Halberstadt l Als überdachter Reitplatz 1890 erbaut, soll die zu DDR-Zeiten als Sportstätte genutzte Harzturnhalle nun wieder ein Ort für Reiter werden. Kinder und Jugendliche sollen hier, sozialpädagogisch betreut, nicht nur Reittherapien nutzen, sondern auch das Kavalleriereiten lernen. So zumindest sehen es die Pläne des Westerhausener Landwirtes vor, der in Halberstadt ein Zentrum der Kavallerie-Reitkunst errichten will.

Tradition am Leben erhalten

Der Trägerverein wolle die 1000-jährige Tradition des Gebrauchs- und Kavalleriereitens am Leben erhalten, so das Ansinnen. Seit 2019 bereitet die Stadt die dafür erforderlichen Schritte vor. So wurde erst im September dieses Jahres der Flächennutzungsplan für das Areal rund um die Harzturnhalle geändert. Das unter den Namen Harzhof erarbeitete Projekt großflächigen Einzelhandels soll demnach um die Hälfte kleiner ausfallen. Auf der anderen Hälfte des Areals ist laut Flächennutzungsplan nun Pferdehaltung möglich.

Halle, Garagen und einige kleinere Nachbargrundstücke sollen an den Verein verpachtet werden, ein zu erstellender Bebauungsplan alle Fragen des Immissionschutzes regeln – um Lärm und Geruchsbelästigung für die umliegenden Wohngebiete zu minimieren.

Als Eigentümerin in der Pflicht

Warum will die Stadt, noch bevor der Investor loslegt, Geld in die Harzturnhalle stecken? Weil sie als Eigentümerin des denkmalgeschützten Objektes in der Pflicht steht, das Denkmal vor dem kompletten Verfall zu bewahren, erklärte Fachbereichsleiter Jens Klaus.

Vor fünf Jahren beispielsweise waren Teile der Dachrinnen und der Dacheindeckung repariert worden. Nun sollen Arbeiten am Südwestgiebel das Fachwerkbaus und eine teilweise Erneuerung der Dacheindeckung erfolgen.

Kein Eigenkapital notwendig

Exakt 137.310,07 Euro stehen dafür zur Verfügung, wie Klaus informierte. Dieses Geld sind Fördermittel aus dem Stadtumbau-Programm und nur für die Sicherung dieses ortsbildprägenden Gebäudes an der Stadteinfahrt zu verwenden. „Da das Geld projektbezogen einzusetzen ist, müssen wir als Stadt keinen Eigenanteil beisteuern“, so Klaus.

Die Stadt habe zur Weiterführung der Sicherungsarbeiten an dem von Vanadlismus und Leerstand geschädigten Gebäude an der B 81 bereits einen weiteren Antrag auf Fördergeld von Bund und Land gestellt.

Verkaufen statt verpachten?

Vor der Abstimmung im Stadtrat wollte Hans-Joachim Nehrkorn (Linke) wissen, ob es nicht sinnvoller wäre, Grundstück und Gebäude nicht an den Investor zu verpachten, sondern zu verkaufen. Die Stadt würde das Geld sparen und der Investor könnte steuerliche Vorteile nutzen, weil es sich um ein Denkmal handele.

Dagegen spreche, so Jens Klaus, dass zum einen der Investor noch nicht soweit sei, zum anderen seien die Sicherungsmittel für dieses Denkmal gebunden. Werden sie anders eingesetzt, müsse die Stadt zehn Prozent Eigenanteil aufbringen.

Peter Köpke (SPD) fragte, ob die dank der Sicherung erfolgende Wertsteigerung in den Pachtvertrag einfließen werde. „Wir machen nur einen Bruchteil dessen, was nötig wäre. Wir sichern, um einen kompletten Verfall zu verhindern“, so Jens Klaus. Der Stadtrat stimmte der Ausgabe schließlich ohne Gegenstimme zu.