Halberstadt

Geheimniskrämerei ums Klubhaus

Das Trauerspiel um das ehemalige Klubhaus Halberstadt wartet immer noch auf ein Ende. Die Ruine an prominenter Stelle belastet nach wie vor das Stadtbild direkt an der Ecke Spiegelstraße/Harmoniestraße.

Von Jörg Endries
Die Ruine des Klubhauses belastet immer noch das Stadtbild Halberstadts. Einen Termin für den Abriss gibt es noch nicht.
Die Ruine des Klubhauses belastet immer noch das Stadtbild Halberstadts. Einen Termin für den Abriss gibt es noch nicht. Foto: Jörg Endries

Halberstadt - Ende 2019 erhielt die Stadt Halberstadt vom Land Sachsen-Anhalt einen Fördermittelbescheid für den Abriss des ehemaligen Klubhauses, geschehen ist bislang nichts, der Verfall geht weiter. Das stimmt jedoch nur bedingt. Hinter verschlossenen Türen wird im Halberstädter Rathaus bereits seit über einem Jahr  über die Zukunft des Grundstücks diskutiert.

Jüngst erst wieder während einer Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Das Thema war so geheim, dass noch nicht einmal aus der offiziellen Tagesordnung hervorging, dass das Klubhaus Gegenstand der Beratung war. Erst auf Nachfrage der Volksstimme wurde der Fakt von der Stadtverwaltung bestätigt.

Bürger ausgeschlossen

„Die Investoren haben das Projekt während der Sondersitzung vorgestellt. Das Konzept wurde erläutert und diskutiert“, bestätigt Holger Wegener, Referent des Oberbürgermeisters. Geplant sei, im nächsten Stadtrat am 16. September das Konzept zu beschließen und während der Ratssitzung am 25. November weitere Beschlussfassungen zum Bebauungsplan und zu den Kaufverträgen zu tätigen. Über den Inhalt des Konzeptes wird der Mantel des Schweigens gehängt.

„Wir werden zu gegebener Zeit mit dem Konzept an die Öffentlichkeit gehen“, sagt Thomas Rimpler, Fachbereichsleiter Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Er bittet um Geduld. Nicht zuletzt, weil die Gespräche zum Kauf des Gebäudes durch die Stadt von der Gläubiger-Bank beziehungsweise den insolventen Eigentümern erst abgeschlossen sein müssen.

Bislang drang nur an die Öffentlichkeit, dass es der Kommune gelungen sei, eine Investorengruppe  zu gewinnen, die bereit ist, ein erhebliches finanzielles Risiko auf sich zu nehmen. „Wir reden hier über mehrere Millionen, die für Ankauf, Abriss, Entsorgung von Tonnen an Bauschutt und Schadstoffen sowie den Neubau von Wohnungen, Gewerbeeinheiten (Discounter), einer neuen ­Kegelhalle mit acht Bahnen sowie Außen- und Parkflächen aufgebracht werden müssen“, betonte 2020 die Stadtverwaltung.

Der Stadtrat Halberstadt beschloss bereits im vergangenen Jahr, dass die Kreisstadt das Grundstück, auf dem das Klubhaus steht, kauft und das Gebäude abreißen lässt. Doch warum erwirbt die Stadt das Grundstück, um es anschließend an den Investor zu verkaufen? Geld ließe sich mit der hoch verschuldeten Immobilie nicht verdienen, sagte damals Thomas Rimpler. Als die Stadt den Antrag auf Förderung der Abrisskosten gestellt habe, war noch nicht ganz klar, wer auf dem Grundstück bauen wird. Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt gab Ende 2019 grünes Licht für eine großzügige Förderung des Projekts, ohne die eine Umsetzung unmöglich gewesen wäre, so der Fachbereichsleiter Wirtschaft, Tourismus und Kultur.

Der Förderbescheid des Landes umfasst 486 000 Euro aus dem Stadtumbauprogramm für den Abriss des ehemaligen Klubhauses sowie 63 330 Euro aus dem Programm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ für den Grundstückserwerb der Spiegelstraße 21.

Entwurf abgelehnt

Viele Halberstädter bedauerten, dass der Entwurf eines jungen Architekten aus Leipzig zum Bau eines Kulturpavillons nicht zum Tragen kam. Exklusiv hatte Paul Jäger, ein gebürtiger Halberstädter, seinen Plan für die Zukunft des Standortes vorgestellt. Anfang Oktober 2020 präsentierte der Leipziger sein Konzept in einer überaus modernen Architektursprache. Jäger wollte mit seinem Entwurf Kultur und Wirtschaftlichkeit verbinden und damit beweisen, dass man für Halberstadt etwas Besonderes an Stelle des abgerissenen Klubhauses errichten kann.

Das Kulturleben sollte nach seiner Vorstellung im Erdgeschoss des futuristischen Gebäudes ein Zuhause bekommen. Herzstück des Entwurfs war ein Theatersaal im barrierefreien Erdgeschoss. Ateliers und Studios sind um den Saal angeordnet. Moderne Wohnungen für Familien, Künstler, Studierende und Senioren sollten zur Wirtschaftlichkeit des Hauses beitragen. Im Umfeld sollte ein Spielplatz entstehen, ein Schach- und Boule-Bereich für die Älteren sowie einen Mini-Fußball/-Basketballplatz und einen Skaterplatz für die Jugend sowie verschiedene Kunstelemente und Sitzgelegenheiten. Die Stadt sah jedoch keine Möglichkeit für die Umsetzung des Konzepts „Kulturpavillon“.