Halberstadt l Für eine umfangreiche Bibliothek und eine reiche Handschriftensamlung ist das Gleimhaus in Halberstadt bekannt. Doch dass das Literaturmuseum auch eine grüne Oase birgt, wissen nicht viele. Umgeben von alten Mauern befindet sich ein kleiner Innenhof im Gebäudekomplex am Domplatz. Er ist Schauplatz für den Auftakt der diesjährigen Auflage der Serie Hof-Blicke, die die Volksstimme gemeinsam mit der Stadtverwaltung Halberstadt initiiert.

„Der Hof ist noch ein wenig im Winterschlaf“, sagt Annegret Loose, stellvertretende Direktorin des Gleimhauses, entschuldigend. „Zum Beispiel fehlen die Blumenkästen noch.“ Kein Wunder, so Grünamtschefin Roswitha Hutfilz, milde Temperaturen haben in diesem Frühjahr lange auf sich warten lassen. Deshalb hätte es wenig Sinn ergeben, Geranien und Co. schon zu pflanzen und der Gefahr auszusetzen, Frost abzubekommen. Dass dem Gleimhaus-Innenhof deshalb etwas fehlt, sieht sie nicht so. „Er überzeugt in seiner Schlichtheit und ist für seinen Zweck angemessen.“

Hofabende bei Kerzenschein

Dieser Zweck sind Veranstaltungen in den Sommermonaten, zum Beispiel der Reihe „Hofabend bei Gleim“, berichtet Annegret Loose. „Dann werden Stehtische und Kerzen aufgestellt. Die Abende sind sehr gemütlich.“

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Siegrun Ruprecht freut sich darüber, dass der Hof so für Besucher zugänglich ist. „Wir als Stadt sind bemüht, dass die Altstadt nicht nur schön aussieht, sondern mit Leben erfüllt wird“, sagt die Stadtplanerin. „Das sollte gerade hier der Fall sein. Es war schon immer ein Ort der Begnung und Freundschaft.“ Sie bezieht sich auf die Zeit, in der der Namensgeber des Gleimhauses lebte.

Auf den Spuren von Gleim

Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde am 2. April 1719 geboren. Der studierte Jurist lebte in Halle, Berlin und Potsdam, bevor er 1747 als Sekretär des Domstifts nach Halberstadt kam und in ein um 1600 erbautes Haus am Domplatz zog. Das wurde ihm jedoch bald zu eng, sagt Annegret Loose. Im Jahr 1752 erfolgte ein Anbau. Der heutige Innenhof war damals vielmehr ein Garten.

Gleim pflegte enge Freundschaften zu Schriftstellern wie Kleist, Lessing und Klopstock. Eine – etwas morbide wirkende – Besonderheit zeugt noch heute davon: Urnen, die von Eufeu umrankt an einer Mauer stehen. „Das sind Gedenk-Urnen, die Gleim zum Gedenken an verstorbene Freunde herstellen ließ“, erläutert die Gleimhaus-Mitarbeiterin. Ursprünglich standen sie kreisförmig um das Grab des Dichter-Vaters, wie Gleim genannt wurde, am Ententeich. Dort befand sich ein großzügiger Garten des Literatur-Mäzens. „Nach der Sanierung des Hofes wurden die Urnen hergebracht“, berichtet Annegret Loose.

Tipps von Grünamtschefin

Das war kurz nach der politischen Wende. Damals wurde der Hof mit Sandsteinplatten ausgelegt. An den ursprünglichen Garten erinnert heute ein Beet im Zentrum des Hofs. Darin wachsen ein mehrere Meter hoher Kisrchlorbeer, Farn, ein Lebensbaum und Kermesbeere. „Den Lebensbaum würde ich entfernen, er erdrückt sonst irgendwann den Kirschlorbeer“, rät Roswitha Hutfilz. Stattdessen empfiehlt sie mehr Farne zu pflanzen. „Die sind pflegeleicht und schön anzusehen“, so die Expertin. „Und wenn Sie sich mehr Farbe wünschen, würde ich ihnen zu ‚Goldheart‘-Efeu raten. Bei dieser Sorte ist die Mitte der Blätter in einem kräftigen Gelb gefärbt.“

Annegret Loose notiert die Experten-Tipps und hofft, dass sie bald umgesetzt werden können. Denn spätestens Donnerstag, 15. Juni, ist der Winterschlaf für den Innenhof entgültig beendet. Um 19.30 Uhr lädt Dr. Uwe Pott zum ersten „Hofabend bei Gleim“ in dieser Saison ein.