Halberstadt

Gegenwind für die „Harzarena“

Kritik erntet das Tourismusprojekt „Harzarena“. Danach soll in den Halberstädter Bergen ein Freizeitpark entstehen, der mehr Besucher in die Kreisstadt locken soll.

Von Jörg Endries
Blick auf den Belvedere-Turm in Halberstadts historischem und unter Denkmalschutz stehenden Landschaftspark Spiegelsberge. Natur und Denkmalschutz sollen im Konzept ?Harzarena? laut Ideengeber eine große Rolle spielen.
Blick auf den Belvedere-Turm in Halberstadts historischem und unter Denkmalschutz stehenden Landschaftspark Spiegelsberge. Natur und Denkmalschutz sollen im Konzept ?Harzarena? laut Ideengeber eine große Rolle spielen. Foto: Ulrich Schrader

Halberstadt - Ordentlich Gegenwind erntet derzeit das Tourismus-Projekt „Harzarena“. Der Verein Halberstädter Berge und Bürger der Stadt fühlen sich von der Stadt Halberstadt überrumpelt. Sie kritisieren in Leserbriefen und in den sozialen Netzwerken, dass das Vorhaben nicht in der Öffentlichkeit vor der geplanten Beschlussfassung während der morgigen Stadtratssitzung, 15. Juli, vorgestellt und darüber diskutiert worden sei.

Hinter der Idee und dem Konzept „Harzarena“ stehen der Halberstädter Unternehmer Gert Schuber und Martin Hein, der nach eigener Aussage mehrere Tourismus- und Marketing-Firmen in Berlin betreibt. Beide betonten in einem Gespräch am gestrigen Dienstag, dass sie an einer öffentlichen Diskussion mit den Halberstädtern interessiert sind.

Mirko Zerwell, Vorsitzender des Vereins Halberstädter Berge, ist in einer ersten Reaktion über den geplanten „massiven Eingriff in die Halberstädter Berge“ verärgert.

Vereinsvorsitzender erst sauer, dann rudert er zurück

Mirko Zerwell ist stinksauer, dass er aus der Volksstimme von der „Harzarena“ erfahren musste. „Das Vorhaben steht direkt im Widerspruch zu dem, was Spiegel mit dem Landschaftspark bezweckte. Wie das Vorhaben außerdem mit dem Denkmalschutz, unter dem der Landschaftspark Spiegelsberge steht, zu vereinbaren ist, ist mir ein Rätsel.“ Der Vereinsvorsitzende regt sich darüber auf, dass nur wenige Tage von der Präsentation des Projekts bis zur Beschlussfassung im Stadtrat vergangen sind. „Ich habe den Verdacht, dass schnell ein Persilschein ausgestellt werden soll.“ Seit 2010 sei der Verein mit zahlreichen Projekten und Veranstaltungen Vorreiter zur Steigerung der Attraktivität der Berge. Die Harzarena würde entschieden zu weit gehen. „Tausende Touristen täglich verkraftet die Natur in den Bergen nicht“, gibt er zu bedenken. Außerdem sei die gesamte Infrastruktur Halberstadts dafür nicht ausgelegt, so Mirko Zerwell am Montag.

Einige Stunden später rudert der Vereinsvorsitzende nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU) ein wenig zurück.

„Bei der Harzarena handelt es sich um ein rein privates Projekt. Dazu muss man uns nicht fragen. Wir sind ja nicht gegen alles. Es sollte nur gut überlegt, verträglich und geplant sein.“

„Wir stehen am Anfang des Prozesses, nicht am Ende. Man könnte den Eindruck gewinnen, nach dem Beschluss durch den Stadtrat rollen am kommenden Tag die Bagger an. Davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt. Mit dem Beschluss soll der Stadtrat sich nur dazu bekennen, das Konzept 'Harzarena' als Grundlage für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Halberstadt zu unterstützen“, versucht Daniel Szarata Dampf aus der Diskussion zu nehmen. Die Ideen sollen dann breit diskutiert und öffentlich vorgestellt werden. Nach dem Beschluss müsse das Projekt weiter entwickelt werden.

Bürger sollen abstimmen und Ideen einbringen

Helga Petersen schreibt in einem Leserbrief, dass das Projekt „Harzarena“ zwei, drei Nummern zu große für Halberstadt sei. „Unsere Stadt hat etwa 39 000 Einwohner, wir sind keine Metropole! Freiherr von Spiegel würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass sein einstmals angelegter schöner Landschaftspark mit Beton und anderen nicht nachhaltigen Materialien verschandelt werden soll. Den in unseren Bergen lebenden Wildtieren würde noch mehr von dem eh schon knappen Lebensraum genommen. Sicher würde Halberstadt von mehr Tourismus profitieren, aber sollte man in diesem Fall nicht erstmal kleinere Projekte verwirklichen? Das Beispiel mit einer naturbelassenen Erlebniswelt auf der Jahnwiese/ Volkswiese, mit Einbeziehung des Tiergartens, sollte von den kreativen Köpfen noch einmal diskutiert werden. Es gab mal in den Spiegelsbergen einen Trimm-dich-Pfad, der leider wegen Geldmangel nicht instand gehalten werden konnte.“   Helga Petersen wünscht sich, dass derartige Projekte nicht nur im Stadtentwicklungsausschuss entschieden werden, die Einwohner Halberstadts sollten auch abstimmen und Ideen einbringen dürfen.

Ulrich Deckert bezeichnet das Vorhaben als „Wahnsinn“. „Die Berge sind ein gewachsenes Naturdenkmal, mit starkem historischem Hintergrund und das darf nicht kaputt gemacht werden, um Massentourismus zu fördern. Das Stadt und OB da mitspielen wollen, ist ja wohl ein Stück aus dem Tollhaus. „Das Konzept 'Harzarena“ schließt an das vom Land Sachsen-Anhalt geförderte und Ende 2020 von der dwif Consulting GmbH fertiggestellte Tourismuskonzept an. Mit den Spiegelsbergen, Klusbergen und Thekenbergen hat Halberstadt eine qualitative Besonderheit, die es gilt weiter zu entwickeln“, heißt es im Stadtratsbeschluss. Die Idee sei, Teile dieser einzigartigen Landschaft in Stadtnähe zu nutzen und zu aktivieren, um Halberstadt zu dem Besuchermagnet zu machen.

Konzept mitvielen Ideen

Das Konzept „Harzarena“ sieht unter anderen den Bau eines Höhenerlebnispfades vor, auf der Jahnwiese eine naturbelassene Erlebniswelt mit Spielgeräten für kleine Gäste und Verweilmöglichkeiten für die Großen. Eine riesige Erlebnisrutsche soll entstehen, auf der man von der Jahnwiese talwärts rutscht. Der Bau eines nachhaltigen Erlebnis-Camps ist ebenfalls vorgesehen. Dort soll man die Natur genießen können. Naturliebhaber sollen unterhalb des Erlebnispfades auf Barfuß-Parcours-Elementen auf ihre Kosten kommen, die sich mit Himmelsliegen im hohen Gras abwechseln, Sandbunker zum Toben und Spielen folgen auf Gärten mit Kräutern aus dem Harz. Das alles soll im Einklang mit Natur und Denkmalschutz entstehen, betonen die Ideengeber.

Voraussichtlich in der morgigen Ausgabe der Volksstimme äußern sich Gert Schuber und Martin Hein zum Konzept.

Am Sonnabend berichete die Volksstimme über den Plan für die Harzarena.
Am Sonnabend berichete die Volksstimme über den Plan für die Harzarena.
Jörg Endries