Dedeleben l Aufmerksamen Bürgern ist nicht entgangen, dass sich kürzlich ein Fernsehteam in Dedeleben und Westerburg aufgehalten hat. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob es zwischen dem niederdeutschen Volkshelden Till Eulenspiegel und der Region Dedeleben/Westerburg einen Zusammenhang gibt.

Gedreht wurde eine Folge der MDR-Doku-Reihe „Rätsel, Mythen und Legenden“. Die Leitung hat Heidi Mühlberg, von der auch das Drehbuch stammt. Die Fernsehjournalistin stützt sich auf die Forschungen des Historikers Bernd Ulrich Hucker, der sich seit Jahrzehnten bereits mit der Till Eulenspiegel beschäftigt und in der Fachwelt als der Eulenspiegel-Forscher gilt.

„Den Till Eulenspiegel, wie wir ihn heute kennen, hat es so nicht gegeben“, erklärt der Fachmann. Er sei indes eine Kunstfigur und das Produkt mehrerer Persönlichkeiten und überlieferter Erzählungen und Legenden.

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Lange sei man davon ausgegangen, dass „DER“ Till Eulenspiegel in Mölln gelebt habe, und dort 1350 auch gestorben sei. „Das das ist auch historisch nachgewiesen.“ In diesem Till erkenne er den Hofnarren und den Feind der Stadtbürger. „Dann jedoch passieren im Buch Sachen, die nicht passen können.“ Daher habe er weitergesucht. Wie jedoch ist Hacker auf die Idee gekommen, ausgerechnet in Dedeleben nach Spuren zu suchen?

Einen Ansatzpunkt für seine Forschung habe er 2007 in der Chronik von Rohrsheim gefunden. „Hier ist von einem Tile von Kneitlingen die Rede, der wegen Räuberei verurteilt worden ist.“ Über die Vornamen, Tile (eine Form von Dietrich) sei er dann über eine lange Indizienkette auf Till Eulenspiegel gekommen. Und weil Kneitlingen als der nachweisliche Geburtsort dieses Till Eulenspiegel gilt (das genaue Geburtsdatum weiß man heute nicht mehr, geschätzt wird das Jahr 1300), ist Historiker Hacker überzeugt, dass Tile von Kneitlingen sehr wahrscheinlich das Vorbild für einen weiteren Charakterzug des literarischen Till Eulenspiegel gewesen sein könnte.

Umso mehr, als im Buch mehrfach von einer nicht näher bezeichneten Raubburg die Rede ist – und Thile von Kneitlingen der Lehnsherr auf der Westerburg und später auf dem Rittergut in Dedeleben war. Zwar gibt es auf der heutigen Westerburg keine sichtbaren Spuren mehr, dagegen zeigen sich in Dedeleben gleich mehrere. So findet sich in der Ruine der Kirche Sankt Johannis ein erstaunlich gut erhaltenes Epitaph (Grabdenkmal) mit der Darstellung eines Ritters. Zwar kann es sich hier nicht um Tile selbst handeln, weil dieses Epitaph aus dem 16. Jahrhundert stammt. „Wir haben es hier mit einem Ururenkel zu tun“, ist Hacker überzeugt und zeigt sich erstaunt vom guten Zustand des Epitaphs „Ich bin allerdings entsetzt, dass ein solches historisches Denkmal unter so widrigen Bedingungen aufbewahrt wird“, sagt er hinsichtlich des Zustandes der Kirche Sankt Johannis, deren Dach lange eingestürzt ist.

Ein weiteres Zeichen für die Familie von Kneitlingen findet sich am Gutshaus des Rittergutes in Dedeleben, an dem das noch sehr gut erhaltene Wappen von Dietrich von Kneitlingen mit der Jahreszahl 1535 prangt. Und auch der schlechte Zustand dieses Gebäudes, das unter Denkmalschutz steht, treibt Historiker Hacker die Tränen in die Augen. Er würde sich wünschen, das die Verantwortliche erkennen, welche wertvollen Dinge sie hier verfallen lassen.

In einem Gespräch mit dem Dedelebener Chronisten Uwe Krebs erfährt Hacker, dass dieser wiederum im Archiv von Wolfenbüttel in der Reihe der Namen der Regensteiner Vasallen auf den Namen von Kneitlingen gestoßen sei. Der Name ist heute allerdings im Raum Dedeleben ausgestorben. Die Suche nach Belegen für die tatsächliche Existenz der historischen Person Till Eulenspiegel läuft schon seit über 200 Jahren. Für Uwe Krebs vom Heimatmuseum ist die Erkenntnis, dass die von Kneitlingen, die in Dedeleben mal eine wichtige Rolle gespielt haben, in direktem Bezug zu Till Eulenspiegel stehen, eine Sensation. „Diesen Erkenntnissen werden wir eine Ausstellung widmen.“

die Sendung „Rätsel, Mythen und Legenden“ rund um Till Eulenspiegel, Tile von Kneitlingen und Dedeleben wird am Karfreitag, 10. April, um 18.05 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt