Halberstadt l „Sie werden heute oft hören, dass das gerade Vorgestellte das Beste oder Besonderste seiner Art ist. Wir sagen das auch, wollen diese subjektive Begeisterung aber etwas objektivieren“, sagte gestern Mittag Claus-Erhard Heinrich. Der Domkantor hatte sich mit Carmen Presch vom Förderkreis Musik am Dom die Aufgabe geteilt, dem Kulturstaatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) das ehrgeizige Projekt „Durch die Orgel Licht“ vorzustellen.

Wiege der abendländischen Musik

Wie Heinrich erläuterte, komme kein Musikstudent oder Orgelbauer an Halberstadt vorbei. Denn die 1361 errichtete Dom­orgel zu Halberstadt war nicht nur eine der, wenn nicht gar die größte Orgel ihrer Zeit. „So weit die Forschungen bislang ergaben, war es die erste, die man registrieren konnte. Und wegen ihrer Tastatur meinen einige Wissenschaftler gar, hier in Halberstadt liegt die Wiege der abendländischen Musik.“ Denn ihre Klaviatur ist erstmals zwölftönig aufgeteilt. So, wie es in Europa seither üblich ist.

Diese Orgel steht nicht mehr. Dass sie nicht in Vergessenheit geriet, ist Michael Praetorius zu verdanken, der das Instrument im 16. Jahrhundert beschrieb. Das heute im Dom stehende Instrument ist in der Ansicht ein barockes Meisterwerk, im eigentlichen Aufbau aber problematisch, denn nach dem Krieg wurde das Instrument durch ein neues ersetzt. „Und die 1960er Jahre waren nicht gerade ein goldenes Zeitalter für den Orgelbau“, sagte Heinrich. Das waren eher Barock und Romantik, als wunderbar weichklingende Instrumente gebaut wurden und die Orgeln zudem eine wesentliche Rolle im Musikschaffen spielten.

Das barocke Schnitzwerk der Domorgel, zehn Meter breit und 18 Meter hoch, bedarf einer Sanierung, das Instrument, Blasebalg und Antrieb ebenfalls. Er solle nicht so klein denken, habe ihm ein renommierte Orgelbauer gesagt, als eine Ausschreibung in Umlauf kam, die kleinere Ergänzungen des Vorhandenen zum Ziel hatten.

Modell veranschaulicht Raumwirkung

Heinrich folgte dem Ratschlag. Seit gut zehn Jahren bemüht sich der Förderkreis Musik am Dom um eine umfassende Sanierung des Instrumentes. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Orgel einst 60 Zentimeter tiefer und 60 Zentimeter weiter nach hinten gerückt auf einer hölzernen Empore vor dem Westwerk stand. Und das ein Tunnel Licht vom großen Rundfenster in das Kirchenschiff ließ. „Diese Bauweise mit dem Tunnel hatte das Domkapitel 1712 beschlossen“, erläuterte Carmen Presch. Um den gravierenden Unterschied zu verdeutlichen, erklärte sie anhand eines großen Modells, wie sich die Raumwirkung im Dom verändern würde, bekäme die Orgel die Bauform von 1718, da war das Barockinstrument fertiggestellt worden, zurück.

Mit dem Projekt verbunden ist die Wiederherstellung der Architektur des Westbaus. Die obere Turmhalle könnte dann der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Wie schön der jetzt vom Orgelgehäuse verdeckte Raum ist, sahen die Gäste bei einer sich an den Vortrag anschließenden Orgelführung. Zu den Gästen zählten neben dem Staatssekretär die Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer (CDU), die zu der Harzrundreise eingeladen hatte, Landtagsmitglied Daniel Szarata (CDU) und Christian Philipsen, Direktor der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt. Die Stiftung ist die Eigentümerin des Domes.