Halberstadt l Auf Altlasten des ehemaligen DDR-Monopolisten VEB Minol ist man im Zuge der grundhaften Sanierung der Quedlinburger Straße im Bereich des Bahnübergangs gestoßen, informiert Dirk Sauer­hering vom Regional­bereich West der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt. Im Bereich einer vor Jahrzehnten geschlossenen Minol-Tank­stelle ist großflächig Erdreich mit Benzin- und Dieselkraftstoff kontaminiert.

„Der verseuchte Boden muss komplett ausgetauscht und entsorgt werden. Ein Grund dafür, dass die Quedlinburger Straße ab dem 4. Juli für etwa sechs Wochen voll gesperrt wird“, so Dirk Sauer­hering. Betroffen sei der Bereich vom Bahnübergang aus etwa 150 Meter stadtauswärts. Wie viele Liter Kraftstoff im Boden einst versickert sind, könne man mittlerweile nicht mehr feststellen.

Benzin- und Dieselgeruch

Bei den derzeit laufenden Bauarbeiten zur Erneuerung der Bundes­straße 79 ist bei den Erdarbeiten ein scharfer Benzin- und Dieselgestank aufgefallen. „Die Dämpfe sind extrem“, bestätigt Thomas Valentin, Geschäftsführer der Abwassergesellschaft Halberstadt, die am Ausbau der Straße beteiligt ist. Daraufhin sei der Boden untersucht worden und die Entscheidung gefallen, dass dringend Handlungsbedarf besteht. Sowohl Sauerhering als auch Valentin betonen, dass für die Bewohner und Geschäftsleute im direkten Umfeld der Baustelle keine Gefahr bestünde.

Die Mitarbeiter der mit dem Boden-Austausch beauftragten Firma stellen die bevorstehenden Arbeiten hingegen vor ganz besondere Herausforderungen. Sie müssen aufgrund des direkten Kontakts mit den gefährlichen Kraftstoff-Dämpfe unter Schutzanzügen und Atemschutz arbeiten. Der eingesetzte Bagger ist abgekapselt und ebenfalls extra mit einer Belüftung ausgerüstet, so Dirk Sauerhering.

Keine Abschaltautomatik

Die im Erdreich versenkten Kraftstofftanks besaßen zu DDR-Zeiten im Füllstutzen keine Abschaltautomatik. Bedeutet, beim Befüllen der Tanks lief der Kraftstoff so lange, bis er aus dem Stutzen quoll, erklärt Dirk Sauerhering. Vermutlich deshalb flossen über Jahrzehnte wahrscheinlich Hunderte oder Tausende Liter Benzin und Diesel ins Erdreich. Für diesen rücksichtslosen Umgang mit der Umwelt zahle man jetzt, fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, die Rechnung. Etwa 120.000 Euro müssen die am Ausbau der Quedlinburger Straße beteiligten Partner (Landesstraßenbaubehörde, Halberstadtwerke, Abwassergesellschaft und Stadt Halberstadt) dafür berappen.

„Minol können wir leider nicht mehr zur Kasse bitten. Das Unternehmen gibt es nicht mehr“, bedauert Dirk Sauerhering. Und den heutigen Besitzer der Immobilie könne man nicht für die Sünden eines anderen bestrafen. Die Tanks der ehemaligen Minol-Tankstelle seien bereits in den 1990er ­Jahren entfernt worden. Für die komplette Sanierung der Straße sind 2,5 Millionen Euro Baukosten geplant.