Verbot von Klassenfahrten gestrichen

Gymnasiasten kämpfen erfolgreich für Kanulager

Das Bildungsministerium korrigiert die Richtlinien für Klassenreisen. Osterwiecker Schüler sind voller Vorfreude auf ihre Bildungsfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern.

Von Vera Heinrich
Grünes Licht für die Klassenfahrt: Der Flieger als Wahrzeichen des Fallstein-Gymnasiums darf endlich wieder abheben.
Grünes Licht für die Klassenfahrt: Der Flieger als Wahrzeichen des Fallstein-Gymnasiums darf endlich wieder abheben. Foto: Birgit Mundt

Osterwieck - Allen Grund zur Hoffnung haben die Schüler des Fallstein-Gymnasiums Osterwieck. Das Verbot von Klassenfahrten mit Übernachtung ist gekippt. „Da war die Freude bei den Schülern sofort groß“, teilt Sebastian Knobbe mit. Der Lehrer ist für die Organisation des Outdoor-Kanulagers in Mecklenburg-Vorpommern zuständig, für dessen Ausrichtung sich die Schülervertretung des Gymnasiums seit Anfang Mai einsetzt.

Seitdem am Donnerstag der Schulleiterbrief des Bildungsministeriums eingetroffen ist, der mehrtägige Fahrten unter Beachtung aller gesetzlichen Bestimmungen und Hygienevorschriften gestattet, stecken die Osterwiecker in den Reisevorbereitungen.

„Dabei haben viele Schüler nicht mehr damit gerechnet, dass es klappt“, erzählt Sebastian Knobbe. Das ist kaum verwunderlich angesichts des langen Atems, den die Schülervertretung im Kampf um ihre Klassenfahrt an den Tag legen musste.

Startschuss für die Reisevorbereitungen

Schülersprecher Jakob Proft hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach an das Bildungsministerium Sachsen-Anhalt gewendet. „Ich habe kritisiert, dass unabhängig von einer möglichen Entwicklung des Infektionsgeschehens grundsätzlich alle Klassenfahrten frühzeitig für das ganze Schuljahr abgesagt wurden.“

Dass er auf diese Bedenken von offizieller Stelle lange keine Reaktion bekommen hat, habe ihn sehr ernüchtert, sagt der Elftklässler. „Als Vertreter der Schülerschaft des Fallstein-Gymnasiums Osterwieck habe ich zunehmend das Gefühl gehabt, dass die Stimme der Schüler im Bildungsministerium nicht oder zumindest nicht angemessen wahrgenommen wird. Und das, da will ich ganz ehrlich sein, enttäuscht mich sehr.“

Kurz nach der Berichterstattung in der Volksstimme (die Volksstimme berichtete am 26. Mai) hat Jakob Proft tatsächlich die lang ersehnte Antwort vom Sprecher des Bildungsministeriums erhalten. Allerdings erst, nachdem der Schauener ein drittes Mal aktiv bei der Pressestelle nachgefragt habe.

Langer Atem hat sich gelohnt

Pressesprecher Stefan Thurmann hat den Schüler darin weiter um Geduld gebeten. So heißt es: „Bei allem Verständnis für Ihre Situation, die Sie anschaulich beschreiben und für die durchaus Sympathie empfunden wird, bitten wir jedoch noch um Geduld. Geduld, die benötigt wird, um die Erfolge der vergangenen Tage nicht voreilig zu verspielen.“

Das hatte sich Schülersprecher Proft anders vorgestellt: „Insbesondere die aktuelle Entwicklung der Inzidenzzahlen sowie die nach den Pfingstferien gestattete Rückkehr in den Regelbetrieb bestärken unsere Ansicht darin, dass man das geltende Verbot überdenken und letztlich auch der aktuellen Lage anpassen sollte. Dies war ja auch der Tenor der Antwort von Pressesprecherin Josefine Hanning gegenüber der Volksstimme.“ Er habe die Hoffnung gehabt, dass diese Aussagen nun auch Anwendung finden.

Sein Lehrer Sebastian Knobbe hat im Laufe der Korrespondenz feststellen müssen: „Infolge der Antwort des Bildungsministeriums vom 27. Mai hat sich in der Schülervertretung des Gymnasiums eine gewisse Resignation und Enttäuschung eingestellt, was ich sehr bedauere.“ Kurzerhand hat sich das Mitglied der Schulleitung des Fallstein-Gymnasiums selbst eingeschaltet und Stefan Thurmann geschrieben. „Abgesehen davon benötigen wir natürlich auch deshalb eine klare und kurzfristige Antwort, weil Schulfahrten natürlich durchgeplant werden müssen, was nicht innerhalb weniger Tage passieren kann. In unserem konkreten Fall brauchen das Busunternehmen, der Betreiber des Jugendcampingplatzes, die Schulleitung und natürlich auch die Schüler verbindliche Aussagen.“

Von Anfang an Unterstützung der Schulleitung

Tatsächlich hat Knobbe die gewünschten Aussagen erhalten: Das Untersagen von Klassenfahrten stand Anfang Juni auf dem Prüfstand. Sprecher Thurmann hat zunächst erneut um Geduld gebeten, um der Beschlussfassung nicht vorwegzugreifen, und angekündigt: „Sollte sich an den Regelungen für Klassenfahrten etwas Grundlegendes ändern, komme ich gern auf Sie und vor allem Herrn Proft zu.“ Zwei Tage später folgte im angekündigten Schulleiterbrief schließlich die erhoffte Streichung des generellen Verbots von Schulfahrten bis zum Ende des Schuljahres. Allerdings mit Einschränkungen, die noch genau benannt werden sollen, wie es heißt: „Die Möglichkeit, bereits gebuchte Klassen- und Schulfahrten durchzuführen, hängt aber auch von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab. Hierzu ist ein gesonderter Erlass in Vorbereitung. Ich bitte Sie, diesen Erlass abzuwarten. Dieser wird in der kommenden Woche übermittelt.“

Angesichts des immer näher rückenden Reisetermins des geplanten Kanulagers am 28. Juni läuft den Osterwieckern die Zeit davon. „Ich habe den Eindruck, da wurde auf Zeit gespielt“, gibt Sebastian Knobbe zu, der mehr als eine Woche auf die Mitteilung der erforderlichen Rahmenbedingungen warten musste.

Letzte Chance auf Klassenfahrt für Elftklässler

„Jetzt geht es endlich los!“, jubeln Lehrer und Schüler nun über den jüngsten Schulleiterbrief vom Donnerstag, der die Regelungen für Schulfahrten verkündet. Ministeriumssprecher Thurmann hat die guten Neuigkeiten zusätzlich direkt an Schülervertreter Jakob Proft gesendet.

Auch die Schulleitung begrüße diese Entscheidung und habe das Vorhaben ihrer Schülervertretung von Anfang an unterstützt, sagt Sebastian Knobbe. „Es geht bei der Bildungsfahrt auch um die sozialen Prozesse“, erklärt er. Diese seien in den letzten Monaten durch die Pandemie zu kurz gekommen.

„Natürlich können uns wieder steigende Infektionszahlen noch einen Strich durch die Rechnung machen“, so der Pädagoge. Trotzdem seien sowohl Lehrer als auch Schüler optimistisch. Für Schülervertreter Jakob Proft und den elften Jahrgang ist es schließlich die letzte Gelegenheit, eine Klassenfahrt zu erleben.