Osterwieck (mhe) l In Sachen Temporeduzierung an der Osterwiecker „Krankenhauskreuzung“ ist offenbar das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Stadtratsausschuss für Ordnung, Sicherheit und Umwelt war kürzlich im Ergebnis einer Verkehrsschau informiert worden, der Landkreis wolle Tempo 50 in dem Kreuzungsbereich an der Ilse-Brücke beibehalten. Doch das Thema scheint komplexer.

Auf Volksstimme-Anfrage hatte zunächst Landkreis-Sprecher Manuel Slawig erklärt: „Die jüngste Verkehrsschau wurde durch die örtliche Straßenverkehrsbehörde der Stadt Osterwieck auf kommunalen Straßen vorgenommen. Daher war ein Vertreter der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises nicht anwesend und konnte dementsprechend auch eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h nicht ablehnen. Ein Antrag auf eine Geschwindigkeitsbeschränkung liegt uns nicht vor.“

Anja Aßmann, die Leiterin des städtischen Teams Ordnung, berichtete daraufhin, dass der Vertreter des Polizeireviers bei der Verkehrsschau bestätigt habe, dass solch ein Antrag zu einem früheren Zeitpunkt nicht genehmigt worden sei.

Aßmann habe deshalb eine Beratung im Ortschaftsrat vorschlagen, und im Anschluss solle ein Antrag beim Landkreis Harz gestellt werden.

Auch der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, Detlef Schönfeld, ist unmissverständlich für die Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 in dem Bereich.

Die größte Gefahr besteht hier für Fahrzeuge aus der Neukirchenstraße, die den auf der Hauptstraße von rechts herannahenden Verkehr ausschließlich über zwei Verkehrsspiegel beobachten können.

Bis 2009 bestand hier eine Temporeduzierung. Diese hatte der Landkreis damals aufgehoben, nachdem der Überweg um einige Meter verlegt worden war. Diese ehemalige Geschwindigkeitsbegrenzung sei ausschließlich dem Umstand geschuldet gewesen, dass der Fahrbahnbelag am alten Fußgängerüberweg aus wenig griffigem Pflastermaterial bestand und der Überweg aus einer Richtung durch die Kurvenlage schwieriger erkennbar war. Diese Umstände hätten sich mit der Verlagerung des Überweges geändert, hatte der Landkreis im Jahr 2010 seinen Standpunkt formuliert.

Die Unübersichtlichkeit aus der Neukirchenstraße war damals indes nicht berücksichtigt worden. Doch auf die damit verbundenen Gefahren hatten damals wie heute in Osterwieck tätige Polizeibeamte hingewiesen. Wenn jemand mit Tempo 50 von rechts kommt, habe man schlechte Karten. Das sei ein kleines Lotteriespiel, hieß es 2010.

Nach dem 2015 fertiggestellten Neubau der Ilse-Brücke in diesem Bereich hatte es von Seiten der Stadt einen neuerlichen Anlauf zur Temporeduzierung gegeben. Ohne Erfolg, statt des einen Verkehrsspiegels wurde lediglich ein zweiter installiert – der spätestens bei Frost aber auch keine Hilfestellung bietet.