück eine Katze entdeckt, die da nicht hingehört und dann das Katzenhaus von Waltraud Hammer und ihren Kollegen angerufen. So läuft es meistens. Und so läuft es, wenn es gut läuft. „Manchmal setzen Besitzer ihre Tiere auch einfach aus. Zum Beispiel am Kassenhäuschen vom Tierpark. Sie entsorgen sie geradezu“, berichtet Waltraud Hammer. Auch trächtige und gar gebärende Katzen haben die Tierschützer schon aufgelesen. „Wenn die Tiere Glück haben, landen sie bei uns“, sagt sie. Wenn nicht, verwildern sie. Es gibt aber auch den Fall, dass Besitzer ihre Katzen in die Unterkunft bringen, weil sie ins Altersheim ziehen oder Familienangehörige Verstorbener die Katze nicht versorgen können. Oder die Scheidungskatzen. Ihre Herrchen haben sich getrennt und in der neuen Wohnung gab es keinen Platz mehr für die Tiere.

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Kastrationszwang wäre hilfreich

Um dem entgegenzuwirken, dass immer mehr Katzenwelpen geboren werden, um die sich niemand kümmert und die dann irgendwann bei ihnen landen, verlangt Waltraud Hammer in Halberstadt einen Kastrationszwang für Katzen.

„Jede Katze hat ihre eigene Geschichte“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Einige stinken nach Zigarettenqualm, bei anderen zeichnen sich die Rippen unter dem Fell ab und wieder andere haben weiche Stubenpfötchen und glänzendes Fell. Viele der Tiere seien schwermütig, so Hammer. Der Verlust von Herrchen und angestammtem Platz hat Spuren in der Katzenseele hinterlassen.

Viele Streicheleinheiten

Sind die Tiere erst einmal im Katzenhaus in den Spiegelsbergen angekommen, empfindet die Tierschützerin die Katzen als dankbar. „Hier können sie in Ruhe ihre Welpen versorgen und müssen nicht unter Flöhen, Würmern und Hunger leiden“, so Hammer. Außerdem bekommen sie jede Menge Streicheleinheiten von den sieben Fundtierunterkunft-Mitarbeitern. Es sind Ehrenamtliche, Bundesfreiwilligendienstler und Arbeitslose, die vom Jobcenter vermittelt wurden, die sich hier um die Tiere sorgen.

Abgeben, aber nicht um jeden Preis

Waltraud Hammer und die anderen Mitarbeiter suchen für ihre Katzen dringend Abnehmer. Aber nicht um jeden Preis. Liebe, Zuneigung und Zeit für die Tiere sind Voraussetzungen dafür, dass sie die Tiere abgeben. „Die Katzen haben es hier gut. Wenn sie jemand abholt, dann sollen sie es besser haben als bei uns“, sagt sie. Um das einschätzen zu können, besuchen die Katzenhaus-Mitarbeiter die Interessenten vorher Zuhause. Für Hof und Stall geben die Mitarbeiter die Tiere nicht ab. Außerdem verlangen sie eine Schutzgebühr von 80 Euro. Dafür bekommen die neuen Besitzer ihre Katze kastriert, weitestgehend gesund und gut versorgt.

Die Volksstimme stellt fünf der 40 Katzen vor.

Billy, zehn Jahre

Die Tierrettung der Feuerwehr hat Billy gerettet. Abgemagert, hungrig und frierend wurde er im Januar in einem Gebüsch gefunden. Er wurde im Katzenhaus aufgepäppelt und ist anhänglich und liebebedürftig.

Kalle, sieben Jahre

Kalle hat sein Zuhause verloren und sitzt seit Mai im Katzenhaus. Dieses sucht für den anhänglichen Kater eine Familie mit Haus und Garten, die Zeit für ihn hat. Kalle ist intelligent, geimpft, gechipt und kastriert. Der Kater lebte bisher mit Kasimir zusammen. Wenn möglich, sollen die beiden ein gemeinsames Zuhause finden.

Susi. drei Jahre

Susi wurde zusammen mit dem gleichaltrigen Kater Rocky 2016 in ein Zuhause vermittelt. Beide waren Wohnungskatzen mit Balkon und wurden gut versorgt. Sie sind geimpft, gechipt und kastriert. Ende Mai kamen sie wegen Umzugs zurück ins Katzenhaus. Das sucht für die anhängliche Susi ein Zuhause, am besten gemeinsam mit Rocky.

Baghira, zwei Jahre

Baghira kam im Juni zusammen mit Nick ins Katzenhaus. Nick und Baghira hatten eine Wohnung mit Balkon. Sie sind geimpft, gechipt, kastriert. Baghira lässt sich gern streicheln und braucht viel Zuwendung. Das Katzenheim möchte Nick und Baghira zusammen vermitteln, weil sie sich sehr gut verstehen.

Jasper, zwei Jahre

Jasper wurde im April zusammen mit Dobi abgegeben. Sie lebten in einer Wohnung mit Balkon, wurden gut versorgt. Er ist geimpft, gechipt und kastriert. Der Kater ist zutraulich und braucht Liebe und Geborgenheit, genau wie Dobi. Das Katzenhaus sucht für Jasper eine nette Familie und hofft, ihn gemeinsam mit Dobi zu vermitteln.

Die Fundtierunterkunft hat Montag bis Freitag von 8 bis 11 Uhr und von 13.30 bis 15. 30 Uhr geöffnet