Osterwieck l 13 Jahre hat Christine Krebs im Osterwiecker Heimatmuseum gearbeitet. Quasi als Leiterin und einzige Mitarbeiterin zugleich. Ihre letzte berufliche Etappe war nach ihren Aussagen die schönste. „Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.“ Schon als Kind habe sie sich, wenn sie mit den Eltern wieder mal umgezogen war, „immer zuerst Museum, Kirche und Friedhof angesehen“.

Immerhin sieben Mal war sie damals umgezogen. Geboren in Mücheln, kam sie 1970 nach Osterwieck und beendete hier ihre Schulzeit. Danach hatte sie viele berufliche Stationen und Tätigkeiten – als Facharbeiterin für Milchwirtschaft in der Molkerei, später im Hort, Gleitlagerwerk sowie die letzten vier Jahre bis zu deren Schließung in der Zuckerfabrik als Telefonistin.

In den 1990er Jahren nahm Krebs viel auf der Schulbank und in diversen „Maßnahmen“ Platz. „Ich wollte nicht zu Hause sitzen.“ So schulte sie zur Groß- und Außenhandelskauffrau um. „Für mein Wissen war das schön, aber ich habe keine Anstellung bekommen.“

Als Kirchenführerin kam berufliche Wende

Über die damalige Kantorin Gertraud Schneyer bekam Christine Krebs im Jahr 2000 einen Job als Kirchenführerin in der Stephanikirche. Außerdem begann sie in der Gruppe der Ortschronisten mitzuarbeiten, die ja im Museum ihren Platz haben. So kam eins zum anderen. Für Bürgermeister Ulrich Simons, der zu der Zeit im Museum hauptamtlich arbeitete, übernahm sie bei dessen Abwesenheit häufiger die Vertretung. Als Simons 2004 im Museum in Ruhestand ging, bekam Krebs die Stelle per Stadtratsbeschluss.

Seinerzeit war damit nicht nur das Museum verbunden, sondern auch die Aufgabe der Stadtinformation. Also die erste Anlaufstelle für Touristen in Osterwieck. Erst Ende 2010, nach Gründung der Einheitsgemeinde, wurden beide Einrichtungen getrennt.

Anfragen zur Stadt erhielt Christine Krebs aber danach weiter. Ihre Statistik des Vorjahres weist 3400 mündliche Anfragen und 700 per Mail aus. Dazu kamen 170 Briefe. Es ging vor allem um Auskünfte über die Geschichte der Stadt und ihrer Einwohner.

Nun ist das Museum erstmal zu. Einen hauptamtlichen Nachfolger für Krebs gibt es nicht, das hatte der Stadtrat im Februar 2017 beschlossen. Ein Verein soll stattdessen die Öffnungszeiten absichern.

Trotz der langen Vorbereitungszeit seitdem ist noch nicht klar, wie das Museum erhalten bleiben soll. „Ich denke schon, dass es eine Lösung geben wird“, bleibt die 63-Jährige zuversichtlich. Wichtig sei es aus ihrer Sicht vor allem, dass es von April bis September geöffnet wird. Das sei die Hauptbesucherzeit.

Leicht werden es die neuen, wahrscheinlich also ehrenamtlichen Betreuer aber nicht haben. Krebs sagte, ihre 13 Arbeitsjahre im Museum hätten nicht ausgereicht, um wirklich jedes Detail zu erfassen. Im Magazin schlummern wohl doppelt so viele Gegenstände, wie in der Ausstellung zu sehen sind. Wer immer das Museum übernimmt, müsse sehr viel Freizeit investieren, um das Wissen über die Gegenstände und darüber hinaus zur Stadtgeschichte zu erlangen.

Heimatmuseum mit Kostbarkeiten

Mit einer Heimatstube, wie es sie auch auf einigen Dörfern gibt, möchte Christine Krebs das Osterwiecker Museum nicht vergleichen. Den Unterschied macht sie an den strukturierten Themengebieten der Ausstellung fest, an der Arbeit mit Schülern und der touristischen Einrichtung in Osterwieck. Besucher seien vor allem Gäste der Stadt, stellte Krebs fest. Im Umkehrschluss bedauert sie, dass eben weniger Osterwiecker zu den Museumsbesuchern zählen.

Dabei gibt es hier Dinge zu sehen, die für alle gleichermaßen spannend sind. Krebs nennt die Ratstabula, die alle Bürgermeister und Stadträte von 1227 bis 1933 auflistet. „Das ist einmalig in Deutschland.“ Zweimal in Deutschland existiert ein speziell geformter Hochzeitsteller von 1480, von denen einer in Osterwieck ausgestellt ist. Eine Rarität sind die 38 Zeichnungen von Fachwerkhäusern aus der Hand von Paul Eisert in den 1920er Jahren. Sie sind so detailgetreu, dass sich selbst Sanierungswillige und Architekten diese Bilder vor einem Bauvorhaben anschauen.

Ein wenig stolz ist Christine Krebs auch, das in ihrer Amtszeit einige wahre Kenner der Fachwerkbaukunst das 1930 gegründete Museum angesehen haben. Sie meint Professor Manfred Gerner, quasi der Erfinder der touristischen Deutschen Fachwerkstraße, und Professor Gottfried Kiesow, den Begründer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Jetzt als Rentnerin würde Christine Krebs den Übergang des Museums in die neue Zeit beratend mit begleiten. Mitarbeiten möchte sie weiterhin in der heute fünfköpfigen Gruppe der Ortschronisten.