Langenstein/Halberstadt l Fast zwei Jahre nach dem Hochwasser­ im Juli 2017 – Langenstein schrammte knapp an einer Katastrophe vorbei – begann im Bereich Ölmühlenteich/Goldbach vor Kurzem ein Projekt zur Verbesserung des Hochwasser­schutzes. Dort drohte ein Teil der Uferwand, die von den reißenden Fluten des Goldbachs beschädigt wurde, wegzurutschen. Mit ­Schrecken denken Langensteiner, Halberstädter und vor allem die Harslebener an das Hochwasser zurück. Der sonst friedliche Goldbach trat damals über seine Ufer und überflutete Gärten, Häuser und Straßen.

„Mit Hochwasserschutz haben die Arbeiten am Ölmühlenteich überhaupt nichts zu tun“, kritisiert Ortschaftsrat Holger Werkmeister (FDP) während der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstagabend. „Die Betonteile schützen Langenstein nicht vor einer Flut.“ Nach Meinung des Bauingenieurs müssten die U-förmigen Bauelemente, die auf etwa 20 Meter Länge den Erdwall zwischen Ölmühlenteich und Goldbach sichern, 1,50 Meter höher sein.

„Ich habe vor dem nächsten Hochwasser Angst. Nichts würde den Goldbach daran hindern, erneut über das Ufer zu treten“, warnt Holger Werkmeister. Das Wasser würde einfach die unbefestigte ­Böschung wegspülen beziehungsweise sich einen anderen Weg in das Dorf suchen.

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Uferwand vor Wegrutschen gesichert

Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU) sieht die Lage nicht ganz so dramatisch. „Es ist sehr wichtig, dass die 2017 stark beschädigte Uferwand befestigt wird. Würde das nicht geschehen, wäre die Gefahr groß, dass sie wegbricht.“ Mehr sei mit dem Bauvorhaben nicht beabsichtigt.

Konstantin-Leonard­ Dittrich, Projekt-Ingenieur des für den Goldbach zuständigen Unterhaltungsverbandes ­Ilse-Holtemme, bestätigt das.

„Es ist nicht unser Anliegen, den Ölmühlenteich so zu sichern, dass er bei Hochwasserlagen nicht über seine Ufer tritt“, betont Dittrich. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Sicherung der einsturzgefährdeten Uferwand. Wäre mehr gefordert, müsste man den kompletten Teich entlang der Dorfstraße sichern, so der ­Ingenieur. Die alte und ­beschädigte Ufermauer ist mittlerweile abgerissen und durch eine neue ersetzt worden. Tonnenschwere U-förmige Betonteile sorgen sowohl zum Ölmühlenteich als auch zur benachbarten Kreisstraße künftig für Stabilität. „Die ­Gefahr, dass bei einem erneuten Hochwasser­ereignis die Uferwände an dieser Stelle wegbrechen, ist damit gebannt. Mehr nicht“, so ­Konstantin-Leonard Dittrich.

Langensteins Ortsbürgermeister sieht die Lösung für die latente Hochwassergefahr im Verlauf des Goldbaches an einer ganz anderen Stelle. Nämlich einige Kilometer vor ­Langenstein. „Bei Heimburg, unterhalb des Regensteins, soll ein Rückhaltebecken entstehen. Nach ersten Berechnungen könnte das bis zu 60 000 Kubikmeter Wasser fassen. Damit wäre es möglich, den Wasserzulauf des Goldbachs zu regeln und effektiv Hochwasserschutz für Langenstein, Halberstadt und Harsleben zu betreiben“, ist sich Jürgen ­Meenken sicher. Dafür setzt sich eine Gewässer-Allianz ein, zu der die genannten Orte sowie die Stadt Blankenburg gehören.

Rückhaltebecken soll Gefahr bannen

Mittlerweile ist es amtlich, dass der Goldbach bei Hochwasser gefährlich ist. Er ist vom Land Sachsen-Anhalt als Risiko-Gewässer eingestuft worden, bestätigt Dr. Christoph Ertl, Leiter des Flussbereiches Halberstadt des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. An einer Lösung, um die Hochwassergefahr für die Orte zu bannen, werde beschleunigt gearbeitet. „In diesem Jahr erstellen Fachleute für den Goldbach Risiko-Gefahrenkarten. Für verschiedene Hochwasser-Szenarien ermitteln sie Überschwemmungsflächen mit entsprechenden Projektvorschlägen. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Sind sie komplett, können die betroffenen Kommunen gezielte Projekte beantragen.“ Dafür Allianzen zu schmieden, wie es für den Goldbach erfolgt ist, würde daher Sinn machen.

„Die Lösung des Problems wird wahrscheinlich auf den Bau eines Rückhaltebeckens hinauslaufen“, bestätigt Christoph Ertl. Allerdings sieht er den Standort dafür nicht auf der Wiese unterhalb des Regensteins bei Blankenburg, sondern ein ganzes Stück weiter im Verlauf des Goldbachs in Richtung Langenstein.

Allerdings müssen erst genauere Untersuchungen zeigen, wo letztendlich das Rückhalte­becken entstehen kann.