Halberstadt l Rundgang durch die Klaussynagoge, Besuch des Berend-Lehmann-Museums. Verweilen auf der Fläche, auf der einst die große Barocksynagoge Halberstadts stand. Jutta Dick ist es gewöhnt, Besucher durch die Gebäude der Moses-Mendelssohn-Akademie zu führen. Auch solche, die sich nicht nur für die Geschichte der einstigen Halberstädter jüdischen Gemeinde interessieren. So wie der US-amerikanische Generalkonsul Timothy Eydelnant.

Beziehungen pflegen

Von Leipzig aus reist Eydelnant viel durch den Osten Deutschlands, besucht gern auch kleine und mittlere Städte. So war er 2018 schon einmal in Halberstadt, kam mit Jugendlichen ins Gespräch, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Ihm ist der direkte Kontakt der Menschen in Deutschland und den USA wichtig, die Begegnungen unabhängig von der politischen Großwetterlage machen für ihn die eigentlichen deutsch-amerikanischen Beziehungen aus.

Diesmal galt sein Besuch der Moses-Mendelssohn-Akademie. „In diesem Jahr arbeiten wir viel an dem Thema, wie man dem Antisemitismus begegnen kann“, sagt der im weißrussischen Minsk Geborene, der heute in Reston, einer Stadt im US-Bundesstaat Virginia zuhause ist. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle habe dieses Thema an Brisanz gewonnen, nicht nur für ihn. Deshalb begrüßt er die Haltung des sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU), der die kleinen jüdischen Gemeinden im Land unterstütze. So zum Beispiel in Magdeburg und Dessau beim Bau der Synagogen.

Bildung wichtig

Mit dem aktuellen Besuch in Halberstadt folge er einer Empfehlung Haseloffs, sagte Eydelnant. Ein Fakt, der für Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) zeigt, welchen Stellenwert inzwischen die Arbeit der Mendelssohn-Akademie im Land genieße.

Dass hier mit jungen Leuten gearbeitet, ihnen vermittelt werde, welche Rolle jüdische Gemeinden für Deutschlands Entwicklung spielten und dass „die Juden“ ganz normale Menschen sind, sei wichtig, sagte Eydelnant, der seit 2002 für das US-Außenministerium arbeitet. Die Fotowand im Berend-Lehmann-Museum habe ihn beeindruckt. Und dass er eine „faszinierende Tatsache“ erfahren habe. „Es gab Eydelnants in Halberstadt!“ John Edelnant – die Schreibweisen der Namen sind oft im Laufe der Zeit verändert worden – hat bis 1939 in Halberstadt gelebt, bevor ihn seine Eltern mit einem Kindertransport nach England schickten. Heute ist John Edelnant in Luton heimisch, hält aber Kontakt nach Halberstadt.

Telefonat nach England

Edelnants Vater stammt aus der selben Region des heutigen Weißrusslands, in dem auch seine Großeltern lebten, berichtet Timothy Eydelnant. Er habe gleich vom Büro Jutta Dicks aus mit John Edelnant telefoniert. Der konnte zwar nicht sehr viel erzählen, aber nun habe er eine Spur, der er bei der Ahnenforschung folgen könne, sagte der Generalkonsul. „Ich werde mit meinen Eltern reden und weiß, dass mein Vater begeistert sein wird von dieser Nachricht. Ich hätte nie gedacht, dass ich in Halberstadt so eine Verbindung finden würde.“