Halberstadt l Mit großer Spannung warteten die Besucher am Samstagabend auf dem Domplatz, dass der Posaunenchor das Zeichen gab. Kurz vor 18 Uhr wurde das Lied angestimmt, auf das alle gewartet hatten: „Kling Glöckchen, klingelingeling“. Dann begannen die Wartenden, ihre mitgebrachten Rasseln und Glocken zu schwingen, um das große Domgeläut aufzuwecken, auf dass dieses den Advent einläutet.

Zahlreiche Höfe öffnen Tore

Zum mittlerweile neunten Mal begingen die Halberstädter und Besucher der Domstadt so den Vorabend des ersten Advents. Rund um den Domplatz hatten in der Altstadt verschiedene Einrichtungen, Gaststätten sowie Firmen und Privatleute ihre Höfe für Besucher geöffnet. Mit Musik, Speisen und Getränken wurden die Gäste in weihnachtliche Stimmung versetzt. Ein großer Renner war in diesem Jahr Schmalzbrot – wahlweise mit oder ohne saure Gurke.

Im Burchardikloster standen wieder die Kinder im Mittelpunkt. Für die Kleinen waren verschiedene Bastelmöglichkeiten und Materialien vorbereitet worden und lockten zum Mitmachen. Für die musikalische Unterhaltung sorgten am Nachmittag die Klosterspatzen.

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Ein Hof, auf dem die Kleinsten Advent feiern

Der Kinderchor wurde erst in diesem Jahr gegründet, aber die kleinen Sänger begeisterten das Publikum, als ob sie schon ewig dabei und längst Profis sind. Angelika Arndt, Leiterin des Jugendfreizeitzentrums Rolle, beschrieb das Angebot so: „Wir möchten einen Hof speziell für die Bedürfnisse der Kinder haben, damit auch die Kleinen den Advent feiern können.“

Im Hof der Klaussynagoge hatten es sich Brigitte Detlefsen, Alice Braun und Gisela Gertler aus Wolfsburg vor der Feuerschale mit Glühwein gemütlich gemacht. „Irgendwie muss man ja gegen die Kälte ankämpfen“, sagte Brigitte Detlefsen und ergänzte: „Der Glühwein hier schmeckt besser als sonst – der wurde, glaube ich, bestimmt selbst gemacht.“

Begeisterte Gäste aus der Partnerstadt

Die drei Besucherinnen waren mit einem vom internationalen Freundeskreis organisierten Bus aus der Partnerstadt angereist. Und waren in diesem Jahr bereits zum vierten Mal in der Domstadt. „Es gefällt uns hier sehr, Halberstadt ist wirklich sehr schön“, sagte Alice Braun. Leider war die Heimreise schon für 18 Uhr geplant, sodass sie das Domläuten nicht miterleben konnten. Aber – für das nächste Jahr planen die drei Frauen, privat nach Halberstadt zu kommen, damit sie auch den Höhepunkt des ersten Adventswochenendes miterleben können.

Einzige Kathedrale mit einer Pipeband

Neben dem Einläuten des Advents ist für viele Halberstädter auch der Gang in den Dom mit dem Auftakt zum Advent untrennbar verbunden. Diesmal wurde der Strom der Menschen nicht nur von einem Dudelsackspieler allein angeführt, sondern gleich von mehreren. „Wir sind die einzige Kathedrale Deutschlands, die eine Pipeband hat“, sagte der Gemeindepädagoge nach dem erfolgreichen Begrüßungsauftritt der Dudelsackspieler aus der Gemeinde, die sich vor der Kurrende, dem Kinderchor des Doms, postiert hatten. Die Kinder sangen und trugen Gedichte vor, die viele der Zuhörer später ein bisschen nachdenklicher zurück in den bunten Trubel der Weihnachtshöfe entließen.

Die diesjährige Vorweihnachtszeit steht auch in Halberstadt im Zeichen von Müllvermeidung und Umweltschutz. So haben sich viele Besucher bereits die Weihnachtshöfe-Tasse gekauft. Aus dieser Keramiktasse, so der Gedanke, sollen die Besucher ihre Heißgetränke auf dem Weihnachtsmarkt genießen und sie anschließend mit nach Hause nehmen, dort spülen und zum nächsten Besuch wieder mitbringen.

Joachim Körner am Stand der Liebfrauengemeinde berichtete bereits am Sonnabendnachmittag: „Wir hatten etwa 20 Stück, jetzt sind nur noch acht da, also bei uns waren die Tassen ganz gut gefragt.“