Sanierung Gut Mahndorf

Herausforderung Denkmalschutz

Vor sieben Jahren haben sich Yvonne und Nicolaus von Löbbecke der Herausforderung ihres Lebens gestellt - der Rettung von Gut Mahndorf. Es gibt viele Erfolge und auch Probleme.

Von Jörg Endries
Yvonne von Löbbecke (Mitte) informierte den FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Marcus Faber (rechts) über die umfangreichen Arbeiten und Probleme bei der Sanierung und Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Guts Mahndorf.
Yvonne von Löbbecke (Mitte) informierte den FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Marcus Faber (rechts) über die umfangreichen Arbeiten und Probleme bei der Sanierung und Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Guts Mahndorf. Fotos (3): Jörg Endries

Mahndorf/Halberstadt - Yvonne und Nicolaus von Löbbecke leben für ihren großen Traum – das Gut Mahndorf samt Herrenhaus, großen Stallungen, der ehemaligen Reithalle, der alten Mühle, dem Speicher und den mehrere Hektar umfassenden Landschaftspark zu neuer Blüte zu führen. In den vergangenen Jahren gab es Erfolge zu feiern, es gibt aber auch Probleme, an deren Lösung das Ehepaar arbeitet. Die Sicherung  und Erhaltung eines Denkmals ist eine Herausforderung. Yvonne und Nicolaus von Löbbecke können davon ein Lied singen. Sie versuchen trotz vieler Probleme die Perle Gut Mahndorf vor den Toren Halberstadts für künftige Generationen zu sichern.

„Das Gutshaus samt Wirtschaftsgebäude und Park zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, ist angesichts der Dimensionen nicht immer ganz einfach und vor allem sehr teuer“, berichtet Yvonne von Löbbecke bei einem Besuch des FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Marcus Faber. Der Stendaler zeigt sich beeindruckt von der Fülle der Aufgaben und von dem Erreichten.

45 Fenster restaurieren

Yvonne von Löbbecke liefert ein Beispiel. Derzeit müssen die Fenster des Gutshauses instand gesetzt werden. „Ein Fenster schlägt mit 3500 Euro zu Buche. Das Herrenhaus besitzt insgesamt 45 Fenster samt 90 Fensterläden. Diese werden nun entlackt, geölt und dreifach mit reiner Leinöl-Farbe, einem reinen Naturprodukt, gestrichen.“ Leinöl-Farben müssten nie mehr gestrichen werden, sie blättern nicht ab, sondern sie müssen nur mit Leinöl regeneriert werden, das kann aber Jahrzehnte dauern, informiert die studierte Restauratorin. Sie habe sich mit ihrem Mann dafür entschieden, die fast 200 Jahre alten Originalfenster, soweit sie noch vorhanden sind, zu erhalten.

Yvonne von Löbbecke ist dankbar, dass die Untere Denkmalbehörde des Landkreises Harz und die Stadt Halberstadt sie nach ihren Möglichkeiten schnell und unbürokratisch unterstützen. So hätten sie vom Landkreis Harz mal 3000 Euro bekommen. „Das ist zwar schön, ist aber angesichts der enormen Aufgaben und notwendigen Investition zur Instandhaltung der Gebäude nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Sie wünscht sich, dass der Bund bei Denkmalschutzvorhaben umfassender und vor allem unbürokratisch hilft, gab sie Marcus Faber mit auf den Weg. Vorsichtigen Schätzungen zufolge wären etwa 12 bis 15 Millionen Euro für die komplette Sanierung des Guts und die vollständige Renaturierung des Landschaftsparks erforderlich.

Glücklich ist die Mahndorferin, dass das Land Sachsen-Anhalt 2019 das komplette Dorf Mahndorf unter Denkmalschutz stellte. Ein weiterer wichtiger Schritt war, dass die Stadt Halberstadt Mahndorf zum Stadtumbaugebiet erklärte und der Ortsteil damit Bestandteil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts wurde. Beides zusammen ermöglicht die Beantragung von Fördermitteln für die umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsvorhaben.

Normalerweise würden Gutshausbesitzer Investitionen aus der zum Gut gehörenden Landwirtschaft erwirtschaften und zum Erhalt von Gebäuden und Park einsetzen. „Die Einnahmequelle fehlt uns jedoch in Mahndorf. Was wir investieren, müssen wir privat erwirtschaften“, betont Yvonne von Löbbecke. Zwar würden etwa 18 Hektar Fläche zum Gut gehören, die werden allerdings nicht landwirtschaftlich genutzt. Umso wichtiger sei es, Fördermittelquellen zu erschließen.

