Halberstadt l Als einst Familie Klamroth das herrschaftliche Haus an der heutigen Sternstraße 7 bezog, lag es noch vor den Toren der Stadt. Außer einer Pferdedroschke, die ab und zu übers Pflaster rumpelte, dürfte himmlische Ruhe geherrscht haben. Heute, viele Jahre später, hat sich nicht nur der Straßenbelag geändert. Das Sternenhaus, das seit dem Jahr 1931 dem Cecilienstift gehört, liegt an einer der Haupeingangsstraßen nach Halberstadt, und aus den ratternden Kutschen sind laute Autos geworden. Zu laut für manchen, sagt Schwester Veronika Unglaube, eine der Bewohnerinnen des Sternenhauses. Nach vorne, zur Straße hin, halte sich trotz hohen und dichten Baumbewuchses kaum noch einer der aktuell 20 Senioren auf, die derzeit in den 19 Wohnungen des Anwesens leben.

3.000 Quadratmeter Garten

Das ist zwar ärgerlich, aber keineswegs schlimm. „Wir haben einen super Garten“, sagt Pfarrerin Hannah Becker vom Vorstand des Cecilienstifts.

In der Tat: Nicht nur das große, umfassend sanierte Haus besticht, auch der rund 3.000 Quadratmeter große, bis an die Holtemme heranreichende Garten übt eine besondere Faszination aus. Obwohl, das Wort Garten trifft es nicht unbedingt. Es ist ein Park, der sich dem Betrachter in den verschiedensten Stadien der Wildnis präsentiert. Direkt am Haus fast englisch, mit kurzem Rasen, einigen mediterran anmutenden Pflanzen, Springbrunnen und geräumigem Pavillon, der die Sternenhaus-Bewohner zum Verweilen einlädt. Sogar öffentliche Konzerte finden manchmal hier statt, „damit die Menschen herkommen“, sagt Pfarrerin Becker.

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Verwilderter Park

Richtung Holtemme ändert sich der Charakter, der Garten wird zum Park, der sich zunehmend verwilderter präsentiert. Aber betreten wird er dennoch. Spazierwege gibt es, die von den Senioren genutzt werden, die Sternenhaus-Bewohnerinnen Ingrid und Karin Ackermann haben sogar ein kleines Gärtchen angelegt mit Erdbeeren, Blumen und Kräutern. Und einem kleinen Detail, das Stadtplanerin Siegrun Ruprecht sofort auffällt. Ein kleiner Weg führt durch das Beet, damit die Gärtnerinnen nicht durch Erde stapfen müssen. „Die Tritte sind aus Holz“, lobt Ruprecht, „andere hätten Plastik genommen“. Ohnehin sei das Anwesen aus städtebaulicher Sicht etwas Besonderes: „Am Ortsausgang hätte man eher einen Baumarkt erwartet.“

Aber auch Roswitha Hutfilz von der Abteilung Stadtgrün ist angetan von dem, was sie sieht. Und noch mehr von der Vorstellung, was sich aus dem Park zaubern ließe. „Gebt mir zehn Mann und zwei Jahre Zeit“, schwärmt sie. Das Ergebnis könnte in der Tat spannend werden.

Ersatz für umgestürzte Buche

Aber bis es soweit ist, müssen Cecilienstift und Sternenhaus-Bewohner in kleinen Schritten denken. Etwa, wie die alte, den Garten dominierende Buche ersetzt werden soll, die vor einiger Zeit dem Pilzbefall zum Opfer fiel. Hutfilz rät davon ab, gleich wieder eine Buche zu pflanzen. Schließlich seien die Pilzsporen noch im Boden und damit eine potenzielle Gefahr. Lieber einen anderen Baum nehmen oder, falls es eine Buche sein soll, einige Jahre warten. Sie rät zur Eiche oder zur Linde. Und weil sie die Fachfrau schon mal in Reichweite hat, fragt Ingrid Ackermann, was denn mit dem Fuchs geschehen solle, der immer mal wieder durch den Garten streunt. „Der hat hier nichts zu suchen“, antwortet die Frau vom Rathaus resolut – schließlich könne das Tier Krankheiten übertragen. Ihr Tipp: Den Jäger holen. „Der stellt Lebendfallen auf.“

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