Stadt Osterwieck l „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Stadtwehrleiter Frank Kenzig angesichts der extremen Schäden in Orten außerhalb des Osterwiecker Stadtgebietes. Hinter ihm lag eine weitere Einsatz-Nacht, jetzt mit Schwerpunkt in Hoppenstedt, wo die Feuerwehren gegen die Überflutung des alten Mühlengrundstücks kämpften. In Berßel war da das Gröbste schon überstanden. Hier stellten die Einsatzkräfte am Mittwoch gegen 22 Uhr ihre Arbeit ein. Der Pegel war gefallen.

„Das Problem war der lange Hochwasserscheitel“, sagte Kenzig. Dienstag um 5 Uhr begann der Einsatz der Feuerwehren in Berßel und zog sich bis Donnerstag, 7 Uhr, in Hoppenstedt hin. 50 Stunden Kampf gegen das Ilsewasser also.

Der Pegelstand in Hoppenstedt erreichte zwar nicht ganz den Rekordwert von 2002. Die Wassermenge sei aber größer als damals gewesen, habe Kenzig von einem Experten erfahren.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

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  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

    Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

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  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

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  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

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  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

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  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

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  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brüc...

  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

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  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

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  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

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  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

    Anwohner stehen in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matt...

  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

    Schaulustige in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall a...

  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina ...

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

1994 und 2002 gab es die letzten großen Fluten, die seinerzeit auch als „Jahrhunderthochwasser“ bezeichnet wurden. Nicht nur an der Ilse, auch an der Oker. Dass diese über die Landesstraße gelaufen und auf Wülperode und Göddeckenrode zugeströmt ist, hatte Manfred Riecher, derzeit Rathauschef in Osterwieck, damals nicht erlebt. Aber auch diese beiden Orte seien jetzt glimpflich davongekommen. „So schlimm es für Einzelne vielleicht doch gewesen ist.“

Schutzanlagen haben Schlimmeres verhindert

Kenzig und Riecher schätzten ein, dass die in den vergangenen Jahren durch das Land gebauten Hochwasserschutzanlagen entlang der Ilse ihren Nutzen bewiesen hätten. Kenzig ist am Mittwochnachmittag mit einem leitenden Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz von Ort zu Ort gefahren, hatte ihm die sprichwörtlichen Knackpunkte gezeigt. Für den Landesbetrieb dürfte es wichtig gewesen sein zu erfahren, ob und wie sich die errechneten Bauwerksdimensionen in der Praxis bewähren.

Kenzig und Riecher sind sich einig, dass vor den Hochwasserschützern weitere große Aufgaben stehen werden. Was die Unterhaltung der Ilse sowie den immer noch ausstehenden Bau zweier Schutzanlagen betrifft. Erst dann wäre auch die Berßeler Brockenblick-Siedlung sicherer. Das Wasser strömte am Donnerstag hinter Wasserleben über den Deich und dann kilometerlang durch Mais- und Weizenfelder auf Berßel zu. „Wir können froh sein, dass dort dieses Jahr keine Rüben wachsen“, meinte Kenzig. Dann hätte es eine Schlammflut gegeben.

Manfred Riecher ist es als amtierender Bürgermeister gestern ein Bedürfnis gewesen, allen Einsatzkräften zu danken. Teils waren sie sogar aus ihrem Urlaub gekommen, selbstständige Handwerker oder Landwirte haben ihre gewerbliche Arbeit ruhen lassen.

15 der 18 Osterwiecker Ortsfeuerwehren waren in den Hochwassergebieten.

Kräfte von außerhalb wurden nicht angefordert. „Die hätten wir auch nicht bekommen. Wir haben uns von vornherein auf uns verlassen“, berichtete der Stadtwehrleiter. Die Organisation mit einer koordinierenden Führungsstelle im Rathaus habe sich bewährt.

„Die Einsatzbereitschaft war sehr hoch“, unterstrich Frank Kenzig und bezog das auch auf die helfenden Einwohner in Berßel und Hoppenstedt, die Sandsäcke füllen und verlegen halfen. Wertvolle Dienste leisteten ortsansässige Firmen wie Landhandel, Landboden, Claas oder Beton und Tiefbau, die unkompliziert und schnell Technik bzw. Material stellten. Oder Helfer wie der Rentner Karl-Heinz Bormann in Hoppenstedt, der mit seinem Multicar die gefüllten Sandsäcke zur Mühle transportierte.

„Diese Einsatzbereitschaft der Leute können wir gar nicht hoch genug würdigen“, betonte Manfred Riecher.

Weniger schön und behilflich waren für die Einsatzkräfte die „Hochwassertouristen“, die vor allem in Berßel zu schaffen machten. Die wichtige Wasserlebener Straße zwischen Gerätehaus, wo die Sandsäcke gefüllt wurden, und Ilse-Brücke, wo die Sandsäcke benötigt wurden, war teils vollgeparkt. Autofahrer hätten Einsatzfahrzeuge behindert und einige sich auch noch uneinsichtig gezeigt. Daraufhin wurde diese Hauptstraße ganz abgesperrt und nur noch der Linienbus durchgelassen.

Hochwasser im geplanten Kiesabbaugebiet

Beobachtet wurde derweil vor allem von den Stötterlingenern, wie sich das Hochwasser auf den für den Kiesabbau vorgesehenen Ackerflächen verhält. Auf bereits abgeernteten Feldern wurde deutlich, dass sich das Wasser bis ins Kiesabbaugebiet ausgebreitet hat. Auf seinem Weg in Richtung Bühne schoss es förmlich über einen Feldweg.

Im Landesbergamt ist man bisher der Auffassung, dass der Hochwasserschutz kein Versagungsgrund für den Kiesabbau sei. Der entgegengesetzte Standpunkt der Einheimischen hat sich mit dieser Flut nochmals gefestigt.