Kirchlich-soziales Betreuungszentrum wird ins historische Fachwerkhaus einziehen

Gemeindehaus soll doppelt genutzt werden

Von Marita Bullmann

Das evangelische Gemeindehaus in Althaldensleben soll zu einem kirchlich-sozialen Begegnungs- und Betreuungszentrum umgebaut werden. Planerin Sina Stiebler hofft, dass es 2014 losgehen kann.

Althaldensleben l Am Gemeindehaus der evangelischen Luthergemeinde an der Dieskaustraße bestehe akuter Handlungsbedarf, versicherte Architektin Sina Stiebler. Nicht nur der Giebel mache Probleme. In großer Runde berichtete die Planerin vor interessierten Zuhörern von den Vorstellungen über die künftige Nutzung des Gemeindehauses. 1828 bis 1834 sei die Kirche gebaut worden, etwa zeitgleich auch das Pfarrhaus und das Gemeindehaus. Sina Stiebler hat die Sanierung und Renovierung der Simultankirche betreut und danach gemeinsam mit Pfarrer und Kirchengemeinde überlegt, wie es denn mit Gemeindehaus und der dazugehörigen Scheune weitergehe. So entstand die Idee, hier ein kirchlich-soziales Begegnungs- und Betreuungszentrum zu schaffen.

"Wir haben gemeinsam überlegt, was passt zu uns, zur Gemeinde, zu den umliegenden Orten", erzählt Sina Stiebler. Viele wissen aus dem eigenen Leben, wie es ist, wenn Familienangehörige erkranken und zu Hause betreut werden, noch dazu, wenn sie unter Demenz leiden. Da können auch die gesunden Angehörigen schnell die Kraft verlieren. Als Konsequenz bliebe dann nur ein Heim, erläuterte die Architektin. Das aber möchten viele für ihre Angehörigen nicht. Und hier könnte eine Tagesbetreuung helfen, die die pflegenden Angehörigen entlasten würde.

Gespräche mit sozialen Trägern hätten deutlich gemacht, dass hier zukünftig ein wachsender Bedarf bestehe, da immer mehr Menschen ein hohes Lebensalter erreichen und viele Hilfe brauchen. Im Gemeindehaus soll daher ein Begegnungs- und Betreuungszentrum entstehen, das ein kirchlich-sozialer Träger führt. Mit mehreren Trägern werden gegenwärtig Gespräche geführt, bestätigte Pfarrer Jens Schmiedchen.

"Wir hoffen, dass sich bis zum Jahresende entscheidet, welcher Träger das Zentrum übernehmen wird", sagte Sina Stiebler. Dann könnte sie an die Ausführungsplanung gehen. Bisher hat sie einen, wenn auch schon sehr detaillierten Entwurf erarbeitet, in den bereits Hinweise und Überlegungen von sozialen Trägern eingearbeitet sind. Das könnte aber noch entsprechend den Wünschen des späteren Betreibers umgeplant werden.

Eine Bedingung für die vertragliche Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Betreiber ist die Doppelnutzung des Gebäudes. Am Nachmittag und Abend sollen die Räume für Gemeindeveranstaltungen zur Verfügung stehen. Um das zu erreichen, wird auch nur mit kirchlichen Trägern verhandelt.

Für die Tagesbetreuung sollen etwa 20 Plätze zur Verfügung stehen. Und geplant wird so, dass hier im Bedarfsfall auch Kinder nach der regulären Öffnungszeit von Tagesstätten betreut werden können.

Im Haldensleber Stadtrat habe das Vorhaben der Luthergemeinde Zustimmung gefunden, so dass die Hoffnung besteht, Fördermittel aus dem Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren zu erhalten. Auch die Landeskirche steht dem Vorhaben offen gegenüber, so dass die Kirchengemeinde wahrscheinlich nicht damit rechnen muss, einen Riesenkredit aufnehmen zu müssen.

Die Architektin hat sich Gemeindehaus, übrigens ein verklinkerter Fachwerkbau, mit Gemeinderäumen im Erdgeschoss und einer inzwischen leeren Wohnung im Obergeschoss einschließlich Scheune und Garten vorgenommen und hat zunächst die Entkernung geplant. Darauf baut die neue Nutzung auf. Kleine Räume sollen großzügiger werden, wobei das Fachwerk erhalten wird. Vorgesehen sind auch kleine Terrassen und Balkone und ein Aufzug, der mit gläsernem Mantel außen angebaut werden soll.

Der riesige, ruhig gelegene Garten mit seinem Baumbestand soll so gestaltet werden, dass die Menschen hier viel Zeit in der Natur verbringen können. Geplant sind Sitz- beziehungsweise Liegeflächen, ein überdachter Pavillon, ein Kneippbecken und auch ein Beet, das die zu Betreuenden bestellen können. Zum Plan gehören aber ebenso Schaukel, Sandkasten und Rutsche.