Wegeleben/Harsleben l Die Wasserstände der verschiedenen Flüsse, die durch den Vorharz fließen, wie die Selke, die Holtemme, die Bode oder der Goldbach, werden zurzeit permanent kontrolliert, sagt Tino Schmidt, Leiter für Finanzen und Ordnung der Verbandsgemeinde.

In der vergangenen Woche sei der Wasserspiegel der Selke bei Hausneindorf so stark angestiegen, dass Alarmstufe eins ausgerufen wurde, berichtet Schmidt. Insgesamt gibt es vier. Auf über 160 Zentimeter war der Wasserstand der Selke am 10. Februar geklettert und hatte damit den kritischen Punkt der ersten Alarmstufe überschritten.

Und das obwohl zu dieser Zeit noch gar kein Tauwetter eingesetzt hatte, betont Schmidt. Der Grund war ein anderer. Eisschollen hatten sich im Fluss angesammelt und dermaßen verkantet, dass sie ein Hindernis im Wasser bildeten. Somit konnte es nicht weiterfließen und staute sich an einer Stelle, berichtet er.

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Dieser Eisstau, wie das Phänomen genannt wird, führt außerdem dazu, dass immer mehr Eisschollen an dem Hindernis hängen bleiben. Das hat zur Folge, dass sich das Wasser weiter staut und über das Ufer treten könnte. Davon war die Selke jedoch noch weit entfernt, berichtet Schmidt. Der Stau konnte aufgelöst werden und der Wasserpegel sank auf ungefähr 130 Zentimeter. In den vergangenen Tagen habe er jedoch beobachten können, dass der Wasserstand wieder langsam steige. Im Moment liegt er bei 147 Zentimetern. Der Grund hierfür sei das eingesetzte Tauwetter.

Die tagesaktuellen Wasserpegel schaut sich Schmidt mehrmals täglich auf der Internetseite https://hochwasservorhersage.sachsen-anhalt.de/messwerte/wasserstand an, erklärt er.

Auch stehe er im engen Kontakt mit den Mitarbeitern des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Diese hätten ihm bestätigt, dass im Moment keine Gefahr von den Flüssen für die Verbandsgemeinde ausgehe. Die Pegel müssten jedoch permanent überprüft werden.

Beim Goldbach jedoch könne man sich auf der Internetseite zwar den Wasserstand angucken, den der Fluss in Blankenburg am Pfeifenkrug hat, jedoch fehle hier die Einteilung in die vier Alarmstufen. Der Goldbach sei erst in den vergangenen Jahren als gefährliches Gewässer in den Mittelpunkt geraten, erklärt Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit der Stadtverwaltung Halberstadt. Zwar gebe es beim Goldbach keine Einteilung der Wasserstände in Alarmstufen, dennoch hätten die Mitarbeiter den Pegel im Blick.

Er habe, so Dittmer, mit den Kollegen der Verbandsgemeinde gesprochen. Sollte der Pegel des Goldbachs ansteigen, würde sich dies in Langenstein, wo der Fluss ebenfalls entlang fließt, zuerst zeigen. Dann würden die Kollegen in Halberstadt und die Mitarbeiter im Vorharz sofort informieren. Bisher sehe der Wasserstand jedoch unkritisch aus, so Dittmer. Und auch der Pegel der Bode, ein ebenfalls nicht ungefährliches Gewässer, bewege sich im Normalbereich.

In Harsleben sind die Erinnerungen jedoch an die Situation vom Jahr 2017, als der Goldbach nach tagelangem Dauerregen über die Ufer trat und große Schäden anrichtete, noch sehr wach. Bürgermeisterin Christel Bischoff (parteilos) kontrolliert seit Tagen aufmerksam den Wasserstand.„Die Gemeinde, der Bauhof, die freiwillige Feuerwehr, die Verbandsgemeinde und die neugegründete Wasserwehr sorgen sich sehr um die kritische Situation, die mit dem Tauwetter einhergeht“, berichtet sie.

Die Verfügbarkeit der Sandsäcke und des Sandbestandes wurde bereits geprüft. 12.000 Sandsäcke liegen in den einzelnen Bauhöfen in den Mitgliedsgemeinden bereit, berichtet Tino Schmidt von der Verbandsgemeinde. „10.000 Sandsäcke haben wir noch zusätzlich bestellt“, betont er. Falls die Flüsse aufgrund des eingesetzten Tauwetters über die Ufer treten, wolle die Gemeinde vorbereitet sein. Jedoch, gibt er zu Bedenken, wenn ein Jahrhunderthochwasser käme, sei man dafür wahrscheinlich nie genügend gewappnet. Die Kies- und Fuhrbetriebe in der Region seien kontaktiert, falls zusätzlicher Sand notwendig sei, damit dieser schnell an die kritische Stelle gebracht werden könne, so Schmidt.

Auch er kontrolliere regelmäßig den Pegel des Goldbachs im Internet. Am 16. Februar sei dieser auf 74 Zentimeter angestiegen. Und noch am selben Tag plötzlich auf 23 Zentimeter heruntergefallen. Das habe, so Schmidt, nach Informationen vom LHW wie bei der Selke, mit einem Stau von Eisschollen zu tun, die ein Hindernis im Wasser bildeten.

Bürgermeister sollen erreichbar sein

Schmidt sagt, er habe alle Bürgermeister der Verbandsgemeinde sowie die Mitarbeiter der Bauhöfe darüber informiert, dass diese täglich die Flüsse überprüfen sollen, ob sich Gegenstände, Äste, Treibgut oder Eis irgendwo stauen. Auch sollten die Bürgermeister in der nächsten Zeit permanent erreichbar sein, falls es zu einem Einsatz kommen sollte, so Schmidt.

Harslebens Bürgermeisterin Christel Bischoff betont: „Die Arbeit der Bürgerinitiative durch Nachhaltigkeit und ständiges Drängen sorgt dafür, dass das Schicksal von 2017 nicht vergessen und ständig ein verbesserter Hochwasserschutz gefordert wird.“

Jedem Goldbach-Anlieger empfiehlt die Bürgermeisterin eindringlich, sich mit Sandsäcken zu bevorraten. „Ich will keine Angst machen, aber Vorbeugen ist auf Grund der ansteigenden Temperaturen angesagt“, so Bischoff.

Im Juli 2017 verursachte das Tief „Alfred“ durch extrem ergiebigen Dauerregen im südlichen Niedersachsen und im nördlich des Brockens gelegenen Teil des Harzes in Sachsen-Anhalt ein Hochwasser. Besonders die Fließgewässer Ilse, Holtemme, Silstedter Bach, Suenbach und Goldbach waren betroffen. Dadurch kam es zu Schäden, unter anderem in Langenstein, Halberstadt und Harsleben.

Am 13. Juni 2018 richtete daher der Umwelt- und Energieausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt eine öffentliche Ausschusssitzung in Harsleben aus, um sich vor Ort über den Stand und die Planungen des Hochwasserschutzes zu informieren. Dabei wurde darüber informiert, dass der Goldbach im Rahmen der Aktualisierung der Bewertung des Hochwasserrisikos als neues Risikogewässer im Sinne der Richtlinie eingestuft wurde.

Der Landkreis Harz hat die Gründung einer „Gewässer-Allianz Goldbach“ initiiert. Auch die „Bürgerinitiative Hochwasser Harsleben“ bleibt am Thema dran.