Das sei allerdings nicht so einfach und Antragsverfahren oft sehr umfangreich und kompliziert. „Ich wünsche mir einfacherer Verfahren, die einen nicht verzweifeln lassen“, betont die Mahndorferin.

Gästehaus im Speicher

Vor allem die drei großen Stallriegel auf dem Gutsgelände, die aus den Jahren 1850 bis 1890 stammen, seien ein großes Problem. Die Sanierung der Bausubstanz muss erst einmal warten. Allein tausende Quadratmeter Dach müssten neu eingedeckt werden.

„Wir wollten eigentlich jedes Jahr 2000 Euro dafür investieren, um es Stück für Stück zu sanieren. Damit mussten wir aufhören, weil es einfach zu teuer ist. Es fand sich noch nicht einmal eine Dachdeckerfirma, die sich traute, für die riesige Dachfläche eine Kalkulation zu erstellen.“

Genauso schwierig sei es, die riesigen Stallungen und die Lagergebäude einer Nutzung zuzuführen, die Geld in die Kasse bringt, damit sich die Investitionen rechnen. Das trifft ebenfalls für das imposante Speichergebäude zu, dass wie die Stallungen in den zurückliegenden Jahren mühsam von Schrott und Müll beräumt werden musste. „Für die Sanierung des alten Speichers haben wir einen Förderantrag gestellt. Dafür könnte es einen Zuschuss von 85 Prozent der Kosten geben“, so Yvonne von Löbbecke. Eine Nutzung des Gebäudes als Gästehaus wäre denkbar.

Über Jahre zog sich ein Streit hin, wer für die Sanierung der desolaten und seit langer Zeit gesperrten Brücke über die Holtemme verantwortlich ist. Da gebe es nun endlich eine Einigung, berichtet Yvonne von Löbbecke. Danach übernehme das Land Sachsen-Anhalt die Reparatur der Brückenkonstruktion, die Familie müsste jedoch das Eichenholz bezahlen, mit dem das Bauwerk belegt wird. Immerhin seien dafür etwa 5000 Euro nur für das Material erforderlich.

Trotz der vielen Baustellen, gibt es in Mahndorf Erfolge zu feiern. Ein altes Wirtschaftsgebäude ist aufwendig für 130 000 Euro ausgebaut worden. Dort zog für die Belebung des Tourismus das Gutscafé ein. Die EU förderte das Vorhaben mit 48 000 Euro. Hinter den Mauern des über 100 Jahre alten ehemaligen Verwaltungsgebäudes entstanden hochwertige Wohnungen, weitere im Herrenhaus und in einem Nebengebäude.

Aus dem Dornröschenschlaf ist das 1910 erbaute Gärtnerhäuschen erweckt worden. Aufwendig saniert, ist es vermietet. Wichtige Weichen stellt das Gutsbesitzer-Paar gemeinsam mit dem Förderkreis zur Sicherung, Wiederentdeckung von Verlorenem und für die Weiterentwicklung des etwa 185 Jahre alten englischen Landschaftsparks.

„Nächstes Vorhaben ist, die einst vorhandene Sichtachse durch den Park in Richtung Brocken wiederherzustellen. Jahrzehntelanger Wildwuchs lies sie verschwinden“, so Yvonne von Löbbecke. Allerdings sei es ein Kampf, Fällgenehmigungen für den geschützten Park zu bekommen, obwohl es sich um Wildwuchs handelt.

Seit 2014 leben Yvonne und Nicolaus von Löbbecke mit ihren vier Kindern im Denkmal und setzen alles daran, es zu bewahren. Ihre Vorfahren haben ab 1833 das eindrucksvolle und heute unter Ensemble-Denkmalschutz stehende Gut samt englischem Landschaftspark erbaut. 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet, kehrte die Familie in den 1990er Jahren aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt zurück. 2012 übernahm Nicolaus von Löbbecke den Schatz von seinem Bruder Konstantin.

Die desolate Brücke über die Holtemme soll repariert werden.
Die desolate Brücke über die Holtemme soll repariert werden.
Jörg Endries
Der alte Speicher wartet noch auf eine Sanierung und Neunutzung.
Der alte Speicher wartet noch auf eine Sanierung und Neunutzung.
Jörg Endries