Halberstadt l Corona geht auch an dem Halberstädter Tiergarten nicht spurlos vorüber: Von der Regierung angeordnete Zwangsschließung im Frühjahr. Schon zur Tradition gewordene Veranstaltungen müssen und mussten ausfallen, darunter die „Geisterstunde“ zu Halloween. Auch das groß geplante Jubiläum – die Anlage besteht seit nunmehr 60 Jahren – konnte nicht stattfinden. Harte Einschnitte. Und dennoch haben Tiergarten-Chef David Neubert und sein Team einen Grund für Optimismus: das Besucherinteresse.

Mehr Besucher trotz Zwangspause

„Das ist ungebrochen“, berichtet Neubert zufrieden. Zwar unterlägen die Gästezahlen witterungsbedingten und jahreszeitlichen Schwankungen, insgesamt aber fielen sie höher aus als in den Vorjahren. Allein von Januar bis Juli seien 2000 bis 3000 Besucher mehr gezählt worden als im selben Zeitraum 2019 – trotz fünfwöchiger, pandemiebedingter Schließung.

Dass das so ist, führt David Neubert nur zum Teil auf Reisebeschränkungen zurück und darauf, dass die meisten anderen Freizeiteinrichtungen seit Anfang des Monats erneut vom Teil-Lockdown betroffen sind. „Die Leute merken, dass hier viel Neues passiert“, sagt der Tiergarten-Chef. So gebe es auch für Stamm-Gäste immer wieder etwas zu entdecken.

Bilder

Das jüngste Beispiel ist zu Füßen der großen Röhren-Rutsche zu finden. Mit seinem satten Grün und den golden schimmernden Elementen ist er kaum zu übersehen – der Froschkönig, der auf dem Brunnen thront. Mittlerweile. Vor wenigen Monaten sei die Figur alles andere als majestätisch gewesen, fasst Bernd Bayer deren Zustand zusammen. „Grau, alt, der Brunnen voller Müll, die Krone fehlte.“

Drei Monate Schönheitskur für Froschköni

Bayer ist Anleiter bei der AFU (Ausbildung-Fortbildung-Umschulung), einer privaten Bildungsinstitut GmbH. Vor „vielen, vielen Jahren“, sagt er, sei der Brunnen samt Frosch in den AFU-Werkstätten gefertigt worden. Und nicht nur der. „Viele der schönen Holzarbeiten im Tiergarten stammen von dort“, sagt David Neubert. Da allerdings der Zahn an den Figuren nagte, seien nach und nach Reparaturarbeiten notwendig.

Drei Monate lang waren sechs AFU-Projektteilnehmer für die Schönheitskur an dem Brunnen im Einsatz: Ausbessern, ersetzen, frischer Anstrich, berichtet Klaus Bayer. Wie er informiert, stammen die meisten der Mitarbeiter aus artfremden Berufen und haben zuvor nicht mit Holz gearbeitet. „Erbaulich, dass dann trotzdem so etwas dabei herauskommt“, sagt der Anleiter stolz. Auch dafür, dass der Brunnen nicht wieder zum Mülleimer verkommt, wurde eine Lösung gefunden: ein dekorativer Deckel.

Mit der Fertigstellung des Froschkönigs ist die märchenhafte Arbeit des Teams noch nicht getan. Sie kümmern sich nun um den Märchenpavillon am Eingang der großen Rutsche, berichtet David Neubert. Zudem fertigen die Mitglieder Aufsteller für zehn große Umweltbildungsschilder, die der Lions-Club Halberstadt kürzlich spendiert hat. Auf den Tafeln wird unter anderem über heimische Pflanzen oder auch Fledermäuse informiert.