Halberstadt l Tobias Beck wohnt schon seit sieben Jahren in Plön, einer Kreisstadt in Schleswig-Holstein. Aber seiner Heimat fühlt sich der ehemalige Halberstädter weiterhin eng verbunden. Um dem Ausdruck zu verleihen, hat er nun dank seines Hobbys eine Spendenaktion für die Halberstädter Fundtierunterkunft ins Leben gerufen. 1700 Euro sind dabei zusammengekommen.

Eine Summe, die Waltraud Hammer und ihre Mitstreiter des Tierschutzvereines freut. Aber so richtig sei ihr nicht klar, wie das Geld zusammengekommen sei, gesteht die Vereinschefin lachend. Denn während die meisten wohl eine Vorstellung von Becks Beruf haben – er ist Soldat bei der Marine – ist sein Hobby vermutlich nur jüngeren Generationen bekannt.

Karriereplan: Hauptberuflich spielen

Tobias Beck ist Gamer, ein Spieler im Internet. „Damit verdiene ich mehr als in meinem Hauptberuf“, berichtet der 33-Jährige. Sein Ziel sei es, nach der aktiven Zeit als Soldat hauptberuflich Gamer zu werden. Wie er erläutert, wird er dafür bezahlt, dass er seine Spielverläufe live im sozialen Netzwerk Facebook streamt, also überträgt. Die Zuschauer können währenddessen mit ihm kommunizieren. Und der gebürtige Halberstädter hat eine Menge Fans: Mehr als 30.000 Menschen haben seine Seite abonniert.

Und was spielt er nun – Fußball, strategische Schlachten, Autorennen? Nichts dergleichen. „Ich spiele einen Landwirtschafts-Simulator“, berichtet Tobias Beck. Seine Zuschauer verfolgen also, wie er im Internet digitale Felder pflügt, Trecker fährt und erntet. „Es ist wie in einem echten Landwirtschaftsbetrieb“, erläutert der Althalberstädter. Wie berichtet, gehört das Spiel zu den beliebtesten in Deutschland.

Er selbst sei vor einigen Jahren darauf gestoßen, weil er sich auch im echten Leben für Landwirtschaft interessiert. „Den Tick habe ich von meinem Opa.“ Gerade die Technik habe es ihm angetan. Wie auf seiner Seite LPG Ostharz Streaming – die Idee zu dem Namen sei ihm aufgrund eines Schriftszugs an einer Hauswand in Harsleben gekommen – zu sehen ist, fotografiert er auch gern reale landwirtschaftliche Gefährte. Fahren dürfe er die jedoch nicht im „echten“ Leben.

Nutzen aus „Corona-Effekt“ gezogen

Dafür ist er damit im Internet umso erfolgreicher – besonders in den vergangenen Wochen. „Ich merke eine Art Corona-Effekt. Es werden immer mehr Abonnenten und Zuschauer bei den einzelnen Streams.“

Diesen Effekt wollte er nun für den guten Zweck nutzen und seine Zuschauer zum spenden animieren. „Ich wollte etwas Regionales unterstützen.“ Und da er selbst Hundebesitzer sei, sei ihm das Hundehaus der Halberstädter Fundtierunterkunft eingefallen. „Anfangs hatte ich so mit insgesamt 100 Euro gerechnet“, gesteht Beck. Diesen großen Erfolg habe er selbst nicht erwartet. „Viele haben sogar geschrieben, dass sie gern noch mehr gespendet hätten, aber da sie gerade Kurzarbeit hätten, sei das nicht möglich.“

So kommt Geld Fundhunden zugute

Zu verdanken sei dieser große Erfolg der Aktion zum einen damit, dass die Spender etwas gewinnen konnten, und zum anderen, weil lokale Unterstützer für die Spendensammlung warben. Zu denen zählten neben Landtagsmitglied Daniel Szarata auch die „Harzer Blitzergruppe“, eine Facebook-Gruppe, initiiert von Denny Behrend. „Ich fand die Idee sofort gut“, sagt dieser. Dass es letztlich 1700 Euro geworden sind, mache ihn stolz.

Und wofür wird das Geld verwendet? „Der Freundeskreis sowie das Personal aus der Fundtierunterkunft haben sich schon kurz beraten“, lässt Daniela Groß, Vorsitzende des Freundeskreises für die Hunde der Fundtierunterkunft, über die Stadtverwaltung ausrichten. Es sei unter anderem geplant, mit dem Geld einen Freilauf zu sichern, damit Hunde, die es schaffen über den Zaun zu springen, sich gefahrlos draußen aufhalten können. „Des Weiteren ist eine isolierte neue Hundehütte geplant, die ehrenamtlich gebaut wird sowie der Kauf Trainingsmaterial und Spielzeug zur Beschäftigung der Hunde.“

Auch ein Carport für einen Freilauf wäre noch denkbar. Das Material dafür müsse gekauft werden, errichtet werde er von Ehrenamtlichen. „So eine Unterstellmöglichkeit ist notwendig, damit auch die Hunde, die sich nicht in eine Hütte trauen, den Witterungen nicht ungeschützt ausgeliefert sind“, erläutert Waltraud Hammer.