Corona

Grünes Licht für mehr Öffnung

Sie sind fertig, die Macher der ePassGo-App. Der Nachweis vollständiger Covid-19-Impfung oder -Genesung ist digital möglich. Der Harzkreis steht in den Startlöchern – denn noch fehlt ein letztes Okay. Trotzdem ist der Harz erneut Vorreiter.

Von Sabine Scholz
Unternehmer Andreas Richter (links) und Landrat Thomas Balcerowski (CDU) präsentieren die Bildschirmansichten, die in der ePassGo-App künftig anzeigen, dass man vollständig gegen Covid-19  geimpft oder genesen ist.
Unternehmer Andreas Richter (links) und Landrat Thomas Balcerowski (CDU) präsentieren die Bildschirmansichten, die in der ePassGo-App künftig anzeigen, dass man vollständig gegen Covid-19 geimpft oder genesen ist. Foto: Sabine Scholz

Halberstadt - „Vollständig Geimpfte oder Genesene werden nicht mitgezählt.“ Dieser Satz findet sich in allen Absätzen, die laut neuester Landesverordnung, die ab heute auch im Landkreis Harz wieder mehr probate Kontakte, Kinobesuch, Sportveranstaltungen und Co. erlauben. Vollständig geimpft oder genesen – wie soll man das nachweisen? Beim dritten „G“, das Eintritt in Innenbereiche von Restaurants, Geschäften und Theatern ermöglicht, ist das inzwischen tausendfach geübter Alltag: getestet.

Vieler Harzer nutzen für den Nachweis einen negativen Schnelltest die Möglichkeiten der ePassGo-App. Doch die seit März im Einsatz befindliche App kann mehr als „nur“ das persönliche Testergebnis anzeigen und so als Türöffner dienen. Inzwischen kann die App auch den Geimpft- und/oder Genesen-Nachweis digital übermitteln.

Gute Erfahrungen im April gesammelt

„Damit sind wir noch vor einem europäischen oder bundesweit gültigem digitalen Impfausweis am Start“, sagte gestern Nachmittag Landrat Thomas Balcerowski (CDU). Damit könne die Einlassgenehmigung unkompliziert überall da erfolgen, wo sie benötigt wird. Vorausgesetzt, der Veranstalter hat die Einlass-App von ePassGo, denn deren Nutzung ist freiwillig. Wobei der Landrat auf die guten Erfahrungen der kurzen Testphase im April verwies, als zahlreiche Harzer Angebote der Außengastronomie nutzten – mit Schnelltestnachweis.

Nun also soll das Smartphone auch das Mitnehmen von Impfausweis und Papierbestätigung einer überstandenen Covid-19-Infektion überflüssig machen. Immerhin betreffe das mit Stand Mittwochmittag 34 539 vollständig geimpfte sowie rund 8 737 genesene Harzer. Wobei letztere Zahl wöchentlich variiert. Schließlich gilt man bislang nach einer nachgewiesenen Infektion nur sechs Monate lang als immun.

Wobei laut Bundesverordnung der Stichtag der erste Positivtest auf das neue Corona-Virus ist. Dazu kommen 28 Tage Karenzzeit, sodass eigentlich nur eine Fünf-Monatsfrist übrigbleibt, erklärte Andreas Richter.

Warten auf Nachricht aus den USA

Der Halberstädter Unternehmer hatte bereits im November die komplette Bandbreite der App ausgearbeitet – also sowohl die Kontakterfassung wie bei der allseits bekannten Luca-App, also auch den Testnachweis und nun eben den für Impfung und Genesung.

Um diesen letzten Schritt scharf zu schalten, warte er aktuell auf Nachricht aus den USA. Die beiden Internetriesen Google und Apple müssen ihr Okay geben, bevor sich auch diese neue App-Erweiterung in ihren Appstores herunterladen lassen. Dann können Ärzte und Impfzentren die Nachweise direkt vor Ort in die App des Bürgers einspielen. „Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass dieses Reviews einige Zeit in Anspruch nehmen können. Bei Google kann das schon mal mehrere Wochen dauern, Apple ist da etwas schneller“, berichtete Andreas Richter. Er rechne damit, dass Montag oder Dienstag die Freigabe von Apple vorliegt, bei Google hoffe er auf Donnerstag.

Nicht alle Rathäuser machen mit

Vorbereitet sein sollten dann nicht nur die Mitarbeiter des Harzer Impfzentrums, sondern auch die Stadt- und Gemeindeverwaltungen in Harzgerode, Thale, Ilsenburg, Quedlinburg, Oberharz, Huy, Blankenburg, Falkenstein, Ballenstedt, Halberstadt und Wernigerode. „Nur Osterwieck und Nordharz machen nicht mit“, informierte Landrat Balcerowski von einer Beratungsrunde mit den Bürgermeistern.

In den genannten Verwaltungen können sich die Einwohner des Kreises ihre Impf- oder Genesenen-Nachweise in die App übertragen lassen. Dafür muss auch der Personalausweis mitgebracht werden, denn die Ausweisnummer ist im persönlichen QR-Code des Handybesitzers hinterlegt, um Missbrauch auszuschließen, so Richter. „Wir legen zudem großen Wert auf den Schutz der persönlichen Daten, die Passnummer kann zum Beispiel kein Fremder auslesen.“

„Die einzelnen Kommunen werden über die Art und Weise, wie sie diesen Service für ihre Bürger organisieren wollen, genauer informieren“, sagte Balcerowski.

„Noch wissen wir auch nicht, wie groß die Nachfrage seitens der Bürger sein wird.“ Das gelte nicht nur für die Stadtverwaltungen, sondern ebenso für das Kreis-Impfzentrum, in dem dann – sobald es möglich ist – nach dem zweiten Piks diese Information auf Wunsch digital erfasst wird.

Wobei der Nutzer dann erstmal ein gelbes Hinweisfenster vorfinden wird, denn erst 14 Tage nach der letzten Impfung (oder der einzigen, je nachdem, welche Vakzine gespritzt wurden), gilt man als vollständig geimpft. Das berechnet die App aber automatisch mit und schaltet dann zum richtigen Zeitpunkt auf Grün. Was den Besuch vieler Veranstaltungen erleichtern dürfte.Seite 13