Bühne/Rimbeck/Hoppenstedt l „Seestädte“ werden die drei Orte Hoppenstedt, Bühne und Rimbeck wegen ihrer Nähe zur Ilse genannt. Während das Wasser des Flusses immer mal wieder über die Ufer tritt, bleiben die drei Orte hinsichtlich Erdgas trocken gelegt. Die Zeit der großen Erdgas-Erschließungen im Raum Osterwieck ist eigentlich lange vorbei. Im Wesentlichen wurde in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre in das Netz investiert. Mehrere kleine Orte sind dabei außen vor geblieben. Besonders die alten Grenzdörfer im Westen der heutigen Einheitsgemeinde.

Als sich die Hauseigentümer nach der Wende neue Heizungen zulegten, mussten die Betroffenen daher vor allem auf Öl und Flüssiggas setzen. Zumindest Heizöl steht jetzt vor dem Aus, zudem sind die alten Heizungen in die Jahre gekommen und „reif“ zum Austausch.

Deshalb haben schon Mitte 2019 Ortsbürgermeister, Installateure und Einwohner aus Bühne die Anfrage an die Halberstadtwerke als Osterwiecker Gasnetzbetreiber gerichtet, ob auch ihre Gemeinde versorgt werden könnte. Ende des Jahres gab es daraufhin eine gut besuchte Informationsveranstaltung in Hoppenstedt, zugleich der Auftakt für eine Bürgerbefragung.

Investition wäre "unwirtschaftlich"

Seitdem ist ein dreiviertel Jahr ins Land gegangen. Nun gaben die Halberstadtwerke das Ergebnis bekannt: Hoppenstedt, Bühne und Rimbeck werden kein Erdgas bekommen. Zum langen Zeitraum hat Corona nur bedingt beigetragen. Unternehmenssprecher Sebastian Hübner führte vor allem die äußerst akribische Untersuchung an. In deren Ergebnis die Millionen-Investition „deutlich unwirtschaftlich“ sein würde, wie Netz-Leiter Mathias Fruth hinzufügte.

Auf der Versammlung in Dezember seien rund 100 Fragebogen ausgegeben worden, von denen 37 beantwortet zurückkamen. Da die drei Orte aber über 300 Haushalte haben, wurden im März die verbliebenen Bewohner angeschrieben. Mit dem Ergebnis von weiteren 14 Rückläufern, die Anfang Mai vorlagen.

Parallel dazu liefen weitere Untersuchungen – unternehmensintern sowie unter Einbeziehung der Osterwiecker Stadtverwaltung, die die Verbräuche ihrer sieben kommunalen Einrichtungen für die Stadtwerke aufbereitete. Zur Erschließung war eine Hochdruckleitung ab Osterwieck vorgesehen, insgesamt 8,5 Kilometer Gasrohre einschließlich Ortsnetze.

Das Ergebnis der Befragung sah nach Angaben von Sebastian Hübner so aus: In Bühne hatten sich 14 der 121 Haushalte für Erdgas interessiert, in Rimbeck 18 von 102 und in Hoppenstedt 19 von 96. Also zeigten insgesamt nur 51 von 319 Haushalten grundsätzlich Interesse. Anders ausgedrückt: nur jeder Sechste.

„Selbst bei doppelter Anschlusszahl wäre das noch deutlich unwirtschaftlich“, bewertete Mathias Fruth das Ergebnis. Die Investition hätte sich erst in mehreren Jahrzehnten gerechnet. Er sprach von einem „großen zweistelligen Amortisationszeitraum“.Hinzu komme, dass durch die Lage der Häuser auf den Grundstücken häufig verhältnismäßig hohe Hausanschlusskosten für die Eigentümer entstanden wären.

Alternative Lösung für Heizung gesucht

Die Bühner wissen nun, dass es kein Erdgas geben wird. „Das Grundproblem bleibt damit aber: Was mache ich mit meiner Heizung?“, kann sich Sebastian Hübner in die Betroffenen hineinversetzen. „Wir wollen den Orten unter die Arme greifen.“ In zwei Veranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus Hoppenstedt und Gemeindezentrum Bühne wolle man demnächst alternative Lösungen vorstellen. Was laut Hübner die Optimierung der Bestandslösung sein könne oder eine Heizungsmodernisierung je nach Bedarf und baulichen Voraussetzungen zum Beispiel durch Wärmepumpe, Pelletsheizung oder Holzvergaser.

Darüber hinaus solle das Beratungsmobil der Halberstadtwerke in das Gebiet kommen. Und unabhängig davon steht Hannes Deicke im Osterwiecker Energieberatungszentrum am Markt weiter für Gespräche und Beratungen der Einwohner zur Verfügung.

Wie Peter Eisemann aus der Stadtverwaltung berichtete, habe seinerzeit auch der Ortschaftsrat Rhoden für sein Dorf Interesse an einer Erdgasversorgung signalisiert. Was ohne Bühne nun auch nicht weiter verfolgt werden kann. Aber auch Rhoden sowie die ebenfalls gasnetzlosen Orte Osterode, Göddeckenrode, Wülperode und Suderode stehen die Informationsangebote von Energieberatungszentrum und Halberstadtwerken offen.