Halberstadt l Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt erarbeitet derzeit einen Risikomanagementplan Hochwasserschutz für den Goldbach, informierte kürzlich Christoph Ertel, Chef des Flussbereiches Halberstadt. Bis Dezember 2021 soll das Papier veröffentlicht werden. Der Volksstimme gewährte der Experte einen Blick in den Plan. Im Zentrum steht der mögliche Bau des sogenannten Nord­beckens am Pfeifenkrug an der B 81, das dem Goldbach seine Gefährlichkeit nehmen soll. Damit reagieren die Verantwortlichen auf das verheerende Goldbach-Hochwasser im Sommer 2017.

Vor drei Jahren verwandelte sich der sonst ruhige Bach in ein Hochwasser-Monster. Besonders hart traf es Harsleben, auch Teile Halberstadts standen unter Wasser. In Langenstein drohte eine Straße samt Damm weggespült zu werden. Seitdem suchen die Fachleute nach einer Lösung, um die Hochwassergefahr für die Kommunen zu reduzieren.

Risikogewässer

Es wird davon ausgegangen, dass der Goldbach, der seit 2018 als Risikogewässer eingestuft ist, in den Gemarkungen Blankenburg, Halberstadt, Harsleben und Wegeleben über ein Schadenpotenzial von etwa 4,6 Millionen Euro verfügt. Fachleute untersuchten in den zurückliegenden Jahren fünf potenzielle Standorte für ein Hochwasserrückhaltebecken, das bei gefährlichen Lagen für eine spürbare Entlastung sorgt.

„Dabei ist eine Vorzugsvariante in den Fokus gerückt. Das sogenannte Nordbecken am Pfeifenkrug“, berichtet Christoph Ertel. Dort wäre der Bau eines 230 Meter langen und sechs Meter hohen Dammes am Goldbach möglich. Das so entstehende Becken würde über ein aktivierbares Stauvolumen von 1,16 Millionen Kubikmetern Wasser verfügen. Der Bau des Rückhaltebeckens würde nach heutigen Schätzungen etwa 3,5 bis fünf Millionen Euro kosten.

Baustart-Termin unbekannt

Von den Dimensionen her sei das ein anspruchsvolles Vorhaben, so der Leiter des Flussbereichs Halberstadt. Aber es würde für alle Orte hinter dem Damm eine spürbare Entlastung bei Hochwasserlagen bringen. Dass die Kommunen die für den Bau des Staubeckens enorme finanzielle Belastung gemeinsam stemmen können, davon geht Christoph Ertl nicht aus. Vielmehr sei es eine Aufgabe des Landes, das Projekt zu finanzieren. Wann es zum Bau kommen könnte, stehe noch in den Sternen. Im Risikomanagementplan Hochwasserschutz steht zur Zeitschiene hinter dem Vorhaben der Vermerk „langfristig“.

Allerdings haben auch die Kommunen ihren Anteil am Hochwasserschutz finanziell zu schultern. Damit sollten sie sich jetzt schon beschäftigen, empfiehlt Ertl. Dazu gehören unter anderem als kurz- und mittelfristig umsetzbare Projekte in Harsleben wie der Ersatzneubau der Brücke am Hundeplatz, die Aufweitung von Gewässerbiegungen, der Neubau des Hochwasserschutztores am Alexanderplatz sowie der Bau von Hochwasserschutzwänden links und rechts des Goldbachs.

Schutzwall

In Halberstadt geht es unter anderem um den Neubau des Schutzwalls Am Sommerbad, den Ersatzneubau der Brücke am Spiegelsbergenweg sowie den Rückbau eines Wehres. In Langenstein müsse eine Lösung für das Nadelöhr Mühlengraben gefunden werden. Dabei handelt es sich um einen Kanal, der bei Hochwasser schnell zum Engpass wird. Außerdem soll in der Ortslage ein altes Gewässerbett als Überflutungsfläche aktiviert werden.

Für die kommunalen Vorhaben können beim Land Fördergelder aus dem Programm des kommunalen Hochwasserschutzes aktiviert werden. Damit sinke der Eigenanteil der Kommunen auf zehn Prozent, rät ­Christoph Ertl.

Sanierung an der Holtemme

Ein Risikogewässer ist aber auch die Holtemme, die beim Hochwasser 2017 in Mahndorf und Veltensmühle große Schäden verursachte. Im Flussverlauf sollen Deichanlagen erneuert und Deiche geschlitzt werden, um sie bei Hochwasser entlasten zu können. 230.000 Euro investierte der Landesbetrieb bereits in die Wiederherstellung der Böschungssicherungen. Wurzelstöcke und Sedimente aus Böschungsabrüchen wurden entfernt, so Ertl.